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Zuhause bei der Schauspielerin

Suly Röthlisberger, die gute Seele des «Bestatters»

Am 8. Januar geht «Der Bestatter» in die letzte Runde. Als schlagfertige Herrin des Hauses hat sich Suly Röthlisberger in die Herzen der Fans gespielt. An Pension denkt die Zürcherin auch nach dem Ende der Serie noch lange nicht.

Suly Röthlisberger

Zu Hause: Suly Röthlisberger im bunt eingerichteten Wohnzimmer ihrer Zürcher Wohnung.

Hervé le Cunff

Ursula. Suly Röthlisberger, 69, lacht. Sie kann sich nicht daran erinnern, dass sie je jemand bei ihrem richtigen Vornamen gerufen hätte. «Ich bin einfach keine Ursula.»

Für die Fans ist sie Erika. Erika Bürgisser, die gute Seele im Beerdigungsinstitut von Bestatter Luc Conrad, gespielt von Mike Müller, 55. Seit der ersten Folge amüsiert sich das Publikum der SRF-Serie (bis zu 40 Prozent Marktanteil) über die Wortgefechte der beiden. Nun startet die letzte Staffel. «Natürlich ist das schade, die Drehs haben grossen Spass gemacht», sagt Röthlisberger. «Aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Und das ist jetzt.»

Auf den Bühnen der Welt zu Hause

Die Fernsehkarriere ist für Suly Röthlisberger so etwas wie eine Zugabe. Aufgewachsen als Tochter einer Schauspielerin und eines Bühnenbildners am Zürcher Opernhaus kommt für sie nie etwas anderes als ein künstlerischer Beruf infrage. Nach ihrer Schauspielausbildung in Hamburg steht sie in ganz Deutschland auf der Bühne, spielt alle grossen Theaterrollen, von «Nora» über «Ophelia» bis zur «Jungfrau von Orleans». Im Stück «Kasimir und Karoline» lernt sie den deutschen Schauspieler Bernd Hoffmann kennen. Sie heiraten, bekommen Tochter Eva und führen mit ihr ein Nomadenleben, tingeln je nach Theater-Engagement von Stadt zu Stadt. «Rückblickend war das für Eva sicher keine so tolle Kindheit», sagt Suly. «Aber im Nachhinein weiss mans immer besser.»

Suly Röthlisberger

Unterwegs: In der Serie muss Suly Auto und Roller fahren, privat nimmt sie nur das Velo.

Hervé le Cunff

2005 ist Röthlisberger in «Ricordare Anna» an der Seite von Mathias Gnädinger erstmals auf der Schweizer Kinoleinwand zu sehen. Drei Jahre später zieht sie für eine Rolle in der SRF-Soap «Tag und Nacht» mit ihrem Mann zurück in die Schweiz. Die Serie wird nach einer Staffel abgesetzt, Suly Röthlisberger meldet sich damals gar bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV.

Es folgen einige kleinere Kino- und TV-Rollen, unter anderem in «Der Teufel von Mailand» und im «Tatort». 2010 schlägt das Schicksal zu: Bernd Hoffmann stirbt innerhalb relativ kurzer Zeit an Krebs. Suly pflegt ihren Mann, macht gleichzeitig eine Therapie. «Mir war klar, dass ich das alles ohne professionelle Hilfe nicht verkrafte.» 

In Zürich angekommen

Heute lebt Suly Röthlisberger gern allein. Ihre grosszügige Wohnung in Zürich hat sie gemütlich und farbenfroh eingerichtet. Hier liest und strickt sie, kocht für sich und Freunde. Oder sie lernt Texte. Denn arbeitslos ist sie auch nach dem «Bestatter»-Ende nicht. «Ich arbeite an verschiedenen Theaterprojekten in der ganzen Schweiz.»

Suly Röthlisberger Mike Müller Reto Stalder Barbara Terpoorten

«Der Bestatter»: Röthlisberger mit Reto Stalder, Mike Müller und Barbara Terpoorten (v.l.).

SRF/Sava Hlavacek

Momentan reizen sie vor allem die kleinen Theater, der direkte Draht zum Publikum. Das habe aber nichts damit zu tun, dass ihr der Bekanntheitsgrad zu viel werde, den sie mit dem «Bestatter» und ihrer Rolle im Kinoerfolg von Rolf Lyssy, «Die letzte Pointe», erreichte. «Im Gegenteil, es ist doch ein Kompliment, wenn man auf seine Arbeit angesprochen wird.» Ausserdem passiere das ja nicht täglich. Zumal sie auch viel Zeit in London verbringt, wo ihre Tochter mit den beiden Enkelinnen sowie eine von Sulys Schwestern leben. «Da bin ich dann einfach Mutter und Grossmutter, das ist auch toll.»

Noch lange nicht ausgeträumt

Beruflich hat Suly Röthlisberger mit ihrer Karriere alles erreicht, was geht: Theater, TV, Kino. «Eine Traumrolle, die ich noch spielen möchte, gibts nicht. Ich wünsche mir, dass ich mich immer wieder auf Neues einlassen kann, sei das auf der Bühne oder am Bildschirm.»

Auch einen neuen Partner an ihrer Seite kann sie sich vorstellen. «Aber nicht um jeden Preis.» Schliesslich braucht Frau keinen Mann zum Glück.

«Der Bestatter», Dienstags 20:05 Uhr auf SRF 1

Von Sandra Casalini am 8. Januar 2019