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Selbst im achten Monat trainiert die Triathletin noch

Nicola Spirig gesteht: «Ich bin nicht gerne schwanger»

Sie ist im achten Monat schwanger - ein Leben ohne Training kommt für Nicola Spirig dennoch nicht infrage. Die Triathletin will nächsten Sommer an die Olympischen Spiele. Wie die Sportlerin das mit drei Kindern schaffen will und wie sie der bevorstehenden Geburt entgegenblickt.

Nicola Spirig

«Könnte ich die Schwangerschaft meinem Mann übergeben, täte ich das gern»: Nicola Spirig.

Keystone

Der Klapperstorch lässt nicht mehr lange auf sich warten: Triathletin Nicola Spirig, 37, und ihr Ehemann Reto Hug, 42, erwarten im April Nachwuchs. Nach Sohn Yannis, 5, und Tochter Malea, 21 Monate, ist es bereits das dritte Kind für die beiden. 

Wie bereits bei ihren beiden ersten Schwangerschaften lässt Spirig das Training auch diesmal nicht sausen. «Ich trainiere immer noch alles», sagt sie. Momentan verbringt sie mit ihrer Familie Zeit in St. Moritz - neben dem Training gehe es «schon auch darum, mit der Familie den Winter zu geniessen», erklärt Spirig gegenüber «NZZ am Sonntag». «Schwangerschaft hat für mich verschiedene Bedeutungen. Eine ist, dass ich nur zwei- statt dreimal am Tag trainiere und mehr Zeit für die Familie habe. Das ist ein Luxus.»

«Eine Schwangerschaft ist immer auch ein Risiko»

Die Schwangerschaft bezeichnet Spirig selbst als Risiko. «Auch beim dritten Kind gibt es keine Sicherheit, dass ich danach noch gleich funktioniere wie vorher.» Für eine Spitzenathletin berge eine Schwangerschaft viele Unsicherheiten. «Es gibt Frauen, die sehr gerne schwanger sind – ich bin es nicht. Könnte ich die Schwangerschaft meinem Mann übergeben, täte ich das gern.»

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Als Spitzensportlerin kämpft Spirig damit, ihren Körper nicht für sich zu haben. «Ich bin verantwortlich für jemanden, dessen Bedürfnisse immer Vorrang haben.» Und zehn, 15 Kilogramm zusätzliches Gewicht seien für eine Athletin nichts Schönes. «Natürlich gibt es die andere Seite. Es ist ein Wunder, das Baby zu spüren, auch beim dritten Kind ist es absolut unglaublich. Und Kinder haben für meinen Mann und mich Priorität, darum haben wir uns für ein drittes entschieden.»

Die Fehlgeburt bewusst thematisiert

Im vergangenen Oktober hat Spirig bei der Verkündung ihrer Schwangerschaft auch öffentlich gemacht, dass sie im Frühling 2018 eine Fehlgeburt erlitten hatte. Damit an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, sieht Spirig immer noch positiv. «Im Leben, gerade mit Kindern, gehen Pläne nicht immer auf», sagt sie. «Ich hatte den Wunsch, zu erklären, warum ich jetzt schwanger bin, wo doch eigentlich zu wenig Zeit bleibt für die Vorbereitung auf Olympia in Tokio. Es zeigt, dass die Familie prioritär ist.» Sie hätten entschieden, dass sie ein drittes Kind möchten, auch wenn der Zeitpunkt aus sportlicher Sicht nicht ideal sei. «Aber es ist das Wichtigste in unserem Leben.»

Remo Naegeli

Nicola Spirig und ihr Mann Reto Hug freuen sich auf ein Geschwisterchen für die beiden Kinder Yannis und Maela.

Spirig hat die Fehlgeburt auch aus einem anderen Grund deshalb öffentlich thematisiert. «Ich finde, es wird wenig über Fehlgeburten gesprochen, obwohl so viele Frauen betroffen sind. Ich dachte, vielleicht bringt es anderen Frauen etwas, wenn sie erfahren, dass es der Athletin passiert ist, die doch alles planen kann.»

«Mein Tag sollte dreimal so lang sein»

Spirig kennt das schlechte Gewissen, nicht zu genügen. «Mein Tag sollte dreimal so lang sein, weil ich für alle meine Aufgaben, jene als Mutter und jene als Athletin, mehr Zeit möchte.» Eine Riesenerleichterung sei für sie, dass ihr Mann mit den Kindern sei. «Aber klar: Wenn die Kinder klein sind, weinen sie auch einmal, wenn das Mami geht. Auch wenn ich weiss, dass sie nach 30 Sekunden wieder lachen – das ist schwierig.»

Nicola Spirig

Auch schwanger steigt Spirig täglich ins Schwimmbecken, um die Kraft aufrechtzuerhalten.

Screenshot SRF

Der bevorstehenden Geburt sieht Spirig mit gemischten Gefühlen entgegen. «Das Schwierigste für mich ist, dass ich keine Ziellinie habe. Ich habe keine Ahnung, ob die Geburt zwei oder zwanzig Stunden geht.» Sie sei es im Sport auch gewohnt, die Schmerzen zu kontrollieren. «Bei der Geburt habe ich keine Kontrolle, ich kann nichts steuern.»

Tokio 2020 als Fernziel

Spirigs grosses Ziel nach der Geburt sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Das Training, der Wiederaufbau – alles ist minutiös geplant. Damit sich die Athletin auf ihren Sport konzentrieren kann, wird sich die Familie Hilfe holen. «Wir werden wahrscheinlich eine Nanny anstellen, die mit uns in die Trainingslager kommt.» Momentan seien sie stark am Planen – und die Spiele damit sehr präsent. 

Dass sie noch einmal diese ganze Bürde auf sich nimmt, ist es Spirig wert. «Ich mache es für mich, nicht weil ich mich noch einmal beweisen müsste. Hätte ich wählen können, hätte ich es mir nicht so schwer gemacht.» Es gebe in den nächsten Monaten viele Fragezeichen, Dinge, die sie so nicht planen könne, wie sie es gerne möchte. Nur schon die Qualifikation werde eine Herausforderung. «Wenn ich nach Tokio gehe, will ich zum Favoritenkreis gehören. Ich gehe nicht, um die Stadt anzuschauen.»

Von Ramona Hirt am 28. Februar 2019