Studers Frauenpower Sandra Studer über ihr wahres Glück

Beruflich steht Sandra Studer als Moderatorin und Sängerin im Rampenlicht. Abseits der Kamera liegt ihr vor allem das Glück ihrer Kinder am Herzen. So sehr, dass sie sich auch für Ausbildung und Chancengleichheit von Mädchen weltweit starkmacht!
Sandra Studer und ihre Töchter
© Thomas Buchwalder

Innig: Sandra Studer und ihre Girls Nina, Julia und Lili (v. l.) geniessen die männerfreie Zeit ohne Ehemann Luka und Sohn Gian.  

Nur einen kurzen Moment lässt Sandra Studer, 48, beim Fotoshooting mit der Schweizer Illustrierten ihr Handy auf dem Tisch liegen – und weg ist es. «Nina hat schon auf Instagram Fotos gepostet», lacht Lili, 17, währenddessen ihre Mutter fassungslos den Kopf schüttelt. «Du bist total selber schuld», tadelt ihre Grosse. Die Moderatorin geniesst es, dass sie mit Lili schon so richtig auf Augenhöhe diskutieren kann. «Sie ist mein Erziehungscoach. Da lass ich mich auch gerne mal belehren», schmunzelt Sandra und schnappt sich Nina, 11, die immer noch fleissig Fotos mit dem Handy ihrer Mutter schiesst.

Sandra Studer und ihre Töchter
© Thomas Buchwalder
Schwesternliebe: Lili (r.) ist stolz auf die Tanzkünste ihrer kleinen Schwester Julia: «Sie ist wirklich begabt.»
 

Eigentlich ist klar geregelt, dass die beiden Nachzügler Nina und Julia, 9, erst gegen Ende der sechsten Klasse ein Handy bekommen, «aber sie suchen und finden Wege». Die Social-Media-Welt, in die ihre Kinder hineinwachsen, sieht sie als Mutter als eine der grössten Herausforderungen. «Manchmal stosse ich bei der Erziehung auch an meine Grenzen und mache sicher auch Fehler.» Trotzdem ist Sandra Studer unendlich dankbar, dass sie sich mit ihrem Mann Luka Müller, 53, einem Anwalt, den Traum von einer grossen Familie erfüllen durfte. «Ich bin ein Nestmensch – ein Herdentier», gesteht sie.

«Jungs sind doof»

Das Paar ist seit 20 Jahren verheiratet, gemeinsam haben sie Sohn Gian, 19, sowie die drei Mädchen Lili, Nina und Julia. Doch zurzeit sind Luka und Gian im Ausland, und die Mädels geniessen für einmal eine männerfreie Zeit. Zeit, um über Frauenthemen zu diskutieren: «Jungs sind doof !», stellt Julia nüchtern fest, und auch ihre Schwester Nina ist froh, selber ein Mädchen zu sein. Die beiden interessieren sich viel mehr für Musik und Tanz.

Das wundert wenig, hatte doch bereits ihre Mutter als Teenager eine Ballett- und Klavierausbildung. «Im Ballettunterricht waren wir alle», erzählt Lili nüchtern, «aber wirklich begabt ist nur Julia.» Dann brechen sie in schallendes Gelächter aus und erinnern sich an Ninas erste und letzte Ballettaufführung: «Alle Mädchen täppelten feenhaft und graziös in einer Reihe quer über die Bühne. Als Letzte kam Nina und trampelte wie ein kleiner Elefant hinterher.»

Manchmal treibt mich meine Tochter zur Weissglut

Da war auch Sandra – bei allem Mutterstolz – klar, dass ihre Tochter wohl keine klassische Ballettkarriere machen würde. «Dafür tanze ich jetzt Hip-Hop und singe in einer Musicalgruppe», kontert Nina. «Sie ist eine Kämpferin», sagt Sandra und weiss auch genau, warum: «Nina kam drei Monate zu früh zur Welt und wog nur 870 Gramm. Sie musste kämpfen, um zu leben, und so was legt man wohl nie ganz ab.» Egal, ob es ums Handy, ums länger Aufbleiben oder ums Essen geht, die Fünftklässlerin weiss sich durchzusetzen.

«Ich liebe ihre originellen Ideen, aber sie treibt mich mit ihrem harten Stieregrind manchmal zur Weissglut», gesteht Sandra. «Das kommt vielleicht daher, dass ihr euch so ähnlich seid», lacht Lili. «Ja, zwischen uns tätschts wirklich am meisten», gibt das Mami unumwunden zu. Sie sieht es als grosse Herausforderung ihrer Erziehung, den Girls nicht die eigenen Wünsche und Visionen zu übertragen. «Sie müssen ihren eigenen Weg gehen dürfen.»

Sandra Studer und ihre Töchter
© Thomas Buchwalder
Angekommen: Oft wacht Sandra Studer morgens auf und denkt: «Wow, was habe ich für ein Riesenglück!»
 
 

«Mein Vater war emanzipiert»

Darum setzt sie sich auch abseits des Rampenlichts stark für die Förderung und Chancengleichheit von Mädchen ein. «Es ist meine tiefste Überzeugung, dass viele Missstände auf dieser Welt über die Stärkung der Frau gelöst werden können. Und das funktioniert in erster Linie über die Bildung», sagt Studer. Leider kämen da Mädchen immer noch extrem zu kurz. Sie nutzt gerne ihre prominente Stellung, um als Botschafterin von Plan International auf die Probleme von Mädchen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. «Es ist traurig, wie vielen Mädchen das Recht auf Bildung und Selbstbestimmung verwehrt wird.»

Die Moderatorin und Sängerin kommt selber aus einem Drei-Mädel-Haus und hatte das Glück, dass ihr Vater grossen Wert auf eine gute Ausbildung seiner Töchter legte: «Er war zwar selber nicht gerade emanzipiert, aber er wollte nicht, dass wir jemals von einem Mann abhängig sind.» Deshalb hatte er auch viel mehr Freude an guten Noten als an einem Gesangsauftritt von Sandra, die zwar Germanistik und Musikwissenschaften an der Uni Zürich studierte, nie aber ihre Leidenschaft für den Gesang aufgab.

Sandra Studer und ihre Töchter
© Thomas Buchwalder
Musikalisch: Die Geschwister Nina, Lili und Julia (v. l.) lieben Musik und Tanz: «Das haben wir von unserer Mama.»
 
 

Diese Leidenschaft wünscht sie sich auch für ihre eigenen Kinder: «Ich hoffe, dass sie etwas finden, wofür sie brennen.» Egal, ob es dafür ein Studium oder eine Lehre braucht. Oder ob sich das erst im Laufe der Zeit entwickelt wie bei ihr: «Ich wusste immer, in mir schlummert etwas. Doch ich hatte keine Ahnung, was das ist.» Studer weiss, dass das nicht einfach ist, «gerade wenn man Eltern hat, die mit einem gewissen Tempo unterwegs sind wie wir». Aber ihre Mädchen haben da ja noch Zeit.

Als Teenager war ich komplexbeladen

Lili besucht das Gymnasium, hat noch keinen Plan für ihre Zukunft. «Moderieren würde mich schon reizen. Aber das traue ich mir nie zu!», gesteht die Schülerin. «Was? Das hast du mir noch nie gesagt», so ihr Mami überrascht. «Glaubst du wirklich, ich hätte mir das als 17-Jährige zugetraut? Ich hasste es, vor Leuten zu stehen und zu reden.» Sie versteht die Selbstzweifel ihrer Tochter.

«Als Teenager war ich selber ganz stark komplexbeladen.» Nicht hübsch genug, zu dick, nicht gut genug. Hinzu komme heute die Selbstdarstellung in den sozialen Medien, die vor allem für Mädchen so wichtig sei. Man werde zugemüllt mit diesen «gephotoshopten» Bildern von Frauen, die perfekt aussehen, eine schöne Haut und einen makellosen Körper haben. «Diese Dimension der Öffentlichkeit ist brutal!»

Umso wichtiger ist es Sandra Studer, das Selbstbewusstsein ihrer Mädchen zu stärken. «Kinder brauchen Bestätigung und kleine Erfolgserlebnisse auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit. Das ist nicht immer einfach. Ich hoffe, dass ich sie dabei richtig begleite.» Alles, was sie für sicher weiss, ist, dass ihr die Familie das Wichtigste überhaupt ist. «Liebe und Nestwärme kann ein Kind nie genug kriegen. Das erdet für immer.»

Diese Werte versucht sie ihren Kindern mitzugeben. Das schätzen Lili, Nina und Julia denn auch besonders an ihrer Mutter: «Sie ist eine ziemlich coole Mama!», schwärmt Lili … «Ausser wenn man meine Nerven strapaziert», unterbricht Sandra, «dann kann ich richtig explodieren.» – «Oh, ja! Und dann geht man Mama lieber aus dem Weg», sagt Nina keck – und alle lachen.

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