Chris von Rohr Er zeigt sein Solothurn

Krokus-Gründer und Autor Chris von Rohr hat die ganze Welt bereist. Trotzdem ist er seiner Heimatstadt Solothurn immer treu geblieben. Das liegt nicht zuletzt an seiner Tochter Jewel.

Eines für alles. «Nach vielen Reisen der perfekte Ort zum Leben und Arbeiten», nennt Chris von Rohr, 61, seine Villa Montechristo in Solothurn. In der Stadt und doch mitten im Grünen. Das Haus ist nicht nur ein Daheim für den Rocker und seine Tochter Jewel, 12, sondern beherbergt auch ein Tonstudio und einen Übungsraum für die Band. «Am meisten Zeit verbringe ich in diesen hundertjährigen Mauern», sagt von Rohr.

Drei Tage pro Woche ist Jewel bei ihm. Sonst lebt die Sechstklässlerin bei ihrer Mutter, gleich um die Ecke. «Die Stimmung zwischen uns ist respektvoll und schön», sagt Chris von Rohr. Wenn Vater und Tochter zusammen sind, verbringen sie viel Zeit draussen, vorwiegend im Garten. «Der ersetzt mir jedes Fitnessstudio», so von Rohr. Oder das Duo dekoriert gemeinsam das Haus, malt und hört Musik. Jewel hört, «was halt gerade rumliegt». Von den Beatles über Selena Gomez, Santana, Die Toten Hosen, Bob Dylan bis zu Mozart. Und natürlich Krokus. Dieses Jahr durfte sie erstmals mit an ein Konzert. Ein Instrument spielt Jewel nicht. «Das muss sie auch nicht, sie soll dem nachgehen, was ihr Freude macht», meint ihr Vater. Überhaupt solle man viel mehr auf die Kinder hören, statt ihnen dauernd etwas beibringen zu wollen. «Sie zeigen einem doch den wahren Sinn des Lebens, während wir versuchen, sie zu erziehen.»

Dass Jewel wie er in Solothurn aufwächst, ist Chris von Rohr wichtig. «Es ist schön, sie in diese Welt hineinwachsen zu sehen. Vieles ist ihr und mir hier vertraut und ans Herz gewachsen. Die Strassen, Bäume, die Aare, Häuser und Menschen.» Solothurn, sagt Chris von Rohr, halte ihn auf dem Boden. «Hier gibts wenig Schulterklopfer. Zum Glück, denn die sind schon manchem zum Verhängnis geworden.» Die Bandmitglieder von Krokus sind Ehrenbürger der US-Stadt Memphis im Staat Tennessee. «Solothurn benennt keine Strassen oder Plätze nach dir. Da gibts nicht mal einen Free Drink beim Stapi», sagt der Rocker lachend. Dabei kann er kaum durch die Stadt gehen, ohne angesprochen zu werden. «Da gibts oft schöne, lockere, emotionale Begegnungen. Natürlich kann es auch hie und da mal stressen. Mit all den Handys hat das mittlerweile eine neue Dimension erreicht.»

Deshalb geht er am liebsten dahin, wos ruhig ist. Zum Beispiel in die Verenaschlucht. «Einer der wenigen Orte auf dieser Welt, die mich zum Schweigen bringen. Hier komme ich zur Ruhe. Ich liebe diese Stimmung.» Den Spaziergang in der Verenaschlucht verbindet Chris meist mit einem Besuch auf dem Friedhof in der Nähe, oft zusammen mit Jewel. «Sie kommt gern hierher und erinnert mich daran, dass wir meinen Grosseltern und Eltern wieder einmal Blumen aufs Grab legen sollten.» Ahnenehre nennt Chris das. Seine Grossmutter habe ihn jeweils mit viel Humor getröstet, wenn er wieder mal den Wetter-Blues hatte: «Bueb, wenn du dieses Klima hier überstehst, kannst du überall auf der Welt leben.» Aber Krokus ohne Solothurn wären auch nicht Krokus. «Wir haben immer gegen den kalten, grauen Jurasüdfussnebel-Frust gerockt. In sunny L. A. würden wir wohl eher klingen wie die Beach Boys.»

Das tun sie definitiv nicht. Bevor Krokus auf Tour gehen, rocken sie jeweils im Kulturtempel Kofmehl, wo sie oft eine Woche lang die Bühne nutzen dürfen. «Total genial. Das ist eben auch Solothurn», sagt Chris.

Schön sei auch, wenn seine Freundin Denise, 32, zu Besuch sei. Sie wohnt und arbeitet momentan in Bern, kommt aber so oft wie möglich in die Villa Montechristo. «Verreisen kann man immer. Aber weg wollen wir hier nicht.» Zum Glück. Für Chris. Und für Solothurn.

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