Er starb viel zu früh Die letzte Homestory bei Circus-Royal-Direktor Peter Gasser

Tragischer Todesfall: Der ehemalige Circus-Royal-Geschäftsführer Peter Gasser stirbt im Alter von 61 Jahren. Vor einem guten Jahr war die Welt noch in Ordnung: Im März 2017 besuchte die «Schweizer Illustrierte» Gasser und seinen damaligen Lebenspartner Oliver Skreining zuhause. Und traf einen Mann, der Zirkus im Blut hatte. 
Circus Royal
© Geri Born

Direktorenpaar Skreinig liebt die Manege, Gasser (l.) schafft lieber im Hintergrund.

Schon als Dreijähriger wusste Oliver Skreinig, 39: «Ich will zum Zirkus.» Sein Traum hat sich erfüllt: Heute ist er Direktor im traditionsreichen Schweizer Circus Royal seines Lebenspartners Peter Gasser.

Der 61-Jährige jedoch geniesst das Leben ausserhalb des Zirkus immer mehr. Vor zwei Jahren hat sich das Paar im deutschen Hinzlingen in der Nähe von Schaffhausen ein Haus gekauft. Hier zieht sich Gasser gern zurück und lebt wie die «Privatleute», so nennen sie Leute ausserhalb der Zirkuswelt. Er kegelt mit den Nachbarn, wandert, fährt Velo, schwimmt im eigenen Pool.

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Zirkus in der Stube Royal-Urgestein Peter Gasser und sein Direktor und Lebenspartner Oliver Skreinig mit Malteser Elvis daheim in Hilzingen (D).

Peter Gasser trägt zwar im Zirkus noch wichtige Entscheide mit und unterstützt sein Team. Und die Feier zu seinem 60. Geburtstag am 23. März 2017 verschiebt er extra, weil der Zirkustross an diesem Tag gerade von einem Tournee-Ort zum nächsten zieht. Aber den Auftritt an der Front überlässt er seit vielen Jahren seinem Partner.

Für Oliver Skreinig ein Bubentraum. Lachend erzählt er, wie er als Dreijähriger daheim im österreichischen Klagenfurt bei seinem ersten Zirkusbesuch in der Pause «verloren» ging. «Plötzlich stand ich im Bürowagen – und obwohl ich sonst ein ängstliches Kind war, fühlte ich mich gleich wie zu Hause.» Der Frau Direktor sagte er damals, sie dürfe seine Omi sein, weil sie selber keine Enkel hatte. Er blieb mit ihr bis zu ihrem Tod verbunden. Und seine Faszination für den Zirkus sollte sich nie mehr legen. «Als Teenie hatten meine Freunde ‹Bravo›-Starschnitte an den Wänden, bei mir hingen Zirkusplakate.»

Ich kam mit buntem Koffer, Kaninchen und Meerschweinchen

Seine Eltern waren weniger begeistert. Ihnen zuliebe machte er eine Lehre als Bürokaufmann. Aber als er auf Besuch bei Freunden im Circus Royal Peter Gasser kennenlernte, gabs für ihn kein Zurück. Nicht nur die Manege und die grosse Zirkustradition der Gassers beeindruckten ihn. Die beiden Männer verliebten sich auch ineinander.

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Ein Leben im Zirkus Peter Gasser im Bistrowagen des Circus Royal. Am 23. März 2017 wird er 60.

Kaum achtzehn Jahre alt, holte sich Oliver Skreinig eine Sonderbewilligung. So konnte er die Berufsschule abschliessen, ohne an seiner Lehrstelle arbeiten zu müssen. Praktische Berufserfahrungen sammelte er nun im Circus Royal. Er flog sonntags heim nach Klagenfurt und montags nach der Schule zurück in die Schweiz. Am 23. Dezember 1996 zog er endgültig zu seinem Freund in den Zirkus. «Mit einem bunten Koffer, einem Kaninchen und einem Meerschweinchen.» – «Und mit einer Packung Streu für die Tierchen», erinnert sich Gasser.

Obwohl Homosexualität in der traditionellen Zirkuswelt lange verpönt gewesen sei, hatten sie nie Probleme, wie Skreinig erzählt. «Peter war immer offen schwul, das hat Akzeptanz gebracht.» Oliver Skreinigs Familie war ebenso tolerant. «Schon der Bruder meines Opas war schwul, und mit meinen Eltern besuchte ich manchmal Kaffeekränzchen mit Männern in Frauenkleidern.» Mit 15 verliebte er sich zum ersten Mal in einen Jungen.

Bereits bei seiner ersten Tournee mit dem Circus Royal stand er als Ansager in der Manege, erledigte Büroarbeiten und lernte von den Artisten, wie man sich in Szene setzt. In den folgenden Jahren spielte er «den Seriösen» neben dem berühmten Clown Gaston und präsentierte Nummern mit verschiedensten Tieren. Seit 1999 ist er offiziell Direktor.

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«Tiere sind Olivers Metier»: Peter Gasser mit Skreinig und Kamelen des Circus Royal.

So schön und romantisch alles klingt, manchmal wird Oliver Skreinigs Bubentraum zum Albtraum. Etwa, wenn sie wegen zu vielen Maulwurfhaufen auf einem Platz ihr Zelt nicht aufstellen dürfen. Oder wenn ihnen Tierschützer Probleme machen, obwohl sie die strengen Schweizer Richtlinien einhalten würden. «Der administrative Aufwand hat sich unglaublich vergrössert», sagt Peter Gasser. «Früher warf meine Grossmutter 20 Rappen ins Münztelefon und rief ins nächste Dorf an, um anzukündigen, dass wir kommen.» Heute teilen sich sieben Personen die Büroarbeit. Das ganze Team zählt hundert Leute aus zehn Nationen.

Trotz allen Schwierigkeiten könnte sich Oliver Skreinig kein anderes Leben vorstellen. «Leider Gottes habe ich keine Kinder», sagt er. «Mit dem Zirkus kann ich künftigen Generationen etwas hinterlassen, das ihr Leben ein bisschen schöner macht. Einen Ort, wo Menschen jeden Alters zusammen etwas geniessen können. So wie ich es damals als Dreijähriger erleben durfte.»

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