Start der Paralympics in Südkorea Didier Cuche steht seinem Neffen Robin bei

Heute Freitag findet in Pyeongchang die Eröffnungszeremonie der Paralympics statt. Aus der Schweiz ist ein grosser Name dabei: Robin Cuche, Neffe von Didier, fährt um eine Medaille. Dabei hiess es bei seiner Geburt, dass er nie werde Ski fahren können.
Coucher Didier und Robin 2018
© Remo Nägeli

Macher: Robin Cuche verbringt viel Zeit in seinem Ski-Keller. Wenn Didier da ist, steht er ihm zur Seite.

So viel hat Didier Cuche gewonnen, dass das Val de Ruz in Neuenburg auch sechs Jahre nach seinem Rücktritt noch Schilder schmücken. Heute jedoch ist es der hochdekorierte Skiheld, 43, der sich vor seinen Neffen Robin hinkniet, ihm die Schuhe schliesst und nach seinem Befinden fragt. Robin ist nun jener, der seine Winter auf steilen Pisten verbringt. Und man sieht es am direkten Blick, am selben Lächeln: Die beiden sind Cuches.

Robin, 19, ist seit seiner Geburt Hemiplegiker. Er leidet an einer Lähmung der rechten Körperhälfte, Arm und Bein sind kürzer und schwächer. Die Feinmotorik ist beeinträchtigt, und er hat Schwierigkeiten, den Fuss zu bewegen. Deshalb trägt er zum Gehen eine Schiene; beim Skifahren hilft ihm die Steifheit des Schuhs..

Cuche Robin und Didier 2018
© Remo Nägeli

Lebenstraum: Robin (r.) liebt die Geschwindigkeit genauso wie sein Onkel Didier.

Dass Robin heute dem paralympischen Nationalteam angehört, ähnelt einem Exploit. «Bei meiner Geburt sagten die Ärzte, dass ich vielleicht gehen, aber sicher nie werde Ski fahren können. Meine Eltern wollten jedoch nie daran glauben.» Didier hört seinem Neffen bewegt zu. Er war ihm immer sehr nah, genauso wie dessen Bruder Rémi, dem Schweizer Meister im Riesenslalom der M16. «Er legt in jede Kurve Dynamik, gibt zwischen jeder Kehre Gas», sagt der 21-fache Weltcup-Sieger beeindruckt. Didier Cuche begleitet Robin, gibt ihm technische Tipps, relativiert aber seine eigene Hilfe: «In erster Linie sind es seine Eltern, mein Bruder Alain und Schwägerin Sandra, die immer an ihn geglaubt haben. Ich bin stolz auf sie.»

Einfach war es nie. Als Dreijähriger steht Robin erstmals auf den Ski, aber ohne Stemmbogen. Das wird einem Hemiplegiker nicht empfohlen. «Deswegen fährst du so schnell», sagt Cuche, und Robin witzelt weiter: «Ja, ich habe nie bremsen gelernt …» In den regionalen Rennen später wird ihm dann der Abstand bewusst, der ihn von den Schnellsten trennt. Die Eltern schlagen dem geborenen Wettkämpfer – er hasst es auch, beim Kartenspiel zu verlieren – vor, zum Handicapsport zu wechseln.

Coucher Didier und Robin 2018
© Remo Nägeli

Stärkung: Robin trägt eine Schiene. Das rechte Bein ist kürzer und schwächer.

Robin schafft es in den Europacup, nimmt an den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi teil und fährt 2015 erstmals auf ein Weltcup-Podest. In der vergangenen Saison holt er WM-Silber in der Super-Kombi und wird Neuenburger Sportler des Jahres. Und bei aller Bescheidenheit weiss er: An den Paralympics ab heute Freitag in Südkorea ist eine Medaille möglich!

Mein Sohn ist ein Macher. Er wird sein Leben leben können.

Während Robins Anfängen erlebt Didier Cuche die Blüte seiner Karriere. «Ich fand es immer unglaublich, dass ich vielleicht selbst eines Tages wie er als Sieger im Zielraum stehen könnte», sagt Robin. Didier verbringt manchmal ein paar Tage mit dem Paralympics-Team. Und kehrt stets aufgeblüht zurück. «Es ist eine Lektion in Demut. Diese Sportler geben mir mehr, als ich ihnen bieten kann.» Er spürt ihren eisernen Willen, ihren Humor. Robin: «Die Gesunden haben immer Angst, uns Behinderte zu necken. Wir selbst trauen uns, uns gegenseitig aufzuziehen.» Didier: «Manchmal frage ich mich, ob ich richtig gehört habe, wenn sie untereinander spassen. Genial!»

Mutter Sandra ist stolz: «Mein Sohn ist ein Macher. Ich werde nie den Moment vergessen, als er mit 17 Monaten zum ersten Mal gelaufen ist. An jenem Tag dachten wir: Er wird sein Leben leben können.» Ein Leben als Sieger, ein Leben mit Geschwindigkeit. Ein echter Cuche halt.

Cuche Robin und Didier 2018
© Remo Nägeli

Drei Generationen: Onkel Didier und Grossvater Francis (l.) sind stolz auf Robin.

Auch interessant