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Der Snowboard-Olympiasieger und seine Zwillinge

Nevin Galmarini im doppelten Vaterglück

Gold und Silber bei Olympia – Alpin-Snowboarder Nevin Galmarini macht keine halben Sachen. Auch im Privatleben nicht: Die Zwillinge Eddie und Louie halten den Profisportler und seine Nadja gehörig auf Trab.

Nevin Galmarini

Coole Jungs: Nevin Galmarini mit seinen fünf Monate alten Zwillingssöhnen Eddie (l.) und Louie. «Eddie ist der Ruhige, Louie der Impulsive.»

Fabienne Bühler

Achtung, Achtung! Es gibt da etwas, was Nevin Galmarini, 32, schwer auf die Nerven geht: «Sagt bloss ja nicht Schuls, das hört sich grauenhaft an!» Auf die rätoromanische Ortsbezeichnung Scuol – ausgesprochen «Schcuel» – legt der gebürtige Appenzeller Wert. Als 13-Jähriger ist er mit seiner Familie des Sports und der Ausbildung am Sportgymnasium Ftan wegen von Herisau AR ins Unterengadin nach Ardez umgezogen. Seither fühlt er sich trotz verbliebenem Ostschweizer Dialekt als Engadiner.

Nevin Galmarini

Coole Jungs: Nevin Galmarini mit seinen fünf Monate alten Zwillingssöhnen Eddie (l.) und Louie. «Eddie ist der Ruhige, Louie der Impulsive.»

Fabienne Bühler
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Und so könnte es dereinst auch seinen Söhnen Eddie und Louie gehen: Mit ihrem Papa Nevin und Mama Nadja von Büren, 37, wohnen sie zwar in Flumenthal bei Solothurn. «Aber es ist durchaus eine Wunschvorstellung, dass wir irgendwann ins Engadin ziehen und unsere Jungs hier aufwachsen», sagt der Olympiasieger von 2018 im Snowboard alpin, der des Rätoromanischen recht gut mächtig ist. Dass Scuol Galmarinis Hauptsponsor ist, drückt denn auch weniger eine Geschäftsbeziehung aus als vielmehr eine Herzensverbindung.

Eddie und Louie verändern Galmarinis Leben im Doppel

Am vergangenen 12. Juli kommen die zweieiigen Zwillinge zur Welt, knapp fünf Monate nach Nevins Goldfahrt von Pyeongchang. «Zuerst der ruhige Vielschläfer Eddie, eine Minute später der impulsive und nimmermüde Louie», wie Nadja ihre zwei Knöpfe charakterisiert. Die Reise nach Südkorea hat sie auch wegen der Schwangerschaft nicht auf sich genommen.

Nevin Galmarini

Zweieiig: Nadja hält Eddie empor, Nevin bringt Louie zum Lachen. Verwechslungsgefahr besteht bei den Twins nur für Aussenstehende.

Fabienne Bühler

Doch ihren Nevin beflügelt der erwartete Familienzuwachs aus der Ferne. «Weil wir schon seit Oktober 2017 von der Schwangerschaft wussten, wars zwar kein spezieller Boost im Rennen. Aber es hilft schon, wenn man mehr Risiken eingehen kann, weil man im Hinterkopf hat, dass ein Scheitern nicht das Ende der Welt wäre.» 

Der Start ins Familienleben

Es ist der vielleicht emotionalste Moment, als der Profi-Snowboarder dreieinhalb Jahre nach Olympiasilber in Sotschi im November 2017 beim Training in Davos vom Besonderen seiner kommenden Vaterschaft erfährt.

«Ich sass mit Kollegen in Davos auf dem Sessellift, als Nadja mich aufs Handy anrief und mir mitteilte, dass es Zwillinge sind. Zuerst tat ich ganz cool, um mich vor den Kollegen nicht zu verraten. Aber dann bin ich allein in den Tiefschnee rausgefahren, und dort ist die Freude aus mir rausgebrochen.» Mit etwas Verzögerung, genau wie nach dem Sieg im Olympiarennen, als er erst beim Telefonat mit Nadja seinen Emotionen freien Lauf lässt. 

Nevin Galmarini

Zmorge: Nadja und Nevin geniessen mit Louie (l.) und Eddie eine Auszeit im Hotel Belvédère in Scuol. «Im Unterengadin fühlen wir uns zu Hause.» 

Fabienne Bühler

Nun also sind die Galmarinis eine Familie. Und den Sprung «von null auf gleich zwei Kinder» haben sie erfolgreich bewältigt. «Man kommt am Anfang schon mal an den Anschlag, wenn beide gleichzeitig etwas von einem wollen, aber wir ergänzen uns perfekt», lobt Galmarini die häusliche Rollenaufteilung. Was auch Nadja bestätigt: «Nevin ist ein toller Papi. Er hat unendlich Geduld, und er beteiligt sich an allen Eltern-Aufgaben, wickelt die Jungs, bringt sie zu Bett, kleidet sie an, steht nachts auf.» Das Schöppelen schaffe er sogar parallel, präzisiert der Jungpapa lachend, nur beim Wickeln müsse er «eher sequenziell» vorgehen. 

Die Aufgabenliste nebst den Vaterfreuden

Schön der Reihe nach erledigt der Olympiaheld auch seine komplexe Aufgabenliste nebst den Vaterfreuden. Bei seinem Fernstudium der Betriebswirtschaft arbeitet er derzeit an der Bachelorarbeit. Im März soll das Diplom vorliegen. «Ich kann mir auch vorstellen, gleich das Masterstudium anzuhängen.»

Und natürlich sind da die sportlichen Ziele, die der Profi-Snowboarder verfolgt. Nach Olympia- und Gesamtweltcup-Sieg im vergangenen Winter soll in einem Monat WM-Gold in Park City (USA) folgen – WM-Bronze hat er schon. Und den Heim-Weltcup in Scuol (nicht Schuls!) vom 9. März nennt er als zweites Saison-Highlight. 

Nevin Galmarini

Eddie und Louie halten den Profisportler auf Trab.

Fabienne Bühler

«Ich habe mit der Geburt von Eddie und Louie zwar Gelassenheit gewonnen, aber nichts von meinem Ehrgeiz eingebüsst», sagt Galmarini, «und ich sehe eigentlich keinen Grund, weshalb ich nach dieser Saison nicht weiterfahren sollte, auch wenn mir nun die Abreise an Wettkämpfe im Ausland oder in Trainingscamps schon deutlich schwerer fällt.» 

Von Zürich ins Flumenthal

Das Familienleben der Galmarinis wird durch die aktuellen Lebensumstände erleichtert. Von Zürich nach Flumenthal umgezogen sind sie nicht zuletzt, weil Nadja dort aufgewachsen ist und ihre Eltern noch immer im Dorf wohnen, in unmittelbarer Nachbarschaft. «Ich kann jederzeit auf ihre Unterstützung zählen, wenn Nevin unterwegs ist und ich Hilfe benötige», preist Nadja die Vorzüge der räumlichen Nähe.

Nevin Galmarini

Heimat Nevin mit den drei Liebsten (Louie r.) beim Schlitteln auf Motta Naluns und mit Nadja beim Spaziergang durch den alten Dorfkern von Scuol.

Fabienne Bühler

Auch Nevins gehörlose Mutter Helen, die in Ardez GR lebt, geniesst die neuen Oma-Freuden. Sie ist mit den Zwillingen erstmals Grossmami geworden. Die Erinnerung ist noch lebendig, wie Nevin 2014 nach der Silberfahrt von Sotschi seine Mutter am TV in Gebärdensprache grüsst. Gut möglich, dass Eddie und Louie dereinst in babylonischer Sprachenvielfalt aufwachsen: Mamas Solothurner Dialekt, Papas Herisauer Idiom, Rumantsch – und eben auch Gebärdensprache. 

Nevin Galmarini

Test: Eine Kabine der Gondelbahn von Scuol ins Skigebiet Motta Naluns ist Olympiasieger Galmarini gewidmet. Mit Nadja prüft er deren Kinderwagen-Tauglichkeit.

Fabienne Bühler

Schon die Namen der zwei Buben deuten Weltoffenheit an. «Eddie ist von Nadjas Grossvater Eduard abgeleitet, Louie von meinem Opa Luigi», erklärt Galmarini. Es ist die am leichtesten erkennbare Verbindung zu den Vorfahren der Zwillingsbuben. Mehrlingsgeburten gab es nämlich bisher weder in Nadjas noch in Nevins Familie.

Olympiasieger allerdings auch nicht. Da muss Galmarini aufpassen, dass seine Söhne dann nicht die Ersten sind, die Schuls statt Scuol sagen. 

Von Iso Niedermann am 18.01.2019
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