Andreas Caminada Sein Sohn zwingt ihn, ausgeglichen zu bleiben

Ein Schloss hat er schon, über dem drei Sterne leuchten. GaultMillaus 19-Punkte-Star Andreas Caminada zeigt sein drei Monate altes Söhnchen Finn Henry.

Manchen Menschen gelingt einfach alles. Andreas Caminada scheint so ein Glückspilz zu sein. 2003 eröffnete der Pächter von Schloss Schauenstein in Fürstenau GR mit vier Leuten seine eigene Gourmet-Adresse. Zehn Jahre, 19 GaultMillau-Punkte und drei Michelin-Sterne später zählt der «Bündner des Jahres 2012» zur internationalen Avantgarde und rockt mit einem 32-köpfigen Team die Feinschmecker-Bühne. Letztes Wochenende wurde gefeiert. Und Rückschau gehalten auf die einmalige Karriere des 36-jährigen Kochkünstlers. Dieser sagt mit lässiger Bescheidenheit: «Ich wollte nie den Trends folgen, sondern ein eigenständiges Profil entwickeln. Ich glaube, das ist mir gelungen.»

Finn spührt, wenn Hektik herrscht.

Der Mann, dem alles so «ring» von der Hand zu gehen scheint, ist hinter den Kulissen ein gnadenloser «Chrampfer». Ständig auf der Suche nach Visionen, die er für seine kulinarischen «Sinnesreisen» umsetzen kann. Jetzt ist dem Tüftler und Qualitäts-Junkie seine wohl schönste Kreation gelungen: Am 2. September 2013 ist Sohn Finn Henry zur Welt gekommen. Der kleine Prinz von Sarah und Andreas Caminada bekommt von dem Hype rund um Schloss Schauenstein und seinen Daddy, den Kochkönig, wenig mit. «Ich habe festgestellt, dass unser Kleiner ein feines Sensorium hat. Er spürt, wenn Hektik herrscht. Das zwingt mich, ausgeglichen zu bleiben», sagt Caminada.

Zum Fototermin mit der «Schweizer Illustrierten» erscheint er alleine mit Finn Henry. Sarah, 36, ist zu diesem Zeitpunkt für einen Monat in Amsterdam, um ihrem Team (sie arbeitet im Asset-Management für ein amerikanisches Unternehmen) während einer stressigen Zeit unter die Arme zu greifen. Sie kümmerte sich die ersten Monate um Finn Henry, der einen gesegneten Schlaf hat. Im Moment ist Caminada voll im Einsatz. «Jetzt, wo Sarah gerade berufstätig ist, kümmere ich mich ums Baby. Und ich tue das verdammt gerne!»

Finn Henry hat schon viele Fans. Eine Nanny schaut zu ihm, und während der Küchenstunden bleibt er in Caminadas alter Wohnung über dem Restaurant. «So bin ich immer in seiner Nähe und kann ihn so oft wie möglich sehen.» Sein Traumhaus in Fläsch hat das Paar vor zwei Jahren bezogen. Der Abstand war nötig, um nach der Arbeit zur Ruhe zu kommen. «Früher sprach ich selbst nach einem 16-Stunden-Tag übers Geschäft, bis sich alles drehte im Kopf.»

Andreas ist ein verantwortungsvoller Vater. Er will seinen Sohn bewusst erleben und aufwachsen sehen. «Die Geburt war sehr bewegend, stellte alles andere in den Schatten. Erst herrschte Stille, dann folgte Geschrei. Ich war unendlich erleichtert.» Der Name Casper Henry war lange hoch im Kurs. «Doch Finn Henry gefiel uns besser. Man weiss ja nie, ob der Name passt, wenn man zum ersten Mal das Köpfchen dazu sieht.» Andreas Caminada spricht Rätoromanisch mit seinem «Pin nanin», seinem kleinen «Böögli», Sarah Schweizerdeutsch. «Was ich noch lieber mache, als Windeln zu wechseln? Bädele isch u herzig», meint er augenzwinkernd. Dann strahlen die blauen Augen des Kleinen noch mehr, und er jauchzt vor Glück.

Vier Schoppen trinkt Finn Henry am Tag. Nach Gourmet-Brei verlangt er noch nicht - die Varianten lässt sich der kreative Vater aber jetzt schon durch den Kopf gehen. Kaviar-Biskuits und Milch mit Trüffel-Schaum? Wohl kaum. «Meine Frau und ich sind bodenständige, genussvolle Menschen. Auch unser Kind soll mit diesen Werten aufwachsen.» Das Paar kennt sich seit 16 Jahren, verlor sich lange aus den Augen und heiratete im Juni 2012. «Eigentlich wollten wir keine Kinder, da wir beide mitten im Beruf stehen und stolz sind auf unsere Karrieren. Jetzt ist es passiert - und unser Leben vollkommen.»

Ist der Überflieger angekommen? «Privat fühle ich mich geerdet. Beruflich habe ich nie den einfachen Weg gesucht. Ich brauche den Ansporn.» Viel hat Andreas Caminada in den letzten Jahren bewegt. Mit Freund Sandro Steingruber das edle Acasa-Catering gegründet. Eine Messerlinie und mit Designerin Therese Müller Geschirr produziert. Das Beizli Remisa im Bistro-Stil eröffnet. Eine Gourmet-Linie kreiert. Und ein Magazin entworfen, das zweimal jährlich Einblick in seine Philosophie gewährt.

Jetzt folgt sein neuster Coup: Gerichte, die auf dem iPad serviert werden. Wie das geht? Auf den «Lightplates» wird eine Videoprojektion von Künstler Peter Diem gezeigt. Darüber stehen die Speisen. Der Kurzfilm spiegelt sich im Teller wie ein Feuerwerk. Neue Horizonte öffnen und seinem Spieltrieb folgen - die Botschaft liegt Andreas Caminada am Herzen. Mit Finn Henry bleibt er weiter am Ball.

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