Totenköpfe, Töfffahren und Tattoos Härz-Sängerin Deborah Seiler ist viel mehr als Hausmami

Auf der Bühne singt sie Walliserdeutsch, zu Hause in Raron VS umsorgt sie liebevoll ihren Sohn und tourt mit dem Töff: Deborah Seiler mischt mit ihrer neuen Girlgroup Härz die Mundart-Szene auf und gibt sich ganz offen und ehrlich.
Deborah Seiler Härz
© Kurt Reichenbach

Feuerstuhl: Die Sängerin liebt es, ihren Mann Pascal auf seiner Harley zu begleiten.

Kann man als Motorradbraut Teil einer Hausfrauen-Girlgroup sein? Über das kleine Vorurteil lacht Deborah Seiler, 32, an ihrem Frühstückstisch in ihrer Wohnung in Raron VS herzlich. «Ich bin sehr anpassungsfähig», sagt die Sängerin der Band Härz.

Die neue Mundart-Formation besteht aus sechs Frauen – alle Mütter, alle aus unterschiedlichen Kantonen. «Wir singen über das, was uns bewegt. Familie, Kinder und auch Herzschmerz», sagt die Walliserin. Hinter dem Bandprojekt steckt Produzent Georg Schlunegger, 37, bekannt durch «Heimweh». Deborah Seiler erwischte dessen Anfrage völlig überraschend: «Mir wurde erst hinterher bewusst, wen ich da am Telefon hatte.»

Schon mit neun Jahren stand sie in ihrem Heimatdorf St. Niklaus VS erstmals auf der Bühne, sang in Chören, Coverbands und auf Hochzeiten. Ihr Castingvideo von «Die grössten Schweizer Talente» fiel schliesslich Schlunegger in die Hände, und die Chance ihres Lebens war gekommen. «Mein Mann Pascal sagte mir sofort: ‹Mach das, das war immer dein Traum›», erzählt Deborah Seiler und streichelt ihrem Söhnchen Aiden, 1, über den Kopf. Für den kleinen Sonnenschein ist die gelernte Fotofachfrau und Journalistin gerade Hausfrau. Egal, was ist, Aiden soll immer mit ihr rechnen können. Doch mit dem Rückenwind der Familie wagt sie den Karrieresprung.

Deborah Seiler Härz
© Kurt Reichenbach

Familienzeit: Aiden hält Mami Deborah und Papa Pascal auf Trab. Im Auto hört er gerne Mamis Lieder und klatscht nach jedem Song Applaus.

Schlaflose Nächte wegen Söhnchen

Der Erwartungsdruck ist gross, das Debütalbum steht. Drei Songs darauf basieren auf Deborahs Erlebnissen. Bei aller Liebe verherrlicht sie die Mamizeit nicht. «Keiner sagt dir in der Schwangerschaft, wie es nach der Geburt sein wird. Ich hätte nicht gedacht, dass es Nächte geben wird, in denen ich gar keinen Schlaf bekomme.» Von allen Seiten nahm sie Durchschlaf-Tipps an, doch die funktionierten nicht. Um ihren Sohn zu beruhigen, fing sie eines Tages an, absurde Lieder für Aiden zu erfinden. Das half.

In «Schlaf no e bitz» singen Härz über diese Zeit – natürlich auf Walliserdeutsch. Den Bandkolleginnen bereitete der spezielle Dialekt derweil Kopfzerbrechen. Dafür stolperte Deborah übers Bündnerdeutsch: «I mini Arma kaschte kho. Das tönt doch wie ein thailändisches Menü.»

Deborah Seiler Härz
© Kurt Reichenbach

Bereit: Das Kostüm sitzt, die Stimme auch. Vor ihrer grossen Premiere bei «Happy Day» auf SRF am 5. Mai hatte Deborah Seiler Herzklopfen.

Leidenschaft für Totenköpfe

Sie schaut freudig zu ihrer kleinen Familie, während Aiden Waggons auf den Tisch stapelt. Ihr Herz schlägt für die Musik: «Aber vor allem für meinen kleinen Mann und den grossen.» Mit Spediteur Pascal, 39, ist sie seit 2015 verheiratet. «Doch wir kennen uns schon seit 16 Jahren», sagt Deborah mit einem Schmunzeln. Für sie war es Liebe auf den ersten Blick, Pascal schenkte ihr anfangs kaum Beachtung.

Heute teilen sie die Leidenschaft für Totenköpfe, Töfffahren und Tattoos. Auf Deborahs Oberarm prangt ein grosses Schiff, Pascals Unterarm ziert der passende Leuchtturm. Egal, was die Musikkarriere bringen wird, in seine Arme findet Deborah stets zurück.

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