Roger Federer im persönlichen Interview Er sorgte sich um seine Karriere - wegen der Kinder

Er ist in Topform und er geht als Favorit in die US Open - Grund genug für ein ganz intimes Interview! Kurz vor dem Start des prestigeträchtigen Turniers in New York unterhielt sich Roger Federer mit dem amerikanischen Magazin «Sports Illustrated» - und gewährte einen tiefen Einblick in sein Privatleben.
Roger Federer Sieg Cincinnati 2014
© Keystone

Sieg in Cincinnati: Roger Federer holte kürzlich seinen 80. Titel.

ROGER FEDERER, 33, ÜBER SEIN ALTER:
«Ich kann nicht glauben, wie alt ich bin. Die Zeit vergeht so schnell auf Tour. Unglaublich, dass wir schon August haben. Die Zeit fühlt sich wie im Schnell-Vorlauf an. Aber ich fühle mich gut, viel besser als letztes Jahr. Meine Familie ist toll.»

...ÜBERS REISEN:
«Es ist immer ein Test: Möchte ich lieber zu Hause bleiben oder bin ich froh, auf Tour zu gehen? Ich war so glücklich, für die US-Open-Vorbereitung wieder unterwegs zu sein. Ich liebe die Schweiz. Wir hatten eine tolle Zeit, trafen unsere Freunde und unsere Familie. Aber Mirka und ich lieben es, unsere Sachen zu packen und abzureisen. Wir sehen das immer positiv. Die Organisation ist das anstrengendste.»

Ich dachte, ich könne nie wieder so viel trainieren

...ÜBER SEINE FAMILIE:
«Eine Familie zu haben, hat grosse Auswirkungen auf dein Leben. Du denkst 24/7, was die Kinder wohl im Schilde führen. Gerade jetzt weiss ich, was meine Kinder tun. In einer Stunde sieht es wieder anders aus, sie gehen zum Abendessen, wir müssen sie ins Bett bringen, ich erzähle ihnen Gutenachtgeschichten. Es geht immer etwas, auch wenn wir nicht mit ihnen zusammen ich. Ich vermisse meine Familie, wenn sie nicht da ist. Gleichzeitig ist es nicht immer möglich, mit ihr zu sein. Das ist okay. Ich bin froh, dass mich meine Familie nicht vom Tennis wegzieht. Davor fürchtete ich mich vor fünf Jahren am meisten. Ich dachte, ich könne nie wieder so viel trainieren, müsste meinen Turnierplan um 30 Prozent reduzieren. Aber das war nicht der Fall, ich manage das volle Programm, bin in der Lage, es zu bewältigen. Das hat mich überrascht.»

...ÜBERS ALLEINSEIN:
«Ich liebe Leute um mich herum. Ich liebe es, eine offene Tür im Hotel oder zu Hause zu haben. Die Leute können immer vorbeikommen. Es war sehr seltsam, als ich letztes Jahr alleine nach Shanghai oder dieses Jahr nach Monaco ging. Ich kam zurück in mein Zimmer und niemand war da. Ich gab meinem Coach und meinem Physio die Schlüssel, damit sie vorbeikommen.»

...ÜBER SOCIAL MEDIA:
«Es brauchte seine Zeit bei mir. Ich startete mit Facebook. An den French Open letztes Jahr mit Twitter. Das brauchte eine Menge Überzeugungsarbeit, ich habe die Idee dahinter nicht verstanden. Jeder nutzt Social Media anders. Die einen als Informationsquelle. Andere sind sehr offen und finden ‹schaut her, ich nehme gerade einen Espresso›, das irritiert mich. Ich sagte, wenn ich es tue, dann auf meine Weise. Ich wollte den Leuten einen Extra-Einblick geben, den niemand anderes hat. Sie mit etwas beliefern, das sie nicht schon wussten. Die Leute mögen, was ich sage. Das ist schön.»

Ich liebe die Schweiz

...ÜBER DIE SCHWEIZ:
«Die Schweiz ist ein interessanter Ort wegen der vier Landessprachen. Ich lebte schon an vielen Orten in der Schweiz, überall ist es anders. Jede halbe Stunde ändert sich der Akzent, wenn du unterwegs bist. Ich will nicht sagen, dass die Leute unterschiedlich sind, aber die Schweiz ist sehr vielfältig. Wer ist also der typische Schweizer? Das ist eine schwierige Frage. Aber es ist ein wunderbarer Ort, um aufzuwachsen. Er gab mir den Frieden, den ich brauchte. Ich hatte grosses Glück. Die Schweiz war immer sehr unterstützend, immer noch. Wenn du sehr berühmt bist, halten dich die Leute auf dem Boden. Jeder wird gleich behandelt. Das liebe ich an der Schweiz. Gleichzeitig denkst du: Warum können wir manchmal nicht euphorischer sein? Warum können wir nicht mal ausflippen? Wir tun es, aber sehr selten. Dann kommen wir sofort wieder herunter. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist es ein sehr angenehmer Ort zum Leben.»

...ÜBER LEIDENSCHAFTEN ABSEITS DES TENNIS':
«Ich mag es, Freunde zu treffen. Einen Kaffee trinken zu gehen. Wenn ich in den Ferien bin, gehe ich an den Strand und lausche den Wellen. Diese Momente sind sehr still, das ist schön, weil ich sonst ein stressiges Leben führe.»

Das Showbusiness machte mich verrückt

...ÜBER ZUFRIEDENHEIT:
«Ich kann heute mein Leben abseits des Courts viel mehr geniessen. Vor zehn Jahren war das noch anders, als ich fünf bis zehn Turniere im Jahr gewonnen habe. Ich vermisse es, von jedem zweiten Turnier als Sieger mit der Trophäe vom Platz zu gehen. Das war ein grossartiges Gefühl, das muss ich schon sagen. Aber heute, weg von all dem, fühle ich mich glücklicher. Ich bin nicht mehr so gestresst, weil ich mich nicht mehr allen beweisen muss. Ich renne nicht mehr vom Fotoshooting zur nächsten Gala. Das Showbusiness machte mich früher ganz verrückt. Es war wirklich unangenehm. Es brauchte eine Weile, bis ich mich an die Aufmerksamkeit gewöhnte, daran, dass alles, was ich sage, aufgegriffen wird. Ich fühlte mich missverstanden. Ich kam an meine Grenze, weil alles neu war. Auf der anderen Seite wars eine unglaubliche Erfahrung, einen Titel verteidigen zu wollen, erfolgreich sein zu wollen. Du vergisst all diese schlechten Dinge.»

Die 24-Stunden-Frist hat er zwar überschritten - der «Ice Bucket Challenge» hat er sich trotzdem noch gestellt. Freund und Sänger Gavin Rossdale hatte ihn nominiert:

 


Weitere Artikel über Roger Federer und seine Familie gibts im grossen SI-online-Dossier.

Auch interessant