«Ohne meine Liebsten hätte ich das nicht überstanden» Cony Sutter spricht über sein Leben mit dem Krebs

Die Krebsdiagnose des Erfolgskomikers schockte die Schweiz. Jetzt spricht Cony Sutter zum ersten Mal über die schwerste Zeit seines Lebens, über die Auflösung von Sutter & Pfändler und seine Pläne für die Zukunft.
Cony Sutter Krankheit Tochter Patricia Enkelin Kleio
© Geri Born

Cony Sutter, Tochter Patricia und Enkelin Kleio im verwilderten Garten, wo sie schon bald ihre Gäste bewirten wollen. 

Schmerikon am oberen Zürichsee. Sommeridylle pur. Cony Sutter, 59, geniesst mit Tochter Patricia, 32, und seiner Enkelin Kleio, 3, den wilden Garten unweit seiner Wohnung. Die Kleine hat nur Augen für ihren Grossvater. Dieser platzt fast vor Stolz: «Die Familie ist das Wichtigste im Leben – besonders, wenn es einem schlecht geht.» Sutter sieht blendend aus: brauner Teint, strahlendes Lachen, schalkhaftes Blitzen in den Augen. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Mann auf die härteste Zeit seines Lebens zurückblickt. 

Die Fassade beginnt zu bröckeln

Vor drei Jahren schien noch alles in bester Ordnung. Das Kult-Comedy-Duo Sutter & Pfändler gewinnt den Prix Walo! Am Humorfestival in Arosa und im Circus Salto Natale feiern Cony Sutter und sein Bühnenpartner Peter Pfändler, 57, grosse Erfolge. Auch im «Samschtig-Jass» bringen sie als knorrige Bauern das ganze Land zum Lachen.

Die Fassade täuscht: Sutter kämpft mit sich und der oft zermürbenden Routine im Showgeschäft. 20 Jahre Bühnenpräsenz haben ihre Spuren hinterlassen: «Ich konnte nicht mehr richtig schlafen – wurde immer müder und lustloser.» Dinge, die ihm früher spielerisch leicht von der Hand gingen, werden jetzt zum Krampf: «Das Schreiben fiel mir immer schwerer.» 

Cony Sutter Peter Pfändler
© ZVG

Cony Sutter (l.) und Peter Pfändler: 20 Jahre feierte Sutter & Pfändler auf der Bühne Erfolge. Jetzt gehen sie getrennte Wege. «Ich konnte das Peter nicht weiter zumuten.»

Schockdiagnose Lungenkrebs

Die Alarmzeichen häufen sich, und eines Morgens um 6 Uhr muss er notfallmässig in den Spital Uznach SG. Die Ärzte diagnostizieren gravierende Schäden an den Herzkranzgefässen. Eine Arterie ist zu 90 Prozent verstopft – zwei weitere führen nur noch einen Drittel der normalen Blutmenge zum Herz.

In zwei Operationen werden Cony Sutter drei Stents gesetzt. Die Eingriffe verlaufen an sich problemlos. Doch danach rebellieren plötzlich Körper und Geist: «Mir wurde erst jetzt richtig bewusst, wie schlecht es um mich steht und dass ich nicht so leicht zur Tagesordnung zurückkehren kann.»

Früher hatte ich immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Nun wurde ich plötzlich von der Krankheit kontrolliert

 

Der Komiker wird von Selbstzweifeln und Ängsten heimgesucht: «Ich hatte null Bock auf nichts.» Die Ärzte reden von einer «depressiven Episode». Ein Generalcheck führt dann zu einem noch beängstigenderen Befund – einem Schatten auf der Lunge! Die anfängliche Hoffnung, dass es sich um einen gutartigen Tumor handle, zerschlägt sich bald. «Lungenkrebs» lautet die niederschmetternde Diagnose.

Sutter schiebt die Tragweite der Botschaft von sich. Und doch weiss er, dass sich für ihn viel ändert: «Früher hatte ich immer das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Nun wurde ich plötzlich von der Krankheit kontrolliert.»

Sutter kämpft für seine Liebsten

Auch für Tochter Patricia ist die Mitteilung «ein Schock». «Mein Vater war in der Familie immer die starke Person und der Entertainer.» Sie informiert sich im Internet über die Chancen bei Lungenkrebs und den Krankheitsverlauf.

Cony Sutter Krankheit Tochter Patricia Enkelin Kleio
© Geri Born

«Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an die Krankheit meines Vaters denke», sagt Tochter Patricia.

Alles will sie ganz genau wissen: «Ob das gut oder schlecht war, kann ich nicht sagen. Aber ich begriff schnell, dass die Krankheit bei jedem Menschen anders verläuft.» Es sei ein Prozess, mit diesem Befund umgehen zu können, sagt Patricia und streichelt ihrer Tochter Kleio durchs Haar: «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Krankheit meines Vaters denke.»

Sutter will kämpfen – für sich und seine Liebsten. Er unterzieht sich einer Chemotherapie – ohne positives Resultat. Dann lässt er sich bestrahlen – ebenfalls ohne Wirkung. Noch immer liegt der Schatten auf seiner Lunge.

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Auf die Ursache der Krankheit angesprochen, wirkt er auch jetzt noch ratlos: «Ich habe geraucht, aber nie exzessiv. Vor allem spürte ich nie Beschwerden – bis zum heutigen Tag nicht.» Obwohl die Unsicherheit nach wie vor besteht, spricht Sutter von grossem Glück: «Zuerst ging ich knapp an einem Herzinfarkt vorbei; dann war die Entdeckung des Krebses quasi ein Zufallsbefund.» Wenigstens sei er dadurch in der Position zu agieren, statt zu reagieren.

Mit Sutter & Pfändler zu viel Energie verloren

Sutter beschliesst, sein Leben neu zu organisieren: «Bisher schlug ich oft über die Stränge, gab immer Gas und machte alles, was mir angeboten wurde.» Künftig will er seine Kräfte dosieren und Energien bündeln. Und das nicht nur privat! 

Ein Herz lässt sich flicken, aber Lungenkrebs ist heikel. Er erträgt keinen Stress

 

Auch das Erfolgsduo «Sutter & Pfändler» zieht einen endgültigen Schlussstrich: «Ich konnte das weder Peter noch mir weiter zumuten. Ich muss das Tempo und die Intensität meiner Auftritte selber bestimmen. Doch in der Zusammenarbeit mit meinem Bühnenpartner ging zuletzt zu viel Energie verloren.» 

Cony Sutter Krankheit Comeback
© Geri Born

Sutter vor einem Bild, das Peter Pfändler für ihn gemalt hat.

Sutter kämpft sich Schritt für Schritt zurück in den Alltag. Privat hat er mit seiner neuen Freundin Manuela, 32, sein Glück gefunden. Und beruflich will er es langsam angehen: zunächst mit Auftritten bei Firmen und Privatanlässen, im Herbst in einer gemeinsamen Show mit drei anderen Komikern: «Ich werde rund 40 Minuten mit meinem ‹Best of›-Galaprogramm auf der Bühne  das Publikum unterhalten.» 

Ob es je wieder zu einem abendfüllenden Programm reicht, steht in den Sternen. Denn er weiss: Seine Krankheit ist unberechenbar. «Ein Herz lässt sich flicken, aber Lungenkrebs ist heikel. Er erträgt keinen Stress.» 

Neue Pläne, zweites Enkelkind

Im Herbst will Sutter sich mit  Tochter Patricia einen lang gehegten Wunsch erfüllen: Zusammen eröffnen sie in Schmerikon SG am Obersee eine Lounge-Bar mit grosser Terrasse: «Das war immer ein Traum von mir», sagt der geborene Unterhalter. Das Lokal wird in diesem, heute noch wilden Garten unweit vom Ufer entstehen und trägt den Namen «Ahoi».

Die Sutters wollen es mit ihrem Geschäftspartner Fritz Stucki, 61, zu einem Treffpunkt für die ganze Obersee-Region machen: «Das fehlt hier», sagt Patrica. Und Cony, früher Sportchef bei Radio Z (heute Energy Zürich) und Stadion-Speaker beim FCZ, verspricht: «Wir werden auch alle wichtigen Fussball- und Eishockey-Matches zeigen.» In die Zeit der Bar-Eröffnung fällt ein weiteres freudiges Ereignis: Im Oktober erwartet Patrica ihr zweites Kind: «Ich bekomme einen Enkelsohn», so Sutter strahlend. 

Cony Sutter Krankheit Tochter Patricia Enkelin Kleio
© Geri Born

Im Oktober erwartet Tochter Patrica ihr zweites Kind: «Ich bekomme einen Enkelsohn», so Sutter strahlend. 

Aus seinen Worten tönt Optimismus. Als Enkelin Kleio beim Monopoly eine Karte aufnehmen muss, beginnt er beim Vorlesen herzhaft zu lachen: «‹Unerwartete Arztkosten. Zahlen Sie 50 Franken an die Bank.› Für diesen Betrag gibts im wirklichen Leben nicht mal einen Pikser in den Finger.» 

Cony Sutter weiss: Die wichtigsten Dinge sind unbezahlbar – und die gibt es weder auf der Bühne noch im TV-Scheinwerferlicht. «Ohne meine Liebsten hätte ich das alles nicht überstanden.» Das Spiel des Lebens geht für Cony Sutter in die nächste Runde.

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