«Das persönliche Interview» mit Marco Büchel «Ich habe zwei linke Hände»

Er fuhr jahrelang an der Weltspitze und unterhielt den ganzen Skizirkus: Marco «Büxi» Büchel, der Liechtensteiner mit dem Schweizer Pass, über seine Zeichnung auf einem Liebesbrief, ein Chalet-Loft am Strand und die Vorteile eines tätowierten Hochzeitsdatums.
Marco Büchel Skifahren
© Fabienne Bühler

Marco Büchel hat mehrere Tatoos: unter anderem ein Skorpion, eine Schneeflocke und sein Hochzeitsdatum.

Marco Büchel, wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Das wird wohl im Kindergarten gewesen sein. Ich habe zwei grausam linke Hände. Eine Glühbirne einschrauben ist das höchste der Gefühle.

Welche Idee, welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Dass ich berufsmässig Helikopterpilot werde. Den hegte ich selbst zu meiner aktiven Zeit noch einige Jahre lang. Ich wollte nebenbei die Lizenz machen, bis ich irgendwann zu alt dafür war.

Ich arbeite nicht so viel. Das ist schon fast frech, dass ich das sage, nicht?

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Bei drei Franken. Dann würde ich wohl nur noch mit dem Auto zum Bahnhof fahren. Ich wohne am Berg, und die Busverbindungen zum Bahnhof sind mit dreimal Umsteigen etwas kompliziert.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Um null Prozent. So viel arbeite ich nicht (lacht). Das ist schon fast frech, dass ich das sage, nicht? Nein, ich liebe es so, wie es ist.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Wenn ich jammern darf: Ich habe so ein kleines Häutchen am Finger abgerissen, das tut gerade am meisten weh. Im Ernst: Ich bin beschwerdefrei und äusserst glücklich darüber in meinem Alter.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Aubergine, die ist verboten gut.

Und welches Gemüse wären Sie?
Ein Radieschen, weil es so süss rot ist (lacht).

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Sicher nicht Wolfgang Ambros mit «Schifoan». Mal überlegen. John Mayer: «Slow Dancing in a Burning Room». Das passt.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Ja. Ich kenne Leute, die das gemacht haben, und ich bin wirklich froh, dass es das gibt. Auch um die Palliativmedizin. Das Leben gehört dem Menschen persönlich, und ich finde, man sollte selber darüber bestimmen können, wie man geht.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Wir sind kinderlos, aber wenn ich etwas vererben könnte, dann wäre es Toleranz und eine positive Lebenseinstellung.

Haben Sie ein Tattoo?
Ich habe beide Oberarme tätowiert und auf dem Rücken einen Skorpion aus meiner Jugendzeit. Das Bezeichnendste ist wohl die Schneeflocke, die passt zu einem Skifahrer. Und am Innenarm links habe ich das Hochzeitsdatum tätowiert, weil ich keinen Ring trage. Das hat einen Vorteil. Wenn meine Frau mich fragt: Du, was ist heute für ein Tag? Dann tu ich so, als würde ich gähnen, strecke mich, schaue auf den Innenarm und weiss es immer.

Ich glaube nicht an Gott

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Wie setzen Sie ihn zusammen?
Der Stilmix ist schwierig. Ich mag den Chaletstil aus den Savoyen, die Lofts aus Soho, New York, und ich mag den Karibikflair der Bahamas. Also ein Chalet-Loft am Strand. Und mit 60er-Jahre-Old-School-Möbeln ausgestattet.

Über welche Tat von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Oh! Ich bin der Ansicht, dass man noch darüber lacht, wie ich in Adelboden im Ziel mit der Nummer eins gejubelt habe, als hätte ich das Rennen gewonnen, und die Nummer zwei mich um drei Sekunden abgehängt hat. Aber wenn ich ernsthaft studiere … ich glaube nicht, dass man sich aufgrund einer Tat noch lange an mich erinnern wird, sondern wegen meines Grinsens.

Mein Spitzname ist mir peinlich

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen?
Punkt eins: Ich glaube nicht an Gott. Punkt zwei: Wenn ich nochmals auf die Welt käme, wünschte ich mir etwas mehr Schlagfertigkeit. Weil ich mich immer nerve, wenn mir jemand etwas an den Kopf wirft und ich erst eine halbe Stunde später draufkomme, was ich hätte antworten sollen.

Welche Musik hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Beeinflusst nicht, aber ich habe die Musik von Pink Floyd mit der Muttermilch mitbekommen. In den ersten 20 Lebensjahren war das zu Hause ein Dauerbegleiter.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Das traue ich nicht zu sagen (lacht). Es gibt eine Person auf der Welt, die mich noch so nennt, und das ist Maite Nadig. Aber er ist mir echt peinlich.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Natürlich! Die sehe ich öfter. In ganz verstohlenen, einsamen Momenten ist man schnell hingesprungen, hat ein Müntschi auf die Lippen gegeben und ist weggerannt. Ich weiss noch, dass ich auf einen Liebesbrief mal die Rolling-Stones-Zunge gezeichnet habe. Das zählt zur Fraktion peinlich.

Im Dossier: Weitere persönliche Interviews

Auch interessant