Jana Caniga Über Wahlheimat Karibik: «Hier wollen wir alt werden»

Auf Grenada haben die ehemalige «10 vor 10»-Chefin Jana Caniga und Dieter Burkhalter ihre neue Existenz aufgebaut. Das Leben ist voller Arbeit und Herausforderungen: Doch hier wollen sie bleiben.

Gerade wollte Jana Caniga, 53, kurz entspannen und den Musikproben ihres Mannes Dieter Burkhalter, 50, zuhören. Doch sie sieht etwas, das getan werden «muss» - die Bücher und DVDs, die ihren Gästen zur Verfügung stehen, sortieren. «Ich bin besessen von Ordnung», sagt sie.

Vor acht Jahren startete die ehemalige «10 vor 10»-Chefin ihren Traum: leben und arbeiten im eigenen Ferienresort «Le Phare Bleu». 2006 wanderten sie und ihr Partner nach Grenada aus, um auf der karibischen Insel eine neue Existenz aufzubauen. Geplant war ein eigener Hafen, geworden ist daraus eine Ferienanlage von 16'200 Quadratmetern: «So gross wollten wir es nicht, doch wer A sagt, muss auch B sagen.»

Der Weg war bisher lang, hart - die Anlage drohte kurz nach Baubeginn im Regen zu versinken - und teuer. Zwölf Millionen Schweizer Franken haben sie bisher investiert. Burkhalters Familie - sein verstorbener Vater war Konzernchef der Belimo Automation AG - amtet als Hauptinvestor. «Hätten wir das Geld von der Bank, wäre es nicht möglich. Die Zinsen wären zu hoch», sagt er. Als Touristenort ist Grenada noch ein Geheimtipp. Und wartet auf den Boom - mit ihm Caniga und Burkhalter. «Wir habens bestimmt nicht wegen des Geldes gemacht, sondern mehr für uns, als neuen Lebens-und Arbeitsraum.» Zuvor führte er in der Schweiz seine eigene Musikschule, die ehemalige SRF-News-Frau zuletzt drei Jahre das Restaurant Ochsen in Wetzikon ZH. Davor verwaltete sie als Migros-Kulturchefin ein Millionenbudget. «Damals habe ich das Geld bekommen und durfte es verteilen. Jetzt muss ich schauen, dass überhaupt etwas reinkommt. Es reicht gerade.»

Die anfängliche Ferienstimmung ist dem Alltag gewichen. Das letzte Mal war Caniga vor drei Jahren im Meer, manchmal reichts für den Pool. «Jana kann im Gegensatz zu mir nicht abschalten. Ich bin besser im Abgrenzen, kann Arbeit und Freizeit auseinanderhalten», sagt er. Vor Ideen sprudelnde Macher sind sie beide. Die ganze Anlage haben sie von A bis Z selbst entworfen. Vor Kurzem haben sie ihr eigenes Recycling-und Kompostier-System eingeführt. Caniga ist auch hier engagiert und strikt für die Organisation zuständig und trägt deshalb den Spitznamen «General». Burkhalter ist eher der «Chlütteri» und bekannt als «Mister Fix-it». «Ich kann nur der Nette sein, weil Jana alles im Griff hat. Für sie ist es eigentlich gemein», sagt er. Caniga nimmts gelassen: «Ich muss nicht von allen geliebt werden und achte hier weniger auf Wohlwollen als in der Schweiz.» Restaurant-Managerin Lindy, 30, mag ihren General. «Miss Jana ist direkt. Sie kommuniziert klar, und ich verstehe, was sie will, das ist mir wichtig.» In regelmässigen Sitzungen versucht Caniga gemeinsam mit ihren sechs Bereichsmanagern die Abläufe zu optimieren. «Dieter und ich sind fordernde Chefs, wir müssen darauf achten, unsere Mitarbeiter nicht zu überfahren», sagt sie. Mister Fix-it mag keine Sitzungen.

Der Betrieb schläft nie. Die «Yachties» (Segler) stehen um sechs Uhr mit der Sonne auf und gehen um neun Uhr mit ihr ins Bett. Die «Locals» (Einheimische) sind vor acht Uhr selten anzutreffen. An einem Morgen steht Caniga dennoch um sieben Uhr bereit, weil mit den Gärtnern zum «Foggen» (Bekämpfung der Mücken) abgemacht ist. Doch die habens vergessen. «An solche Dinge muss man sich gewöhnen. Auf Grenada warte ich viel, doch es gibt keinen schöneren Ort dafür.»

Kein Grenader muss arbeiten, der Boden ist äusserst fruchtbar - Exportschlager: Muskatnuss. «Food is free» - Nahrung ist gratis -, sagt man hier. Dass dies aber nicht auch fürs Essen im Resort gilt, war eine der Herausforderungen, die Jana Caniga den Mitarbeitern beizubringen hatte. «Die Grenader sind nicht businessorientiert», sagt Burkhalter. «Sie sind einfach zu liebe Menschen.» Für ein gutes Arbeitsklima und Anklang bei den Einheimischen hilft eigentlich nur eins: Feste feiern. Das Dingi-Konzert auf offenem Meer zieht Yachties wie Locals an. Einmal im Jahr wird an der Staff-Award-Party der beste Mitarbeiter gekürt. Und als ein neues Sprungbrett installiert wurde, gabs eine kleine Einweihung. Dreimal im Jahr wird für die Angestellten der «Yard Sale» (Hinterhofverkauf) durchgeführt mit Überbleibseln von den Yachties. Und anlässlich von Dieters 50. Geburtstag durfte er versuchen, den 1923 im Leuchtturmschiff «Västra Banken» eingebauten Motor zu starten. Jeder konnte für ein paar Dollar darauf wetten, wie lange der Motor läuft. «Wenn wir Ideen haben, können wir sie hier gleich umsetzen. Das ist das, was Spass macht», sagen beide.

Am Sonntag bei einem Cocktail an der illegalen Beach-Bar auf Hog Island oder bei einem skandinavischen Krimi findet Jana Caniga etwas Erholung vom Betrieb. Die Arbeit und das ständige Beisammensein sind für das Paar intensiv. «Zwischen Dieter und mir läufts mal besser, mal schlechter. Momentan haben wir eine gute Phase», sagt sie. «In der Schweiz wäre ich nicht glücklicher. Aber ich bin ohnehin schwer glücklich zu machen.»

Wer nach acht Jahren noch immer im Land ist, so hat das Paar herausgefunden, bleibt auch. Vor einem Jahr haben beide den grenadischen Pass erhalten und auf die Queen geschworen. «Das Paradies gibts ohnehin nirgends, so realistisch bin ich», sagt sie. «Es ist ein Paradies, aber mit Schattenseiten», sagt er. Beide aber sind sich einig: Der General und Mister Fix-it «wollen hier alt werden».

Auch interessant