Rücktritt nach 15 Jahren im Nationalrat Chantal Galladé hat ab Herbst mehr Zeit für ihre Töchter

Nach 15 Jahren im Nationalrat hat SP-Frau Chantal Galladé genug: Die Zürcherin tritt im November 2018 zurück. In einem neuen Bericht erklärt die Familienmutter, warum die Bundespolitik immer noch auf Männer ausgerichtet ist und was sich in Bundesbern zwischen ihren beiden Schwangerschaften verändert hat.
Chantal Galladé Porträt aus dem Bundeshaus 2015
© Keystone

SP-Nationalrätin Chantal Galladé tritt nach 15 Jahren im November 2018 zurück.

Seit Chantal Galladé, 45, Anfang Juni dieses Jahres zur Schulpräsidentin der Kreisschulpflege Winterthur Stadt-Töss ZH gewählt wurde, rechneten einige Beobachter mit dem baldigen Rücktritt der Nationalrätin. Sie behielten recht: Im heutigen «Sonntagsblick» gibt die Zürcherin bekannt, dass sie aus der grossen Kammer abtritt.

«Ende November ist Schluss», sagt Galladé. Demnach wird die Herbstsession ihre letzte ganze Session sein.

Sie hat zwei Töchter

Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich in ihren 15 Jahren in Bundesbern einen Namen als hartnäckige Sozialdemokratin gemacht. In Sachen Vereinbarkeit von Familie und Politik spricht Galladé aus Erfahrung: Während ihrer Zeit als Nationalrätin ist sie zwei Mal Mutter geworden. Im Jahr 2004 wurde ihr erste Tochter Amélie, 13, geboren. Im Jahr 2015 erblickte Töchterchen Victoria, 2, das Licht der Welt. 

Galladé stört sich daran, wie wenig sich verändert hat

Als Mutter und Politikerin ist sie mit der Situation in Bundesbern nicht zufrieden: «Für Parlamentarierinnen mit kleinen Kindern hat sich in meiner Zeit leider gar nichts verändert», so Galladé gegenüber «Sonntagsblick».

Die Bundespolitik sei immer noch ausgerichtet auf Männer, deren Frauen zu den Kindern schauten. Das zeigt sich laut Galladé am Sitzungsrhythmus. Für die Sessionen ist sie vier Mal im Jahr drei Wochen am Stück in Bern. Ebenso mühsam empfindet Galladé die Unregelmässigkeit der Kommissionssitzungen: «Das ist mit der Betreuung von Kleinkindern schwierig vereinbar.» 

Für die Erziehungswissenschaftlerin ist klar, dass sich dieser Umstand ändern muss. Gegenüber der Zeitung macht sie einen Vorschlag: «Die Räte sollten sich einen oder zwei Tage pro Woche treffen. Das würde die Planung sehr vereinfachen.»

Im Jahr 2004 war eine Geburt noch keine Entschuldigung

Obschon die zweifache Familienmutter hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Politik insgesamt eher ein trauriges Fazit zieht, ist sie mit einer Entwicklung zufrieden. Im Jahr 2004 hätte sie noch unentschuldigt gefehlt, als ihre erste Tochter zur Welt kam. Heute gelte eine Geburt nicht mehr als Schwänzen.

Als Fortschritt sieht Galladé auch, dass es für die Mamas im Nationalrat heute einen Raum gibt, wo sie ihre Babys in Ruhe stillen können. Als ihre erste Tochter zur Welt kam, musste sich Galladé noch in die Toilette begeben, um dort ungestört Milch abpumpen zu können.

Ab November wird sich die Zürcherin ganz auf ihren neuen Job als Schulpräsidentin und noch mehr auf ihre zwei Töchter konzentrieren können. 

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