Seine Polo-Shirts bringen Farbe ins Leben Starkoch Daniel Bumann zeigt sich ganz privat

Langlaufen, Ski fahren, Netflix – Daniel Bumann geniesst sein Leben fernab der Spitzengastronomie. Die Arbeit kommt dennoch nicht zu kurz: Seine TV-Sendung «Bumann der Restauranttester» ging gestern Montagabend mit der elften Staffel wieder los.  

Normalerweise schenkt Bumann seiner Frau Ingrid Blumen zum Hochzeitstag. Dieses Jahr gibts Knobli! Das Paar feiert ein Drittel Jahrhundert Ehe – auch bekannt als Knoblauchhochzeit.

Diesen Mann kann man nicht ignorieren: Daniel Bumann, 59. Denn kaum ist die letzte Staffel von «Bumann der Restauranttester» auf 3+ über die Bildschirme geflimmert, folgt schon die nächste. Die elfte, um genau zu sein. Treu an seiner Seite sind auch dieses Mal die vielen Polohemden – rot, grün, blau, gelb, rosa. Bumann hat sie alle. «Je bunter, desto besser!», lautet das Credo des Wallisers. Ein Pragmatiker halt. «Richtige Hemden mag ich nicht. Ausserdem ist mir immer warm, auch im Winter.»

 Daniel Bumann Homestory 2018 St. Moritz
© Joseph Khakshouri

«Je bunter, desto besser» Daniel Bumann liebt Polohemden, weil ihm immer so warm ist.

Die Dreharbeiten haben Daniel Bumann und seine Frau Ingrid, 54, in den vergangenen Wochen und Monaten ganz schön in Anspruch genommen. Denn auch sie arbeitet fleissig am Format mit – hat sogar ihren ersten Auftritt vor der Kamera. Das grosse Pensum freut beide. Vor knapp einem Jahr hat der Koch sein Restaurant «Bumanns Chesa Pirani» in La Punt GR geschlossen. Doch einfach die Füsse hochlagern und die Seele baumeln lassen, das ist nun wirklich nicht sein Ding. «Ich muss raus!» Also schnallt er die Füsse lieber auf die Bretter.

Skifahren oder Langlauf? Das ist egal. «Dieses Jahr nehme ich zum zehnten Mal am Engadin Skimarathon teil.» Der sportliche Ausgleich ist ein Muss. Seit die Eltern von zwei erwachsenen Kindern in St. Moritz leben, haben sie die Langlaufl oipe auf der einen Seite der Wohnung, die Skipiste auf der anderen. «Hier oben ist die Natur so schön. Endlich haben wir mehr davon.» Zurück ins Wallis war nie eine Option. «Wir haben hier unser soziales Umfeld», erklärt Ingrid Bumann. «Und hier interessiert sich niemand für uns. In St. Moritz hats genug andere Prominente! Aber im Herzen sind wir Walliser», ergänzt er.

Daniel Bumann Homestory St. Moritz Langlauf
© Joseph Kakshouri

Der TV-Koch nahm im März zum zehnten Mal am Engadin Skimarathon teil.

Während er sich draussen verausgabt, ist sie zu Hause und strickt oder schaut Netflix. «Zum Glück ist meine Frau auch ab und zu drinnen, sonst würde sich die Miete ja gar nicht lohnen», scherzt Bumann. Er tankt im Freien Energie. Und der Restauranttester braucht viel Energie für die Gastronomen, die ihn regelmässig auf die Palme bringen. Er staune immer wieder, wie wenig Ahnung die Leute vom Geschäft haben. «Jeder, der mal ein Kotelett gewendet hat, glaubt, er sei ein grosser Koch», sagt Bumann.

Wenn mir die Leute sagen, ich sei böse. Das tut mir richtig weh!

«Ich versuche, für jedes Problem eine individuelle Lösung zu finden. Da muss man manchmal mit der Brechstange dahinter, manchmal braucht es eine Umarmung. Aber die Menschen und ihre Probleme liegen mir wirklich am Herzen.» Bumann ist nicht nur Koch und Unterhalter, er sieht sich auch als Psychologe. Trotzdem: Ausschlachten mag er die Schicksale nicht. «Wir wollen nicht, dass die Menschen vorgeführt werden. Gewisse muss man auch ein bisschen vor sich selber schützen.»

© Joseph Khakshouri

Die Walliser im Herzen: Daniel und Ingrid Bumann, wohnen in St. Moritz, wollen aber wissen, was in der Heimat läuft.

Doch egal, ob Wutausbrüche, Tränen oder Witze – Bumann garantiert: «Das ist alles echt. Ich bin halt sehr direkt, aber auch immer ehrlich.» Wegen seiner Art wird er immer wieder kritisiert. «Ich höre oft, ich sei arrogant. Was soll ich darauf antworten? Die Leute kennen mich nicht. Aber das gehört dazu. Man kann nicht von jedem geliebt werden.» Nur etwas trifft den Walliser: «Wenn mir die Leute sagen, ich sei böse. Das tut mir richtig weh!»

Gekocht wird nur noch für die Frau

Piep, piep, piep … Plötzlich pfeift in der Küche der Bumanns die Mikrowelle. Ein Spitzenkoch, der eine Mikrowelle benutzt? Was mag da passiert sein? «Ich brauche das Gerät lediglich, um die Teller zu wärmen», erklärt der Spitzenkoch. Seit er sein Restaurant aufgegeben hat, kocht Bumann nur noch für seine Frau. Doch Details wie warme Teller sind ihm wichtig – selbst bei einem einfachen Zmittag.

Daniel Bumann Homestory St. Moritz Küche kochen
© Joseph Kakshouri

Bumann kocht nicht nach Rezept, sondern nach Inhalt des Kühlschranks.

An diesem kalten Februar-Tag gibt es erst einen asiatisch angehauchten Salat mit Zitronengras. Die Sauce ist kein Spezialrezept: «Ich nehme einfach, was es gerade im Kühlschrank hat.» Im Hauptgang serviert der ehemalige Chef mit 18 GaultMillau-Punkten und zwei Michelin-Sternen Spaghetti Carbonara – ohne Rahm! «Ich koche sehr einfach, aber immer mit den besten Produkten. Die kaufe ich noch immer bei meinen alten Lieferanten – einfach in kleineren Mengen.»

Der Nachtisch darf nicht fehlen: eine feine Süssmostcreme. «Ein Essen ohne Dessert ist kein richtiges Essen», ist Bumann überzeugt. Deshalb gibts sicherheitshalber auch noch ein Stück Kuchen von Ingrid obendrauf.

 Daniel Bumann Homestory 2018 St. Moritz  Ehefrau Ingrid
© Joseph Kakshouri

En Guete! Daniel Bumann kocht zurzeit nur für seine Frau. Ab dem 3. 9. 2018 aber auch wieder auf 3+.

Vermisst er die Spitzen-Gastronomie gar nicht? «Natürlich war es nicht leicht, nach 44 Jahren Abschied vom Herd zu nehmen. Aber es ist wie bei einer Sportlerkarriere, irgendwann muss man aufhören.» Was den Bumanns allerdings fehlt, sind die Gäste. «Neulich lief ich durch La Punt und habe drei ehemalige Stammgäste angetroffen. Da wird man schon ein bisschen wehmütig.» Doch der Zeit hinterhertrauern mag Daniel Bumann nicht. Deshalb hat er sein Zuhause ausgemistet: Kochbücher, Förmli, Küchengeräte – alles musste weg. Nur die Polohemden, die sind geblieben.

Ab dem 3. September ist «Bumann der Restauranttester» wieder um 20.15 Uhr auf 3+ zu sehen. 

 
 
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