«An Sex durfte ich nicht mal denken» Michelle Hunziker über ihre Zeit in der Sekte

«Ein scheinbar perfektes Leben» führt Moderatorin Michelle Hunziker. Doch in den Nullerjahren wurde dieses von der Sekte «Krieger des Lichts» überschattet. Jetzt berichtet Hunziker erstmals, mit welch absurden Machenschaften sie sich konfrontiert sah.
Michelle Hunziker Autobiographie
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Wunderschön — aber nicht perfekt: Michelle Hunziker erlaubt in ihrer Biografie einen Blick in düstere Zeiten. 

Sie ist für ihr strahlend schönes Lachen bekannt: Michelle Hunziker, 41, alias «Belle Michelle». Doch auch in ihrem Leben gibt es eine Episode, auf die sie heute nicht stolz ist. Während sechs Jahren, von 2000 bis 2006, war die Moderatorin Mitglied von «Krieger des Lichts», einer Sekte - und verzichtete im Rahmen dessen nicht nur auf Fleisch, Mehl und Zucker, sondern auch auf Sex.

Eine verhängnisvolle Begegnung

Der deutschen Boulevardzeitung «Bild» liegen erste Auszüge von Hunzikers Autobiografie «Ein scheinbar perfektes Leben» vor, die am Freitag erscheint. Darin berichtet sie, wie sie in die Fänge von «Krieger des Lichts» geraten ist. Die Sektenführerin Clelia lernte Hunziker kennen, als ihr damaliger Ehemann Eros Ramazzotti, 54, sich von der Pranatherapeutin wegen einer schweren Halsinfektion behandeln liess. Als anschliessend auch Hunziker selbst von Haarausfall geheilt und ihr das Rauchen abgewöhnt werden konnte, hatte Clelia Hunziker in der Hand. Diese glaubte ihr - jedes Wort. 

Michelle Hunziker
© Lübbe

In ihrer Autobiografie «Ein scheinbar perfektes Leben» spricht Michelle Hunziker Klartext. Das Buch ist ab Freitag erhältlich. 

«Es gibt keine gnadenlosere Gewalt als jene, wie sie in Sekten ausgeübt wird», erzählt Hunziker in ihrem Buch. «Ich suchte nach Liebe, und Clelia gab mir sie. Ich konnte ihr alles sagen, und sie nahm mich ernst, jederzeit. Sie rief mich sechsmal am Tag an, um sich zu erkundigen, wie es mir ging.» Plötzlich aber habe Clelia dann angefangen, sie zurückzuweisen: «Sie bestrafte mich, verbannte mich aus ihrem Umfeld, entzog sich mir. Ich wollte nur eines: zu ihr zurück. Ich hätte alles getan, um die symbiotische Verbindung wiederherzustellen. Und dafür opferte ich mein Urteilsvermögen und meinen freien Willen.»  

Ich hätte alles getan, um die symbiotische Verbindung wiederherzustellen.

In der Folge brach Hunziker den Kontakt zu ihrer Mutter, ihren Freunden und den Kollegen ab - und ein Einsehen folgte erst viel später: «Es dauerte fünf Jahre, bis die Situation für mich unerträglich wurde. Erst dann merkte ich, dass ich, sollte ich bei Clelia bleiben, nicht in höhere Sphären aufsteigen, sondern in die Isolation absinken würde.» Ihr sei bewusst geworden, dass sie keiner glänzenden Zukunft entgegengehe, sondern in der Einsamkeit enden würde. «Und selbst nachdem ich das begriffen hatte, brauchte ich noch Wochen, um all meinen Mut zusammenzunehmen und aus der Sekte auszubrechen.»

Klare Regeln, feste Prinzipien

«Belle Michelle» sah sich in der Sekte mit strengen Regeln konfrontiert. Dies begann bei der Körperhygiene: «Vor den Versammlungen mussten wir duschen und weisse Kleidung anlegen. Auf der Türschwelle mussten wir immer die Schuhe ausziehen. Dann mussten wir uns noch einmal die Hände waschen.» Hunziker habe immer gehorsam die Regeln befolgt, die Clelia für die Gruppe aufstellte. So auch auf körperlicher Ebene: «Man durfte nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und keine tierischen Proteine verzehren. So steht es in der Bibel. Alles, was wir assen, musste vegan sein.»

Sex als Tabu

«Natürlich betraf die Reinigung auch das Sexualleben», führt Hunziker in ihrer Autobiografie fort. «Clelia zufolge war die Sexualität ein animalischer Instinkt und daher schmutzig und niedrig. Wir mussten diesen Instinkt auf eine höhere Ebene heben, ihn sublimieren und in innere Energie verwandeln. In einer Zeit, in der von morgens bis abends nur noch über Sex geredet wurde, in der Zeitschriften und Magazine den Körper vermarkteten, sollten wir den heiligen Aspekt der Sexualität wiederentdecken und die anderen in positive Energie umwandeln.»

Michelle Hunziker Tomaso Trussardi
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Heute ist Hunziker mit ihrem Ehemann Tommaso Trussardi glücklich. Das Paar hat zwei gemeinsame Töchter, aus der Beziehung mit Eros Ramazzotti stammt zudem die 21-jährige Aurora. 

Auch Masturbation sei verboten gewesen, denn nach den Regeln der sexuellen Sublimierung sollten sämtliche Instinkte in etwas Höheres verwandelt werden, nicht nur solche, die zwischen zwei Menschen eine Rolle spielten, schreibt Hunziker. «Wir übten uns also sämtlich in Abstinenz, die Clelia uns für mehr oder weniger lange Zeiträume verordnete, wenn wir eine Sitzung bei ihr hatten oder mit ihr telefonierten.» Clelia habe den Mitgliedern dann immer empfohlen, sich nicht frustriert zu fühlen, sondern glücklich zu sein. «Leichter gesagt als getan... Aber wenn ich meine künstlerische Kreativität nicht zerstören wollte, durfte ich an Sex nicht mal denken.» 

Wenn ich meine künstlerische Kreativität nicht zerstören wollte, durfte ich an Sex nicht mal denken.

Dennoch kam Hunziker lange nicht von Clelia los: «Ich hielt sie für weiser und klüger als mich selbst. Ich dachte, sie sei spirituell fortgeschrittener als ich und reifer in ihrer Beziehung zum Göttlichen. Trotz allem fand ich, es sei ein Privileg, dass ich sie hatte kennenlernen dürfen: Sie würde mich führen und mir die richtige Richtung weisen, damit ich in der Welt und für die Welt etwas Gutes bewirken konnte.» Zu diesem Zweck sei sie bereit gewesen, alles über sich ergehen zu lassen, sagt Hunziker: «Klaglos ihre Distanz hinzunehmen, Hunger zu haben, mir sagen zu lassen, dass meine Gefühle falsch seien. Ich war bereit, nur helle Sachen zu tragen, die Schuhe auszuziehen, wenn ich ihr Haus betrat, und mir vor und nach jeder Begegnung die Hände zu waschen. Ich betrachtete das als Akt der Demut.»

Bildergalerie: Michelle Hunziker — ihr Leben in Bildern

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