Exklusives Interview Schauspieler Max Simonischek ist Vater

Anfang 2019 kommt Max Simonischek als Zwingli ins Kino. Weil den Reformator beim Dreh ein Schnupfen plagte, schenkte ihm seine Mutter, die die Schwiegermutter spielt, Vitamin-C-Tabletten. Seit über einer Woche geniesst der Schauspieler aber seine grösste Rolle – als frischgebackener Vater.
Max Simonischek
© Geri Born

Der schweiz-österreichische Schauspieler Max Simonischek, 35, lebt in Berlin.

Herzlichen Glückwunsch, Max Simonischek. Sie sind gerade Vater geworden.
Ja, am 6. Mai ist unsere Tochter in Berlin zur Welt gekommen. Ich habe mich bereits an der Wickelkommode fix eingerichtet.

Nach wem kommt sie eher – nach Ihnen oder Ihrer Frau?
Bei Geburt war sie mit 51 Zentimetern einen ganzen Zentimeter länger, als ich es in ihrem Alter war. Unglaublich, aber wahr!

Was möchten Sie Ihrer Tochter später mit auf den Weg geben?
Meine Fantasie.

Und was auf keinen Fall?
Meine Ungeduld.

Max Simonischek
© Keystone

Am Locarno Filmfestival im Jahr 2016.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Ein Bild des jungen Franz Kafka. 

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Aus der Einsamkeit Alaskas, dem Tessiner Wetter und dem Essen aus Sri Lanka. 

Wie hätte Ihr Name als Mädchen gelautet?
Maria, aber so heisse ich jetzt auch, mit meinem dritten Vornamen.

Welches Gemüse gehört verboten? 
Keines, legalize vegetables …

Und was für eine Frucht wären Sie? 
Wohl eine Litschi: harte Schale, weicher Kern. 

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Meine Arbeit steht mir nicht im Weg, um glücklich zu sein – ganz im Gegenteil.

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt? 
Max, hör auf, deinen kleinen Bruder zu ärgern.

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Die Frage müsste wohl eher lauten, wo nicht.

Max und Peter Simonischek
© Getty Images

Schauspieler Peter Simonischek (l.), Ehefrau Brigitte Karner und Sohn Max (2017).

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Das kommt so gut wie nie vor.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Ja, weil ich so Leben retten kann.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
«Atemlos» von Helene Fischer. 

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Auf jeden Fall. Das halte ich für ein sinnvolles Angebot. 

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Fussballprofi zu werden.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie versehen? 
Keine Sonderwünsche! Bitte das Gleiche noch mal, lieber Gott.

Welcher Film, welche Musik und welches Buch hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Bei Filmen vor allem die, in denen ich mitgespielt habe. Bei Musik sind es Tom Waits, Nick Cave und Michael Jackson gewesen – und bei Büchern die Werke von Kafka, «Sofies Welt» von Jostein Gaarder, «Am Hang» von Markus Werner, «Lederstrumpf» von James Fenimore Cooper und «Das Grosse Heft» von Ágota Kristóf.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen: Wofür wird man uns loben, wofür verurteilen?
Mir fällt eher etwas zum zweiten Punkt ein. Verurteilen wird man uns für den allzu sorglosen Umgang mit der Natur, für Fremdenhass, für unser ständiges Streben nach Optimierung, für mangelndes Interesse am Gegenüber und unsere Schnelllebigkeit.

Simonischek trug als Zwingli Echthaar-Extensions:

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Welche Pille gehört erfunden? 
Wenn alle Pillen für alle Menschen auf dieser Welt zugänglich wären, wäre schon viel erreicht. 

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus? 
Ziemlich unaufgeräumt und anarchisch, ich teilte es damals mit drei anderen Internatsschülern. 

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen? 
Anatole Taubman bitte, und kein anderer! 

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern? 
Drehpläne sollten entschleunigt werden, damit alle Reisen mit der Bahn und nicht per Flugzeug unternommen werden können. 

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht? 
Da ich nicht Auto fahre, ist mir der Preis egal. Er kann sich ruhig verdoppeln, der Umwelt zu Liebe. 

Simonischek als Zwingli:

Haben Sie ein Tattoo? 
Nein – und ich will auch keines.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben? 
Kommt aus dem Buddhismus und lautet «drop the thought».

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz? 
Klaro! Ich hatte zwei gleichzeitig: Annika und Michelle. Wir waren elf Jahre alt und im Internat. Mein Herz war damals schon so gross, dass es für zwei gelangt hat. Aber mehr als ein Bussi war nicht drin. 

Wer ist Ihr bester Freund? 
Ich glaube, meine Ehefrau ist zugleich mein bester Freund. 

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut? 
Meine Mutter schenkte mir eine Packung Vitamin-C-Tabletten auf dem Set zum «Zwingli»-Dreh. Mich plagte so ein fürchterlicher Schnupfen.

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