Tamy Glauser Das Model machts auch als Mann

Die Bernerin Tamy Glauser ist der Shooting-Star am Pariser Mode-Himmel. Sie lief für klingende Namen wie Vivienne Westwood, Jean-Paul Gaultier oder Givenchy über den Laufsteg. In Frauen- und in Männerkleidern.

Mit ihren 28 Jahren ist Tamy Glaser eigentlich zu alt, um international als Model durchzustarten. Und doch passierte in den vergangenen Monaten genau das. Die Bernerin ist die einzige Frau im gesamten Modezirkus, die mal in High Heels, mal in Männerschuhen über den Laufsteg geht.

Dabei war die 1.81 m grosse Tamy als Kind eher mollig und trug eine dicke Brille. «Erst in der 5. Klasse schoss ich in die Höhe», erzählt sie. Vor sechs Jahren rasierte ihr eine Freundin in den Hawaii-Ferien die hüftlangen Haare ab. «Das wollte ich schone mal tun, hatte aber nie den Mut.» Der eigenwillige Haarschnitt wurde zum Markenzeichen der Soziologie-Studentin.

Vergangenes Jahr ging Tamy nach Berlin, um dort ihr Studium fortzusetzen. Ein Freund, der bei der Modelagentur Izaio arbeitet, nahm sie dort in die Kartei der Agentur auf. Ihre Bookerin schickte ihre Unterlagen nach Paris - prompt meldeten sich fünf Agenturen, die Interesse an Tamy Glauser hatten. Also reiste die Bernerin in die Mode-Hauptstadt, bekam einen Vertrag mit Ford Models und lief gut zwei Wochen später erstmals über den Laufsteg. Für die britische Star-Designerin Vivienne Westwood. «Abends ging ich mit meinen Eltern essen um zu feiern», so Einzelkind Tamy. «Nachts um eins klingelte das Handy - Jean-Paul Gaultier wollte mich sehen.»

Von da an kam ein Auftrag nach dem anderen rein. Im Januar dann erfüllte sich einer von Tamys grössten Träumen - sie wurde von Givenchy gebucht. «Mein Mami hat in den Achtzigern bereits für das Modehaus Modell gestanden!» Allerdings für Frauenmode - Tamy sollte für die Herrenshow über den Laufsteg gehen. «Das fand ich von Anfang an sehr cool. Ich bin offen für alles.»

Seither modelt sie mal als Junge, mal als Mädchen - und fühlt sich durchaus wohl so. «Für die anderen Models bin ich ja keine echte Konkurrenz. Für die Jungs nicht, und für die langhaarigen Mädchen sowieso nicht.» Etwas Pech hatte Tamy vor kurzem, als sie sich auf dem Weg zum Chanel-Casting bei einem Unfall die Hüfte prellte. «Jemand fiel auf einer Treppe auf mich drauf! Danach war an den Laufsteg natürlich nicht mehr zu denken.»

Nach einer kurzen Pause zu Hause in der Schweiz ist Tamy Glauser jetzt wieder zurück in Paris. Als nächste Stationen warten London und New York auf die Single-Frau. Klar, dass bei dem Programm eine feste Beziehung eher schwierig wäre. «Mit jemandem aus der Modeindustrie wärs sicher einfacher. Oder aber sie müsste sehr verständnisvoll sein», meint Tamy. Aber sowas lasse sich sowieso nicht planen. «Darin bin ich eh ganz schlecht. Es kommt dann immer alles anders.» Aber träumen ist nach wie vor erlaubt. Zum Beispiel von einem Häuschen an einem See. Oder von einem «Vogue»-Titel.

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