Vom Sahlenweidli aufs Dach eines Gewerbehauses Stahl-Franz' Sohn wohnt jetzt in einem Container

2004 wurden die Kollers mit der TV-Serie «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» bekannt. Heute lebt Sohn Manuel in St. Margrethen SG - in einem Container! Eine Idee seines Vaters Stahl-Franz! Die «Schweizer Illustrierte» hat ihn besucht. 

Eine Idylle sieht anders aus. Manuels neues Zuhause liegt in der Industriezone beim Bahnhof St. Margrethen im St. Galler Rheintal. Mit seiner Freundin Sereina, 22, steht Manuel, 23, auf seinem Wohn-Container - dieser liegt auf dem Dach eines Gewerbebaus. Sie schauen in ihre Nachbarschaft: ein Obstkühlhaus, der Güterbahnhof, dahinter ein Schrottplatz und die Autobahn A1. Nebenan surrt ein Kran, eine neue Fabrik wird hochgezogen. Hier zu wohnen, sei «schon ein wenig speziell», sagt Sereina Graf und lächelt, «doch ich hab mich daran gewöhnt». - «Schön muss es nicht sein, aber praktisch!», tönts von hinten: Manuels Vater ist über die Leiter auf den Container gestiegen. Und da steht er, die Hände in den Hosentaschen, eine Marocaine im Mund: Stahl-Franz.

Es Bitzeli speziell hatte es die Familie von Franz Koller, 54, schon immer gern. Ende 2004 zog der Clan für drei Wochen ins Sahlenweidli ob Röthenbach BE für die Doku-Soap «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» von «Schweiz aktuell». Stall ausmisten, Wollsäuli schlachten, kein Strom, kein WC-Papier - wie vor 180 Jahren. Die Kollers metzgeten sich gut, die TV-Sendungen wurden ein Renner, die Kollers national bekannt.

Er ginge sofort wieder aufs Sahlenweidli, sagt Stahl-Franz. Wie Ferien seis gewesen, «kein Telefon, kein E-Mail, kein SMS». Sein heutiger Alltag hingegen sei stressig, «deshalb ist der Ranzen nicht dicker geworden, nur die Haare sind grauer». Er schaut auf sein T-Shirt, KOF steht darauf - für KOller Franz. Der gebürtige Rheintaler ist Chef seiner KOF Demontagen & Abbruch GmbH mit Sitz in Weissbad AI, Manuel sein Stellvertreter. Er habe in der ganzen Schweiz zu tun, sagt Franz. Wo immer er hinkommt: «Gäll, du besch de Stahl-Franz?» - «Charaktergrind bleibt Charaktergrind.»

Und dann erzählt er die Geschichte, wie Manuel zu seinem Wohn-Container gekommen ist. Im März 2014 hat die Firma den Auftrag, in der Europa-Allee beim Hauptbahnhof Zürich eine Musterwohnung abzureissen und zu entsorgen. Der qualitativ hochstehende Loft (Grundfläche 110 Quadratmeter) ist in einem Container untergebracht. Stahl-Franz: «Mir war sofort klar: Das wird Manuels neue Wohnung!» Dieser sei spontan einverstanden gewesen, hatte er doch schon seit Langem vor, aus dem elterlichen Haus in St. Margrethen auszuziehen.

Doch wie kommt ein solcher Koloss an den Bodensee? 18.2 Meter lang, 6.1 Meter breit und 2.7 Meter hoch ist er, 42 Tonnen schwer. Stahl-Franz setzt alle Hebel in Bewegung. Zwölf Männer und zwei Pneukräne hieven ihn auf einen Tieflader. Dann gehts in drei Nächten nach St. Margrethen, mit Polizei-Eskorte. Franz: «Der Container samt Inhalt ist eine halbe Million wert, für den Transport zahlte ich 70'000.» Der Gewerbebau, auf dem Manuels Container nun steht, gehört Stahl-Franz. Darin einquartiert ist das Depot seiner Firma, in einem anderen Teil hats ein Bordell. Manuel lacht. «Wir leben über Baggern und Schweissbrennern.»

«Chömmed!», ruft Koller senior. Manuel hilft Sereina beim Runtersteigen. Die zwei lernten sich im Frühling 2014 in einem Club in Lustenau (Ö) kennen, Sereina kommt aus Balgach SG, macht die Ausbildung zur Chefarzt-Sekretärin. Vor zwei Monaten sind die beiden eingezogen; die meisten Arbeiten für Strom-, Wasser- und Kanalisationansschlüsse waren familienintern erledigt worden.

Über einen Stahlgitter-Steg gehts in die Zwei-Zimmer-Wohnung. In der guten Stube mit angegliederter Küche sitzen Bea, 52, Jasmin, 28, und Sara, 30. Die jüngere Tochter hat die Hotelfachschule absolviert, ist bei Raiffeisen für die Gastrobetriebe verantwortlich und betreibt mit ihrem Freund einen Onlineshop für Taschen. Sara ist ausgebildete Dental-Assistentin, verheiratet, Mutter der eineinhalbjährigen Chiara und im dritten Monat schwanger.

Sereina setzt sich aufs Sofa, Manuel hats bei Otto's ausgewählt. Bea: «Alles schön modern. Doch eine verrückte Idee wars schon. Typisch Franz!» Was hat er als Nächstes im Sinn? Gibts einen zweiten Container für ein Sahlenweidli-Museum? Platz hätte es. Und zuzutrauen ists ihm, dem Stahl-Franz.

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