Die SVP-Nationalrätin schenkt Zeit Natalie Rickli feiert Weihnachten im Altersheim

Im September stirbt die Mutter von Natalie Rickli nach langer Krankheit. Zu Weihnachten verschenkt die SVP-Nationalrätin deshalb etwas vom Wertvollsten: Zeit. Die Senioren im Pflegezentrum im Spitz in Kloten ZH freuen sich über ihren Besuch – und das Mitbringsel.
Natalie Rickli besucht Senioren im Pflegezentrum
© Remo Nägeli

Bescherung: 
Ursula Buchmüller, Hildegard Sahli, 
Nelly Jezler 
und René 
Greub (v. l.) 
fragen sich, 
was Natalie Rickli mit
gebracht hat.

Schummelt da jemand? «Sie haben doch eine Sechs gewürfelt», sagt Natalie Rickli zu Hildegard Sahli, 92. «Ja, aber die Sechs zählen wir beim 
Eile mit Weile doppelt!», entgegnet Sahli, «deshalb darf ich zwölf Felder fahren.» – «Ach so», Natalie Rickli lacht, «jetzt verstehe ich, warum Sie so schnell vorwärtskommen!»

Die 42-jährige SVP-Nationalrätin ist zu Besuch im Pflegezentrum im Spitz in Kloten ZH. «Ich bin gerne in Altersheimen.» Ricklis 17 Jahre jüngere Schwester Ronja macht gerade eine Zweitlehre zur Fachfrau Betreuung.

Erste Weihnachten ohne die Mutter

Auch Ricklis Mutter Marianne arbeitete früher in einem Altersheim. Im September starb sie nach neunjähriger Krankheit. «Sie war erst 65 Jahre alt», sagt Rickli. «Es war eine Parkinson-ähnliche Krankheit, aber es gab leider keine genaue Diagnose und darum auch keine Heilung. Sie wurde immer schwächer und sass die letzten Jahre im Rollstuhl.» 

Dieses Jahr feiert Rickli zum ersten Mal ohne ihre Mutter Weihnachten. Statt sich von der Schweizer Illustrierten einen Wunsch erfüllen zu lassen, möchte sie anderen etwas geben. «Mein Mami hat sich immer für andere Menschen Zeit genommen. Als sie krank wurde, hat sie selber viel Unterstützung und Besuche erhalten, die sie zum Lachen brachten. Ich hoffe, auch ich kann heute den Bewohnern eine Freude machen.»

Remo Nägeli

Überholen: 
Nelly Jezler 
und Natalie Rickli be
ratschlagen 
beim Eile 
mit Weile 
den nächs
ten Schritt. 

Im Pflegezentrum ist gerade das von den Bewohnern gesungene «Stille Nacht» verklungen. Zurück bleiben im Mehrzweckraum: Hildegard Sahli, die sich mit «Sali, Sahli!» vorstellt. Ursula Buchmüller, 89, deren Sohn auf den Philippinen wohnt. Nelly Jezler, 86, die «mit der Schulklasse» schon mal im Bundeshaus war. Und René Greub, 84, der sagt: «Ob SP oder SVP – das ist in meinem Alter nicht mehr so wichtig.»

Ein Geschenk von der Nationalrätin

Natalie Rickli setzt sich zur Runde dazu und legt ein Paket 
auf den Tisch. «Für ein Spiel ist 
es wohl zu gross», glaubt René Greub. Beherzt macht sich die Gruppe ans Auspacken. «Vorsichtig», sagt Nelly Jezler, «es wäre schade um das schöne Papier.» Zum Vorschein kommt ein Eile mit Weile für sechs Personen. «Also doch ein Spiel!», freut sich René Greub. «Eile mit Weile habe ich früher mit meiner Grossmutter oft gespielt», sagt Rickli. «Legen wir los?»

Die Fünferrunde beginnt mit der ersten Partie. «Ihr müsst die Schritte ja gar nicht abzählen!», staunt Rickli. Behende springen die Senioren mit ihren Töggeln übers Brett. «Wir sind halt geübt!» 

Dann ist es Natalie Rickli, die springen muss. In Bern wartet 
der hektische Alltag. «Schön, 
dass die Leute im hohen Alter noch so vital sind, lachen können und liebevoll betreut werden», sagt sie zum Schluss. «Hier zu verweilen hat mir richtig gut getan.» 

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