Nati-Neuling schiesst Schweden in Führung Manuel Akanji: der Pechvogel von St. Petersburg

Im Achtelfinal sorgte ein von Manuel Akanji abgelenkter Ball für das fatale 1:0 gegen die Schweden. Trost findet der Nati-Neuling bei seiner Familie. Dort kann er seinen Emotionen freien Lauf lassen. Ein Porträt.
Manuel Akanji
© Thomas Buchwalder

Cool: Beim FC Wiesendangen hat er die ersten Pokale geholt, nun spielt Manuel Akanji für die Schweiz an der WM.

«Seine Ruhe bewundere ich. Er bleibt gelassen in jeder noch so nervenaufreibenden und schwierigen Situation», sagt Sarah Akanji über ihren Bruder Manuel. Was die 25-Jährige schon lange weiss, kann nun die ganze Welt beobachten. «Ich war immer so aktiv und hibbelig und versuchte ständig, ihn zu nerven. Doch ich schaffte es einfach nicht», erzählt Sarah weiter.

Ich 
habe sehr viel Vertrauen in meine Qualitäten

Manuel Akanji aus dem Konzept zu bringen, daran scheitern im Moment gar die besten Fussballspieler der Welt. Abgeklärt wie ein Routinier zeigt der erst 22-jährige Innenverteidiger an seiner ersten WM in Russland eine 
herausragende Leistung. «Ich 
habe sehr viel Vertrauen in meine Qualitäten. Ich weiss, dass ich in den wichtigen Momenten die richtigen Entscheidungen treffen kann», sagt Akanji selbstbewusst, aber ohne überheblich zu klingen. 

Manuel Akanjis Familie
© HO

Starke Familie: Sarah, Manuel, die Eltern Abimbola und Isabel sowie Michelle Akanji (v.l.) im Elternhaus in Wiesendangen ZH.

Der Nationalspieler fällt weder auf noch neben dem Platz mit Extravaganzen oder Allüren auf. Dafür mit seiner Schnelligkeit, mit Mut und Durchsetzungskraft in den Zweikämpfen – und mit seinem Markenzeichen: seinem Haarschnitt mit einer einrasierten Krone. Sie ist durch seinen zweiten Vornamen Obafemi, was so viel bedeutet wie «vom König geliebt», zu erklären. 

Manuel Akanji – sein Vater stammt aus Nigeria, die Mutter aus Oberwinterthur – hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. 
Bis er elf Jahre alt ist, kickt er beim 
FC Wiesendangen, dann wird er vom FC Winterthur entdeckt. Beim Challenge-League-Verein spielt er, bis er im Sommer 2015 vom FC Basel verpflichtet wird. Dort erlebt er seinen ersten und bisher einzigen grossen Rückschlag: einen Kreuzband- und Meniskusriss. Während der Verletzungspause lässt er sich den Schriftzug «prove them wrong» – zu deutsch «beweise ihnen das Gegenteil» – auf den Unterarm tätowieren. Als Antwort an alle, die seinen Wechsel als zu früh 
kritisiert hatten.

Galerie: So schön ist die Schweizer Nati

Akanji lässt den gestochenen Worten Taten folgen. Er kommt stärker zurück, setzt sich bei den Baslern durch und zieht bereits im Januar dieses Jahres weiter 
in die Bundesliga zu Dortmund, wo er nun auch mit Freundin 
Melanie wohnt. Im Juni 2017 wird der 187 cm grosse Kicker dann erstmals von Nationaltrainer 
Vladimir Petkovic aufgeboten, 
auf den Färöern gibt Akanji sein Nati-Debüt. Und nun brilliert er auf der ganz grossen Bühne. 

Manuel Akanji mit Freundin Melanie Windler
© Toto Marti

Kuss für den Sieger: Manuel Akanji und Melanie Windler sind seit zweieinhalb Jahren ein Paar. Heute leben sie zusammen in Dortmund.

Beim Spiel am vergangenen Freitag in Kaliningrad ge
gen Serbien sitzt Akanjis Freundin sowie auch seine Familie im Stadion – die Mutter, der Vater, die Schwestern Sarah und Michelle und gar die aus den USA angereiste Gotte. Die ganze Familie ist sportverrückt. Sarah spielt Fussball beim 
FC Winterthur, der Vater ist 
Amateurfussballer beim FC Wiesendangen. Die älteste Schwester Michelle war Leichtathletin, 
die Mutter spielte früher Tennis. Doch in den Rängen von Kaliningrad sind sie vor allem eines: Fans. «Wir waren so nervös, dass wir richtig gezittert haben. Ich glaube, ich habe erst in diesem Moment richtig realisiert, was Manu erreicht hat», erzählt Michelle. 

Worte fielen nicht viele. 
Er war sehr ergriffen

Ihr Bruder meistert die WM-Premiere souverän wie gewohnt. «Er hat sich seit seinen Erfolgen überhaupt nicht verändert. Wir sind unglaublich stolz auf ihn.» Nach dem Match gibt es am Spielfeldrand ein kurzes Familientreffen, bei dem sich Manuel Akanji ungewohnt emotional zeigt. «Worte fielen nicht viele. 
Er war sehr ergriffen. Natürlich, weil sie gewonnen haben, und auch, weil wir das alle zusammen erleben konnten.» 

Er hat sich seit seinen Erfolgen überhaupt nicht verändert

Die beiden Schwestern reisen nach dem Spiel schnellstmöglich nach Hause. Denn Sarah spielt schon tags darauf mit ihrem Team beim Regio-Cupfinal – und gewinnt. Und die Gotte macht 
sich auf den Weg zurück in 
die USA – mit dem begehrten «Akanji»-Trikot im Gepäck. Der Name der Schweizer Nummer fünf geht um die Welt. 

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