«Besser als die Quizlegenden» Das kurze Comeback der Schweizer Kultmoderatoren

Wer ist schlauer als sie? Heute Samstagabend kehren die Kultmoderatoren aus 40 Jahren Schweizer TV zurück. In «Besser als die Quizlegenden» beweisen Amgarten, Thurnheer, Fein & Co., dass sie beim Antworten genauso gut sind wie beim Fragen.
Quizlegenden Teaserbild SRF
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Zeitreise: Kurzes Comeback von Beni Thurnheer, Raymond Fein, Gabriela Amgarten, Stephan Klapproth und René Rindlisbacher (v. l.) in den alten Kulissen ihrer Shows.

Raymond Fein: «Häsch es Schnüfeli däbii?»

Show: «Traumpaar», 1987–1993
Konzept: Ratespiel für Paare
Job heute: Kommunikationsberater, Boogie-Woogie-Musiker, Maler

Raymond Fein SRF Quiz Quizlegenden
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Mister Traumpaar: Raymond Fein, 67, wurde mit dem Paradiesbaum und dem rosaroten Sendungsmaskottchen Schnüfeli TV-Kult.

Obwohl es 25 Jahre her ist, dass seine Sendung über eine Million Zuschauer holte, kann Raymond Fein bis heute keine Beiz betreten, ohne nach dem Maskottchen Schnüfeli gefragt zu werden. Er verbindet nur positive Erinnerungen mit der Show, vermisst sie aber nicht: «Wenn ich mir ‹Traumpaar› heute ansehe, ist es, als würde ich einen alten Schwarz-Weiss-Film schauen. Weit weg.»

Die Sendung war Feins Baby, er machte sie mit einer Assistentin von A bis Z selbst. Entwickelte Fragen, schnitt Beiträge, betreute Gäste, kümmerte sich um die Optik und Musik. «Eine One-Man-Show.» Und die kam an: Über 20 000 Menschen bewarben sich als Kandidaten.

Raymond Fein SRF Quiz Quizlegenden
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«Traumpaar» lief von 1987 bis 1993.

Beim «Traumpaar» fanden sich auch Singles, einige von ihnen sind heute verheiratet. «Ich hätte schon zweimal Götti eines ‹Traumpaar›-Kindes werden können», sagt Fein. Sein Sohn Ruben, 15, geht ins Gymnasium und macht mit ihm Musik. Tochter Raël, 20, studiert Jus. Der «relaxt geschiedene» Moderator sieht gerne Quizshows wie «Wer wird Millionär» und «Gefragt – Gejagt».


René Rindlisbacher: «Ich bin ein Quizzer»

Show: «Die Millionen-Falle», 2011-2015
Konzept: Kandidaten setzen Geldbeträge auf Antwortoptionen
Job heute: Komiker Edelmais

Rene Rindlisbacher Quiz SRF Quizlegenden
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Das grosse Geld: Bei René Rindlisbachers Quiz konnten Kandidatenduos bis zu einer Million gewinnen – oder verlieren!

Viele Menschen, die ihm begegnen, denken, seine Quizshow gäbs bis heute – für Komiker René Rindlisbacher, 54, ein Kompliment. «Da sieht man, wie selektiv die Menschen fernsehen.»

In «Die Millionen-Falle» stand die Quizwelt kopf. Statt Geld zu gewinnen, bekamen die Kandidaten am Start eine Million Franken. Bei falschen Antworten ging Geld verloren. «Manchmal taten mir die Leute leid», gibt Rindlisbacher zu, der als Comedy-Moderator gerne bei der ersten Frage auch ein bisschen half. Kuriose Kandidaten? «Ich erinnere mich an ein Paar, bei dem immer die Frau alleine antwortete. Aber sie hatte auch stets recht.»

Rene Rindlisbacher Quiz Quizlegende
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«Die Millionen-Falle» lief von 2011 bis 2015.

Er selbst liebt ausgefuchste Logikrätsel und IQ-Tests. «Ich bin ein Quizzer. Solche Rätsel machen mich immer neugierig.» Er bedauert, dass die «Millionen-Falle» nach vier Jahren abgesetzt wurde, sagt aber: «Meine Berufung ist die Bühne.» Und auch da steht wieder ein Abschied an: Nach 13 Jahren verlässt das Duo Edelmais heuer die Bühne. «Aber es kommt wieder was von mir», verspricht Rindlisbacher.

Gabriela Amgarten: «Ein schönes Jahrzehnt»

Show: «Risiko», 1992–2000
Konzept: Mischung aus Quiz und Glücksspiel
Job heute: Kommunikationsberaterin, Coach für Führungskräfte

 Gabriela Amgarten SRF Quiz Quizlegenden
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Bunte Show: «Unsere Kultpanne mit dem kaputten Goldrad ist ins kollektive Gedächtnis der Schweiz eingegangen», sagt Gabriela Amgarten.

Ihre Sendung war ein Potpourri aus Unterhaltung, Quiz und Prominenten, das Studio ihre «gemütliche Stube»: 152 Mal moderierte Gabriela Amgarten, 56, live «Risiko». «Heute wäre dieser Gemischtwarenladen wohl kein Hit mehr.» Legendäre Panne: Im Oktober 1993 geht das Goldrad kaputt, Amgarten moderiert ganz Profi weiter. Erst seit 2017 weiss sie, was passiert ist. «In der Probe drehten ein paar Spassvögel die Schrauben locker. Unglaublich.»

Weniger lustig: 1998 betrügt ein Kandidat. Er weiss die Antworten auf die Fragen dank Spickzettel vorher. Er gewinnt zu Unrecht 95 000 Franken und muss ins Gefängnis. Sein Spruch wird Kult: «Das isch de Fussballer Moldovan gsi.»

Gabriela Amgarten SRF Quiz Quizlegenden
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«Risiko» lief von 1992 bis 2000.

Dennoch zieht Amgarten positive Bilanz: «Ich vermisse die Show zwar nicht, aber es war ein schönes Jahrzehnt für mich.» Noch heute grüssen sie manche mit: «Hallo, Frau Risiko.» Ihre Tochter Sophie, 16, kümmert das wenig. «Die Show hat sie bisher nicht sonderlich interessiert.» Mit ihr lebt sie bei Luzern. Amgarten pokert gerne und quizzt in einer App. «Oh ja, ich spiele gerne.»

Bernhard Thurnheer: «Pfahlbauerfernsehen»

Show: «Tell-Star», 1980–1991
Konzept: Quiz mit drei Kandidaten und Spezialwissensfragen
Job heute: Sport- und Radiomoderator, Autor, Referent

Beni Thurnheer SRF Quiz Quizlegenden
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Unterhaltungsklassiker: Thurnheer begegnet sogar Kindern, die ihm die «Tell-Star»-Titelmelodie vorsummen können.

Für seine Sendung mussten die Kandidaten noch richtig pauken: Bei «Tell-Star» mit Beni Thurnheer, 68, gings nicht nur um Wissen und die Schweiz. In der letzten Runde trumpften die Kandidaten im roten Gondeli mit einem Spezialgebiet auf. «Aber das war letztlich auch das Problem der Show. Wir fanden irgendwann keine passenden Kandidaten mehr, konnten immer weniger Wissen verlangen», sagt Thurnheer heute.

Dennoch lief «Tell-Star» volle zwölf Jahre. Ein Erfolg, den Beni national nicht primär seinem Können und Charme zuschreiben will. «Das war noch die Zeit des Zwangskonsums, ohne Privatsender. Pfahlbauerfernsehen.

Beni Thurnheer SRF Quiz Quizlegenden
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«Tell-Star» lief von 1980 bis 1991.

Die Menschen schauten alles, was aus der Unterhaltung kam», lacht er. Für ihn macht die Authentizität einen guten Quizmoderator aus. Noch mal den Frageonkel geben würde er nicht mehr. «Aber bei ‹Wer wird Millionär?› rate ich natürlich mit.» Seit seiner offiziellen Pensionierung 2015 ist er zum Experten und Redner für TV-Geschichte geworden und arbeitet einmal pro Woche bei SRF Sport. «Es vergeht kein Tag ohne Termine.»

Stephan Klapproth: «Das schwierigste Quiz»

Show: «Quiz today», 2002–2004
Konzept: Quiz über das aktuelle politische Geschehen mit prominenten Paten
Job heute: Publizistik-Dozent, Referent, Moderator

Stephan Klapproth Quiz Quizlegenden
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Durchblick: Ein Newsmann, der ein Quiz moderiert? Stephan Klapproth schaffte den Spagat.

Seine Schlusspointe nach jeder «10vor10»-Sendung war die beste Bewerbung für die Moderation einer Unterhaltungssendung. So kam Newsmann Stephan Klapproth, 59, zu «Quiz today»: «Die Show sollte das schwierigste Quiz im TV sein. Man musste richtig was wissen.»

Das Studiodesign war bunt, Ratespiele mischten sich mit Talks. Das Quiz war für viele Wirtschaftsführer und Politiker die Chance, sich locker zu zeigen. «Einmal spielten Christiane Brunner und Ueli Maurer, sonst politisch spinnefeind, in einem Team. Grossartig», erinnert sich Klapproth. Trotzdem sank die Quote, die prominenten Paten der Kandidaten glänzten oft durch Unwissenheit, und die Presse kritisierte die Show.

 Stefan Klapproth SRF Quiz Quizlegenden
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«Quiz today» lief von 2002 bis 2004.

Nach 43 Sendungen war Schluss. «Das Quiz war noch unausgegoren, hatte als neuartiges Politspiel aber Potenzial und durchaus auch seine Liebhaber. Für mich wars ein Riesenspass», sagt Klapproth heute. Seit seinem Ausstieg bei «10vor10» vor drei Jahren arbeitet er als Dozent, Referent, Kongressmoderator und sitzt gerade an einem Buchprojekt.

«Besser als die Quizlegenden»

Teil 1: Samstag, 3. Februar., 20.10 Uhr, SRF 1
Teil 2: Samstag, 21. April, 20.10 Uhr, SRF 1

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