Jaël Malli In London hat die Sängerin ihre Krise überwunden

Neuer Name, neue CD, neues Glücksgefühl - und in der Hitparade ist die Berner Band Lunik gleich auf Nummer eins eingestiegen! Die Auszeit in London hat Frontfrau Jaël Malli aus ihrem Zwischentief geholt. Für SI online öffnet sie erstmals das Fotoalbum ihres Aufenthalts an der Themse.

Für Jaël Malli, 33 (früher Jaël Krebs), waren die acht Monate in London ein Wendepunkt nach einer schwierigen Phase in ihrem Leben. «What is next?», was kommt als Nächstes, fragen sich die Sängerin und ihre Band Lunik nach ihrem letzten Album 2010, «Small Lights in the Dark». 

Zum ersten Mal halten die Berner damals in ihrem Erfolgstrubel inne. Getrieben vom Wunsch, auch Fans in anderen Ländern begeistern zu können, und gelockt vom Versprechen eines amerikanisch-kanadischen Labels, sie «gross herauszubringen», waren sie zu viele Kompromisse eingegangen. Jaël fühlt sich wie in einer Rolle, merkt: «Das bin nicht mehr ich.» Sogar eine Auflösung der erfolgsverwöhnten Band kommt zur Sprache.

Schlagzeuger Chrigel Bosshard verlässt die Band. Die anderen drei gönnen sich eine Auszeit von Lunik: Gitarrist und Produzent Luk Zimmermann zieht nach Berlin, Keyboarder Cedric Monnier widmet sich seinen anderen Projekten in Bern. Und Jaël holt nach, was sie schon lange tun wollte: einen Auslandaufenthalt. «Die meisten machen das nach der Ausbildung in den Teeniejahren, doch damals hatte ich keine Zeit, weil es mit Lunik immer Schlag auf Schlag weiterging.» Nun war der perfekte Moment gekommen. Jaël entscheidet sich für London, «der Sprache wegen und weil ich die Stadt von früheren Engagements schon etwas kannte». Sie schreibt sich in der Schauspielschule The Actor’s Temple ein, mietet sich ein Zimmer in einer WG mit einem 50-jährigen Amerikaner, mit dem sie sich schnell anfreundet. «Wenn ich nach der Schauspielschule wie ein Lümpli heimkam, habe ich bis vier Uhr morgens mit ihm über das Leben philosophiert und dann noch bis sechs Uhr Songs geschrieben», erzählt sie. 

Die Schauspielschule fordert emotional alles von ihr ab: «Die Meisner-Technik lehrt einen, die Rollen des Alltags wegzustrippen und echte Gefühle zuzulassen.» Die Sängerin geniesst es, einfach mal eine unter vielen zu sein. «Niemand beachtete mich speziell oder schaute mich kritisch an, das war toll.» Sie könnte sich durchaus vorstellen, das Gelernte dereinst im Theater oder im Film anzuwenden. «Die Rolle müsste aber auf mich zugeschnitten sein.» 

Vorerst spielt ohnehin wieder die Musik die erste Geige in ihrem Leben. In der Abgeschiedenheit von ihrer Stammformation ist den drei verbleibenden Lunik-Mitgliedern nämlich klar geworden: Sie wollen weitermachen. Inspiriert von den neuen Eindrücken hat Jaël etliche Songs geschrieben. Und nach einer Woche gemeinsamer Arbeit teilt das Trio seiner ausländischen Plattenfirma mit: «Wir machen wieder eine Platte. Aber ohne euch.» 

Die Band weiss nun, was als Nächstes kommen soll: «What is next», ihr neuestes Album, mit dem sie gleich auf Nummer eins der Schweizer Hitparade eingestiegen sind. Die erste Single, «Me-time», erzählt von der Zeit, die man für sich selbst braucht. Für Jaël war die Verschnaufpause in London gleichzeitig ein Beziehungstest mit ihrem langjährigen Freund Roger. Zwei Monate nach ihrer Rückkehr hält er um ihre Hand an. Sie sagt ja. Aus tiefer Überzeugung. Seit London weiss Jaël Malli nämlich ganz genau, wer sie wirklich ist und was sie wirklich will. Das nächste ist, mit Lunik auf Tour zu gehen. Start ist am 7. Oktober das Konzert mit dem Zürcher Kammerorchester, ab Ende November tourt Lunik dann durch die Clubs in der ganzen Deutschschweiz.

Auch interessant