«Das persönliche Interview» mit Eliana Burki «Ich kläre immer alles sofort face-to-face»

Ihre Wurzeln liegen im Tessin. Doch Alphornmusikerin Eliana Burki, 32, ist eine echte Weltbürgerin. Stets auf Reisen, aber dank Meditation und Yoga immer im Einklang. Im persönlichen Interview verrät sie, warum sie mit so manchem Schweizer dennoch ein Problem hat und mit ihrem Alphorn erst skeptisch beäugt wurde.
Eliana Burki Alphorn Konzert Facebook
© RDB/Glückspost/Christian Lanz

Zeitweise lebt Eliana Burki - die auch schon mit bedeutenden Künstlern wie Joss Stone zusammenarbeitete - in den USA.

«Schweizer Illustrierte»: Eliana Burki, wie hätte Ihr Name als Bub gelautet?
Eliana Burki
Damian. Finde ich schön. Ich habe drei Schwestern, und es hat mich immer interessiert, wie wir wohl als Buben geheissen hätten.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen. Aus welchen Städten setzen Sie ihn zusammen?
Aus drei Traumorten: dem Tessin, weil dort meine Wurzeln liegen und ich das italienische Flair mag. Aus L. A., weil ich dort das Kreative, Verrückte und das Meer finde. Ich liebe Surfen und bin ein Wassermensch. Und aus Rom wegen der Architektur, dem Essen und der Romantik.

Haben Sie ein Tattoo?
Ja, mehrere. Auf meinem Arm habe ich zum Beispiel ein Herz tätowiert. Das steht für die Verbindung zu meinen Schwestern.

Wie war Ihr erster Schulschatz?
Eigentlich nicht mein Typ. Blond und klein. Aber er wohnte auf einem Bauernhof mit Pferden. Ich war grosser Rösslifan.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Gar nicht, denn ich schaffe zwar 200 Prozent, aber arbeite aus Passion und nicht, um Geld zu verdienen. Alphornmusik, Yoga-Unterricht, Musiktherapie. Das ergibt schon Stress, aber positiven.

Das Hintergrundbild auf Ihrem Smartphone?
Meine zwei Hunde.

Ich bin total Anti-Pille. Die Menschen kommen auch ohne aus.

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Ich schenke immer Selbstgemachtes. Ich nähe und bastle Schmuck. Zu Weihnachten habe ich meinen Freundinnen Ketten mit Steinen aus Sri Lanka und kleinen Buddhas dran gebastelt.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Ja. Ich esse ihn immer leer und nehme mir wirklich nur was, wenn ich Hunger habe. Vom Anstandsrest halte ich nichts. Das habe ich noch von meiner Grossmutter, die im Zweiten Weltkrieg dabei war. Es wird zu viel Essen verschwendet. Wenn etwas übrig bleibt, dann gebe ich es wenigstens meinen Hunden.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin liegt Ihre Schmerzgrenze?
Ich war letztens in Venezuela. In der Hauptstadt Caracas kann man für ein paar Rappen tanken. Umso stärker merke ich den Unterschied zu hier. 40 Rappen mehr würde ich schmerzhaft finden. Doch ich würde trotzdem fahren, ich bin auf mein Auto angewiesen.

Welche Pille gehört erfunden?
Ich bin total Anti-Pille. Die Menschen kommen auch ohne aus.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Loben wird man uns dafür, dass wir ein tolles Land wie die Schweiz mit Wohlstand und Sicherheit geschaffen haben. Verurteilen wird man uns sicher für Rassismus. Alle Menschen sollten überall willkommen sein. Mit der feindseligen Einstellung mancher hier habe ich echt ein Problem.

Die buddhistische Philosophie hat mich geerdet.

 

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Keine Ahnung, es käme darauf an, wie ich gestorben wäre.

Über welche Ihrer Taten wird man noch lange nach Ihrem Tod reden?
Ich probiere zwar, vielen Menschen zu helfen, aber ob das zu reden gibt? Ich bin ehrlich. Ich kläre immer alles sofort face-to-face und würde deshalb auch nichts bereuen, wenn ich morgen sterben müsste.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein. Aber ich arbeite mit Cystische-Fibrose-Patienten und weiss, wie schwer es für sie ist, eine Spenderlunge zu bekommen. Mein Vater ist Arzt. Ich habe ihm gesagt, dass ich nach einem Unfall alle Organe hergeben würde.

Was würden Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen?
Meine Kreativität, Offenheit gegenüber anderen Menschen und meinen Hang dazu, eine kleine Nomadin zu sein. Nicht vererben möchte ich ihnen meine Sturheit.

Ihr Spitzname als Kind?
Elli. Den habe ich heute noch.

Welches Buch, welche Musik haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Es gibt viele Yoga-Bücher, die mich beeinflusst haben. Die buddhistische Philosophie hat mich geerdet. Musikalisch sind Miles Davis und Chet Baker meine Vorbilder. Das waren Revoluzzer.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welche Schauspielerin soll die Hauptrolle spielen?
Edith Piaf oder Coco Chanel. Wir sehen uns zwar nicht ähnlich, stimmen aber von der Einstellung her überein. Ähnlich wie Coco Chanel habe ich auch etwas erfunden, bei dem die Leute erst mal skeptisch waren. Ich meine das Burkihorn und meinen jazzigen Alphornsound.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Meine Freundin hat mir einen megaschönen Kraftstein aus einer Höhle geschenkt. Ich hatte ihn auf meiner Sri-Lanka-Reise immer bei mir.

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