Wer ist die ungewöhnliche Oscar-Preisträgerin? Frances McDormand ist ungeschminkt schön erfolgreich

Glamour? Bei ihr Fehlanzeige! Oscar-Gewinnerin Frances McDormand verkörpert ein anderes Hollywood. Eine starke Frau, die ihren Traum in der Traumfabrik durchgesetzt hat. Und eine, die seit über 30 Jahren mit einem Regisseur ins Bett steigt – ihrem Ehemann.
Frances McDormand Oscars 2018
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Frances McDormand erhielt 2018 den Oscar für die beste Hauptdarstellerin.

Sie hasst Make-up, flucht wie ein Kutscher, singt als Kind in Bibel-Camps und probiert als Jugendliche an Drogen aus, was sich ohne Nadel konsumieren lässt – Pilze und LSD inklusive: Frances McDormand, 60, ein Hollywood-Star, der in der Traumfabrik den Oscar-Verantwortlichen schon mal den Schweiss auf die Stirn treibt.

Die goldene Trophäe holt sich McDormand im Dolby Theatre als beste Hauptdarstellerin in der Tragikomödie «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri». Es ist ihr zweiter Oscar, ihren ersten gewinnt sie vor 21 Jahren (1997 läuft sie noch im rückenfreien dunkelblauen Satin-Abendkleid über den roten Teppich) für ihre Rolle in der Krimikomödie «Fargo».

Mit Kraftausdrücken (Lieblingsschimpfwort: «Jesus tits») hält sie sich auf der Bühne zurück. Kraftvoll gerät dafür ihre Dankesrede, in der sie die wenigen nominierten Frauen bittet, aufzustehen, und so das Ungleichgewicht der Oscar-Show anprangert.

Frances McDormand Oscars 2018
© Dukas

Frances McDormand bedankt sich für ihren Oscar.

Was für eine starke Frau! Geboren 1957 als Cynthia Ann Smith im 3000-Seelen-Kaff Gibson City in Illinois, wird sie mit 18 Monaten von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben. Vernon McDormand nimmt sie mit seiner Frau Noreen als drittes Adoptivkind in seiner Familie auf. «Wir sangen Hymnen, assen Spaghetti, und ich verbrachte viel Zeit in den Bibel-Camps meines Vaters», erinnert sich McDormand. Als Teenager lehnt sie es ab, ihre leibliche Mutter kennenzulernen. In einem Interview bezeichnet sie diese als «white trash», als Frau aus der weissen Unterschicht.

Sie adoptiert selbst ein Kind: Pedro, aus Paraguay, sechs Monate alt. Heute ist er 24, arbeitet als Fitnesstrainer – und sitzt bei der Oscar-Verleihung direkt neben «Fran», wie Frances von ihren Liebsten gerufen wird.

McDormand heiratete ihren Regisseur

Erfolg und Familie sind eng verbunden bei McDormand. 1984 soll eigentlich ihre damalige WG-Mitbewohnerin Holly Hunter in «Blood Simple» mitspielen, dem Debütfilm der berühmten Brüder Ethan und Joel Coen. Doch Hunter lehnt ab, schlägt McDormand vor – und so ergattert Frances ihre erste Rolle – und die grosse Liebe dazu!

Zwischen ihr und Co-Regisseur Joel funkts schon am ersten Tag, er leiht ihr Bücher, darunter «Wenn der Postmann zweimal klingelt». «Einige Abende später fragte ich ihn, ob er vorbeikommen und mit mir über die Bücher sprechen wolle. Er wollte, verführte mich mit Literatur.» Seit über 30 Jahren ist das Paar skandalfrei verheiratet. Noch vor #MeToo scherzte sie gerne, dass sie ihre Karriere der Tatsache verdanke, mit einem Regisseur zu schlafen.

Frances McDormand und Joel Coen Oscars 2018
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Joel Coen gratuliert seiner Frau Frances McDormand zum Oscar.

Die Liebe zur Schauspielerei entdeckt Frances schon in ihrer Schulzeit. Das College schliesst sie mit einem Master of Fine Arts an der Yale School of Drama ab. Mehr als 40 Spielfilme dreht sie, darunter Meisterwerke wie Robert Altmans «Short Cuts». Oft hat sie zu hören bekommen, sie sei «zu jung, zu fett, zu dünn, zu gross, zu klein, zu blond, zu dunkel». Irgendwann verlegt sie sich darauf, «die zu sein, die nicht passt». 

Heilig ist ihr das Privatleben. Sie kocht gern (Schweinskotelett), mag zum Dessert Engelskuchen mit Orangensaftglasur, dazu eine Tasse guten englischen Tee – und pendelt zwischen einer Wohnung an der New Yorker Upper West Side und einem Haus im Hippie-Paradies Bolinas, einer Küstenstadt bei San Francisco. Sie liebt Santana (Lieblingstitel: «Smooth»), trägt am liebsten Tanktops, Jeans und Birkenstocksandalen. Und eben: Sie verabscheut Make-up. Frances McDormand ist auch ungeschminkt schön erfolgreich!

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