«Das persönliche Interview» mit Stéphane Lambiel «Der Körper muss einfach funktionieren»

Das Eis ist noch immer das zweite Zuhause von Stéphane Lambiel. Der Eiskunstläufer produziert seine eigene Show «Ice Legends», auf seinem Handy ist ein Foto seines Trainers und bei seiner Beerdigung sollen Vivaldis «Vier Jahreszeiten» gespielt werden. Die Musik, mit der er Olympia-Silber gewann. 
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© Keystone

Seit Jahren ist Lambiel der Publikumsliebling bei «Art on Ice». Jetzt produziert er zum zweiten Mal seine eigene Show «Ice Legends», die er am 22. April in Genf aufführt.

«Schweizer Illustrierte»: Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Stéphane Lambiel: Ja, sie hiess Melanie. Wir waren so verliebt. Jeden Mittwochnachmittag haben wir zusammen Disney-Filme geschaut. Heute ist sie eine gute Kollegin.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
Ich hatte ein Phase, da habe ich meine Schwester und meinen Bruder gebissen. Deswegen habe ich sogar mal einen Zahn verloren! Meine Mutter schimpfte, und mein Vater musste gar nichts sagen, sein Blick sagte alles.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Keines! Als Kind mochte ich Sellerie nicht, heute kann ich bei selbst gemachten Suppen nicht darauf verzichten.

Und was wären Sie für eine Frucht?
Eine saftige, süsse, rote Erdbeere.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Gar nicht. Ich würde nie weniger arbeiten. Meine Projekte sind mein Leben. Wenn ich nicht arbeite, dann schlafe ich. Die einzige Regel: keine Arbeit, auch kein Smartphone, keine E-Mails vor dem Frühstück. Nur wenn ich um 6.30 Uhr unterrichte, halte ich das manchmal nicht ein.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Seit etwa fünf Jahren das gleiche: Ein Eislaufbild meines Trainers Peter Grütter aus dem Jahr 1970 in Lenzerheide.

Was in Ihren Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Ich müsste wohl mehr mit dem Zug reisen. Wenn ich in die Deutschschweiz gehe, nehme ich den Zug. Aber nach Champéry, wo ich meine Eislaufschule habe, dauert es eine Stunde länger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, da nehme ich das Auto.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Ich freue mich jedes Mal, wenn das Benzin 1.35 Franken pro Liter kostet. Ich achte also auf den Preis. Aber die Schmerzgrenze ist hoch, ich brauche mein Auto.

Ich war ein grosser Britney-Spears-Fan

Welche Pille sollte erfunden werden?
Keine Pille, eher eine Pflanze - ich mag es lieber natürlich. Eine Blume. Wenn deren Blüte sich öffnet, steht die Zeit still, aber ich kann weiterhin Sachen erledigen. Und wenn sie sich wieder schliesst, dann läuft alles normal weiter.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Weiss ich nicht. Aber in der Primarschule im Deutschunterricht hatten wir andere Namen. Meiner war Paul.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Früher und auch heute einfach Stéph, nicht so spektakulär. Aber meine Fans nennen sich Zebras und mich Captain Zebra, in Anlehnung an eines meiner Kostüme. Und eine Kollegin sagt mir zum Spass einen schweizerdeutschen Namen: Löli. Ich glaube, es ist nichts Nettes (lacht).

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Ich war ein grosser Britney-Spears-Fan, da hingen also Poster von ihr. Und eins von Michael Jackson. Der König und die Prinzessin des Pops.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
An der Hüfte, den Adduktoren und den Knien. Immer auf der linken Seite, die schwächer ist als die rechte. Aber seit ich keine Wettkämpfe mehr bestreite, mache ich mehr Ballett und Pilates. Mein Körper ist stärker geworden. Das ist wichtig, weil ich bei meiner eigenen Show nicht nur eislaufe, sondern mich auch um die ganze Produktion kümmere. Da muss der Körper einfach funktionieren.

Ich habe tatsächlich einmal ein Showprogramm gezeigt, verkleidet als rote Katze

Wem haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes verschenkt?
Nichts Gebasteltes, aber etwas Gebackenes: einen veganen, glutenfreien, laktosefreien Bananen-Kuchen mit Reismehl und Rosinen für eine Kollegin.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Wenn das Leben zur Qual und das Leiden zu gross wird, kann ich verstehen, dass man sich Sterbehilfe wünscht.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Die «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi. Das Stück begleitet mich schon mein ganzes Leben. Als ich klein war, lief meine Schwester eine Eislaufkür dazu - es erinnert mich an meine Kindheit. Dann war es 2006 meine Musik, als ich WM-Gold und Olympia-Silber gewann.

Die bisher dümmste Idee Ihres Lebens?
Die rote Katze. Ich habe tatsächlich einmal ein Showprogramm gezeigt, verkleidet als rote Katze. Und leider ist das Video auch noch auf Youtube aufgetaucht (wirft die Hände vors Gesicht).

Welche Bücher haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
«Der kleine Prinz». Diese Geschichte hat meinen Geist und Horizont geöffnet.

Wer ist Ihr bester Freund?
Meine Katze Wonka. Sie widerspricht mir nie (lacht).

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