Ronja Furrer Das Model zeigt sich von seiner sozialen Seite

Ihr Geld verdient Ronja Furrer mit ihrer Schönheit. Richtig wohl fühlt sich das Solothurner Model aber in einer anderen Welt. Im Heim für Menschen mit Behinderung lacht sie nicht auf Kommando, sondern aus vollem Herzen.

Ronja Furrer, 21, begrüsst Manuele, 13, mit einem Handschlag. «Alles klar, Herr Kommissar?» - «Ja, ich habe extra für dich meine Haare gegelt.» Nebenan verdreht Nicolas, 10, die Augen. Wenn sein Kumpel mit dem Schweizer Model flirtet, ist es ihm peinlich. Sonst sind sie ein unschlagbares Duo. «Wir schaffen beide bei der Polizei und der Feuerwehr», sagt Nicolas. Ronja Furrer hat ihnen deshalb Sticker, Pins und Käppli von der Polizei und Feuerwehr mitgebracht. Aus New York, dem momentanen Wohnort von Ronja. «Ihr seid meine zwei Bodyguards, meine Schutzengel.» Manuele strahlt, zieht aber das Käppli nicht an, «wegen meiner Frisur».

Manuele und Nicolas sind zwei von 60 Kindern mit Behinderung, die im Blumenhaus in Kyburg-Buchegg SO zur Schule gehen. Seit 70 Jahren gibt es die Institution. Ronja Furrer kennt das «Bluemehus» von klein auf. Ihre Tante mütterlicherseits lebte 14 Jahre im Sonderschulheim. «Mit ihr zu kommunizieren, ist sehr schwierig, da sie unter anderem gehörlos ist», erzählt Topmodel Ronja. Wann immer sie in der Schweiz ist, besucht sie die Jungs - und ihre eigene Mutter. Pia Furrer, 52, arbeitet als Schulhelferin im Blumenhaus: «Ich habe natürlich Freude, dass Ronja trotz ihrem Beruf bodenständig geblieben ist und im Kleinen das Grosse sieht.» Beruflich bewegt sich Ronja in einer oberflächlichen Welt. Im Mode-Business werde sie als Objekt gesehen, im Blumenhaus im Gegensatz als Mensch wahrgenommen. Den Kindern ists egal, ob das Model Trainerhosen trägt und ungeschminkt ist. «Sie nehmen mich so, wie ich bin. Schätzen das Leben, wie es ist, und haben Freude daran.» Ronja fasziniert, wie sie denken. «Hier zu sein, gibt mir viel.»

Im Klassenzimmer von Lehrerin Kathy Rothenbühler, 51, die Ronjas Gotti ist, wird gerade gespielt. Shqiprim, 16, Tanja, 15, und Andy, 16, musizieren auf der Blockflöte. «Kuckuck rufts aus dem Wald. Frühling wirds schon bald.» Valentin, 14, und Nico, 16, hören zu. Zumindest Nico, denn Valentin, der an Autismus leidet, will Ronja Autobilder zeigen. Er kennt von jedem Blumenhaus-Mitarbeiter das Auto. Auch das von Ronja. «BMW!» Andy interessiert etwas anderes. «Wann kommt Stress mal vorbei?» Seit Ronjas Mutter den Kindern die neuste CD des Rappers mitgebracht hat, wissen sie genau, dass Ronja Stress, bürgerlich Andres Andrekson, 35, liebt. «Ich frage ihn mal. Mögt ihr denn seine Musik?» - «Auf dem Album hats ein gutes Lied», urteilt Andy. Ronja lacht. Tanja schweigt. Sie hört lieber Stefanie Heinzmann und Xavier Naidoo.

Musik, Malen, Rechnen und Schreiben. Für Kinder mit Behinderung gilt die normale Schulpflicht. Im Blumenhaus können sie bis zum 18. Geburtstag zur Schule gehen und auch hier leben, danach müssen sie es verlassen. Alle 19 Plätze im Wohnheim für Erwachsene sind besetzt. Für 2014 sind deshalb ein Neubau und eine Renovierung geplant, damit die Schüler auch als Erwachsene bleiben können. Die Projektkosten von 10,1 Millionen Franken finanziert die Institution selber. Ronja Furrer hilft mit ihrer Bekanntheit mit, Spendengelder zu sammeln. «Wir stehen noch ganz am Anfang», sagt Leiter Roger Schnellmann. «Doch Ronja ist eine super Unterstützung, da sie von Herzen hier bei uns im Blumenhaus ist.»

Mittlerweile haben Tanja und ihre Gspöndli die Blockflöten mit den Gemüse-Schälern getauscht. Einmal pro Woche wird selber gekocht. «Chevapcici, das ist Rindfleisch mit Paprika. Ein Rezept aus meiner Heimat Kosovo», sagt Shqiprim. Ronja hilft, die Pommes frites zuzubereiten. «Wenn sie da ist, macht sie sofort mit, packt an. Dann ist sie eine von uns, kein Model, sondern die Tochter von Pia», sagt Gotte Kathy.

Manchmal realisieren die Kinder, dass Ronja bekannt ist. Dann, wenn sie Bilder von ihr in Zeitschriften sehen. Manuele hat eines besonders beschäftigt. Auf einem Foto legte Stress seinen Arm um ihren Hals. Für Manuele sah es aus wie ein Würgegriff. «Er fragte dann meine Mutter, ob Stress mir wirklich nicht weh gemacht hat», erzählt Ronja. «Da merkte ich wieder, dass sie gewisse Dinge anders wahrnehmen.» Ihre «Freundin» müssen die zwei Bodyguards jetzt oft aus der Ferne beschützen. Manuele denkt vor dem Einschlafen fest an sie. «Wenn ich sie vor mir sehe und sie mich anlacht, weiss ich, dass es ihr gut geht.» Für Herrn Kommissar ist dann alles klar.

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