Nachruf auf Schwingerkönig Ruedi Hunsperger Jörg Abderhalden nimmt Abschied: «Ruhe in Frieden, Ruedi!»

Im Alter von 72 Jahren ist die Berner Schwinglegende Ruedi Hunsperger mithilfe von Exit freiwillig aus dem Leben geschieden. 1966, 69 und 74 gewann er das Eidgenössische. Jörg Abderhalden, ebenfalls dreimal Schwingerkönig, nimmt Abschied – und stellt interessante Parallelen fest.
Ruedi Hunsperger Jörg Abderhalden Nachruf SI Ausgabe 34/2018
© Toto Marti

Letzte Begegnung: Ruedi Hunsperger (r.) und Jörg Abderhalden 2016 auf dem Bachtel ZH.

«Mit einer Schweigeminute vor dem Anschwingen am vergangenen Sonntag am Schwägalp Schwinget gedachte die Schwingerfamilie Ruedi Hunspergers. Mit Jodelklängen vor dieser prächtigen Kulisse, das war schon sehr eindrücklich und ging mir unter die Haut. Ich verabschiede mich ebenfalls von Ruedi, von Dreifach-König zu Dreifach-König. Ruedi hat zwar dreissig Jahre vor mir geschwungen, und wir sahen uns nicht sehr häufig. Uns verbindet aber die Rekordzahl an Königstiteln über die Jahrzehnte hinaus.

Beide waren mit 28 dreimal Schwingerkönig

Ruedi hat in seiner Zeit dem Schwingen den Stempel aufgedrückt. Und eine Schwingepoche dank den drei Königstiteln, wie ich, massgeblich beeinflusst. Auf dem Schwingplatz hatten wir trotz den Jahrzehnten dazwischen einige Gemeinsamkeiten. Wir wurden beide sehr jung erstmals Schwingerkönig. Ruedi mit 20, ich mit 19 Jahren.

Mit 28 krönten wir unsere Karrieren mit dem dritten Königstitel. Nur zweimal überhaupt bestritten Klubkameraden einen Schlussgang an einem Eidgenössischen. Ruedi 1974 gegen Fritz Uhlmann, ich 2001 gegen Nöldi Forrer.

Ruedi Hunsperger Schwingerkönig Bild aus früheren Tagen 1974
© Keystone

Geschichtsträchtig: 1974 holt Hunsperger in Schwyz seinen dritten Königstitel – Rekord!

Nach einigen sportlichen Rückschlägen wusste Ruedi, dass er versierter werden musste, und trainierte so, dass er 1969 der Konkurrenz überlegen war. Ähnlich war es bei mir 2004. Wäre Ruedi 1972 am Eidgenössischen angetreten, wäre er nach dem Fest mit 26 Jahren zurückgetreten. So aber beschloss er, noch zwei weitere Jahre zu schwingen.

Sehen Sie in unserer Galerie, wie Schwinger Matthias Sempach vom Knirps zum König wurde:

Abderhalden schätzte seine Gutmütigkeit

Ich schätzte sehr, dass Ruedi sich bis zum Schluss für den Schwingsport interessierte und sich traute, auch in der Öffentlichkeit seine Meinung zu sagen. Bis zuletzt stand er zu seinen Worten. Ruedi traute sich auch, in anderen Bereichen Neues auszuprobieren. Er war ein gutmütiger, direkter und offener Schwingkamerad.

Ruedi Hunsperger Jörg Abderhalden Nachruf SI Ausgabe 34/2018
© Toto Marti

Klare Worte: Abderhalden und Hunsperger scheuten sich nie, auch Unbequemes anzusprechen.

Bei unseren Zusammentreffen erzählte er gerne von früher. Das letzte Mal war das kurz vor dem Eidgenössischen 2016. Schon damals ging es ihm körperlich nicht gut. Wir verabschiedeten uns mit einem festen Händedruck und einem Lächeln. Ich wusste nicht, dass es leider für immer war. Ruhe in Frieden, Ruedi!»

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