Reeto von Gunten im persönlichen Interview «Ich würde wohl erschossen werden»

Er hat 500 Tattoos, aber nur als Fotos: SRF-3-«Sonntagsmusik»-Moderator Reeto von Gunten verrät der «Schweizer Illustrierten», welches Beatles-Album sein Leben massiv beeinflusste, was das Militär mit seiner dümmsten Idee zu tun hat, wieso er sich als Härdöpfel sieht - und warum er fast Mercedes geworden wäre.
Reeto von Gunten SRF3 Moderator Sonntag Sonntagsmusik
© Hervé Le Cunff

Reeto von Gunten, 53, ist jeden Sonntagmorgen auf SRF 3 zu hören. Ab Herbst tourt er zudem mit seinem neuen Programm «Single» durch die Schweiz.

Schweizer Illustrierte: Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Reeto von Gunten: Das ist jetzt wahnsinnig beschämend: mein Logo. Das habe ich mit Word selbst kreiert am Computer, man kann dort unter Extras den Filter Stempel auswählen, Foto einlesen - und schon hat man ein Logo wie ich.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Woraus setzen Sie ihn zusammen?
Aus Steffisburg, wo ich aufwuchs, und New York, wo ich am meisten gelernt habe.

Wie wäre Ihr Name als Mädchen?
Mercedes - so hiess dann meine Schwester mit zweitem Vornamen.

Welches Gemüse gehört verboten?
Fleisch!

Und was für ein Gemüse wären Sie?
Ein Härdöpfel - verbunden mit der Scholle und Wurzelgewächs. Zudem passts optisch zu mir.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Null Prozent, ich bin wahnsinnig glücklich mit dem, was ich mache.

Als Sie Kind waren, was hat Ihr Vater Ihnen da immer gesagt?
«Mach, was wotsch, aber gfolget wird.»

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt?
Ich verschenke konstant Selbstgeschnitztes oder -geschriebenes. Zuletzt kam eine Kollegin aus dem Radiostudio in den Genuss.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Im Nacken - ich bin ab und zu verspannt. Mein Physiotherapeut weiss, welchen Wirbel ich mir immer beim Schlaf verdrehe.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Nein, ich lernte als Kind, aufzuessen, was ich auf den Teller schöpfe.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Ja. Es gibt nichts Gescheiteres, als mich in meine Einzelteile, die noch funktionieren, zu zerlegen und diese weiterzugeben.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Als Teenager gefiel mir «Ecclesiastes» von Stevie Wonder. Heute weiss ich, es gibt keinen Grund, an meiner Beerdigung Musik abzuspielen - ausser es wäre zum Tanzen.

Über was von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Das nimmt mich selbst wunder.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?
Meine Frau geheiratet zu haben.

Und die dümmste?
Ins Militär eingerückt zu sein. Zwölf Tage später schickten sie mich heim, es war für beide eine sehr unangenehme Erfahrung.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Als Schauspieler einen Oscar zu gewinnen, damit ich meiner Mutter danken kann für alles, was sie für mich getan hat.

Welche Eigenschaften würden Sie gern Ihren Kindern vererben?
Kreativität und Fantasie.

Und welche auf keinen Fall?
Egoismus und so eine Sorte Unflexibilität, die sich darin äussert, dass ich nicht gerne reise.

Welche Musik, welches Buch hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Musikalisch «The White Album» von den Beatles, als Buch Brian Enos Tagebuch «A Year with Swollen Appendices».

Welche Pille gehört erfunden?
Eine, die bewirkt, dass bei jedem, der eine Zahl in den Mund nimmt, überm Kopf die wirkliche Zahl erscheint. Ich fänds witzig - vor allem bei Veranstaltungen von Grosskonzernen.

Ihr Spitzname als Kind?
Bent.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus.
Es gab eine Phase, in der ich meinte, Innendekorateur zu sein und mein Zimmer so einrichtete, dass, wenn einer von einem dieser Architekturmagazine käme, es richtig cool aussehen würde.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Es ist toll, in einer Altbauwohnung mit Stuckdecke und Parkett zu wohnen, aber die Isolation ist eine Katastrophe. Ich habe Angst, dass irgendwann irgendwer mit einer Wärmebildkamera bei uns vorbeiläuft - ich würde dann wohl sofort erschossen werden.

Haben Sie ein Tattoo?
Nein, aber 500 Fotos von Tattoos anderer Leute. Eine tolle Art, ins Gespräch zu kommen, wenn ich frage: «Darf ich Ihr Tattoo fotografieren?» Echt spannend!

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Vor meiner ersten Radiosendung sagte mir François Mürner: «Egal, was du sagst, die einen finden dich toll, die anderen halten dich fürs Füdle. Daran wird sich wenig ändern, schon gar nicht wegen dir.»

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Selbstverständlich! Das Problem ist, dass sie sich nicht an mich erinnert, weil sie nur mein Schatz war, ich aber nicht ihrer. Sie hiess Frischkopf mit Familiennamen. Den Vornamen nenne ich nicht, das wäre unangenehm für sie.

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