Tricks Shots und Kafi Luz Freeski-Olympiahoffnung Elias Ambühl steht neu hinter der Bar

Serviceschichten statt Erholungszeit: Freeski-Olympiahoffnung Elias Ambühl führt mit seiner Sarah eine Bar im heimischen Skigebiet Tschappina GR. 
Elias Ambügl Freeski Olympia Tschappina GR
© Remo Nägeli

Wirtepaar Sarah und Elias Ambühl an ihrer Sunna Bar im Skigebiet Tschappina-Urmein-Thusis GR.

Die Sunna Bar macht ihrem Namen alle Ehre. Dem schlechten Wetterbericht zum Trotz blinzelt die Sonne an diesem Sonntag immer wieder zwischen den Wolken hervor. «Wie so oft, unten neblig, hier oben ein Traum», sagt Elias Ambühl, 25. Der Freeski-Profi aus Masein GR muss es wissen.

Im heimischen Skigebiet am Heinzenberg ob Thusis lernt er als Kind Skifahren. Und an der Sunna Bar, die seine Mutter bis vor 15 Jahren geführt hat, verdrückt er reihenweise Schnitzelbrote. Heute serviert er die Spezialität des Hauses selber! Elias und seine Frau Sarah, 27, haben die Bar auf diesen Winter übernommen. Obwohl seine Eltern im Gastrogewerbe tätig sind – sie führen das Restaurant Zur Alten Post in Rongellen GR –, wollte Elias nie in ihre Fussstapfen treten. «Ich stand lieber vor der Bar.»

Elias Ambügl Freeski Olympia Tschappina GR
© Remo Nägeli

Klein, aber fein Die Outdoor-Bar ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen.

Ambühl ist ein Mann mit vielen Facetten. Er liebt teure, schnelle Autos und verkörpert dennoch Bodenständigkeit. Er ist dank seinem Sport ein Weltenbummler – und doch stark in der Heimat verwurzelt. Im Sport sucht er das Risiko – der Weltcupsieger hält mit 131 km/h den Weltrekord im Rückwärts-Skifahren – und im Privatleben die Sicherheit. Was sich durch alle Lebensbereiche zieht: Ehrgeiz und Lockerheit. 

Bevor die Gäste kommen, stehen Vorbereitungsarbeiten an: Schneeschaufeln, die Terrasse bestuhlen. Dann ein Schreck. «Der Stammtisch ist weg!», ruft Elias ungläubig. Das Team improvisiert, nun gibts halt einen Stamm-Stehtisch. Dann bereitet er Kafi Luz vor. Präzise wie im Sport: in jedes Glas fünf Kaffee-Körner. «Der Drink muss durchsichtig sein, sodass man hindurch Zeitunglesen könnte.»

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© Remo Nägeli
Vorarbeit Den Kafi Luz für die Gäste probiert Ambühl auch mal selber. Wird er zu einem Shot eingeladen, trickst er mit Wasser.

Sarah checkt die Kasse und nimmt die Geräte in Betrieb. Abwaschmaschine Roswita, Kaffeemaschine Bernadette, Wasserkocher Karl. Die Namensgebung stammt von der Vorgängerin – «damit wir die Geräte liebevoll behandeln», sagt Elias und lacht. Das Wasser und die Kaffeemaschine laufen. Bei zweistelligen Minustemperaturen keine Selbstverständlichkeit. 

Seit Monaten investiert das Ehepaar Ambühl jede freie Minute in den neuen Job. Sarah hat die Überzüge der Barhocker genäht, die Menükarten designt, die Dekoration gebastelt. Elias hat die Thekenablage geschreinert und den neuen Boden gelegt. Ein grosser Fernseher, um Sportevents zu zeigen, ist in Planung.

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chriftkunst Für die Menükarten auf Papier und Wandtafel ist jeweils Sarah zuständig. 

Dabei wären die beiden auch ohne die Bar ausgelastet. Sarah arbeitet im Vollzeitpensum als Immobilien-Treuhänderin, Elias fliegt während sechs Monaten für Wettkämpfe und Filmdrehs um die Welt. Der Sport hat nach wie vor Priorität. Nach zwei Knieverletzungen innert zwei Jahren ist er wieder topfit. Das nächste Ziel: die Qualifikation für Olympia.

Das Angebot, die Bar zu übernehmen, sei etwas zu früh gekommen. «Doch so eine Chance muss man packen», sagt Elias, der im Sommer die Ausbildung zum Berufshelipiloten abschliessen will. Doch die Bar als zweites Standbein hat auch Vorteile. «Wir haben keinen finanziellen Druck», sagt Sarah. Da liegt es drin, dass Elias kleinen Kindern Lollipops auch mal gratis abgibt. «Ich habe halt eine spendable Ader.» Sarah lacht und verdreht die Augen. 

Elias Ambügl Freeski Olympia Tschappina GR
© Remo Nägeli

Teamwork: Neben dem Privatleben auch den Job zu teilen, funktioniert bei Ambühls ausgezeichnet. 

Um die Mittagszeit wirds hektisch. Eifrig werden das «Menü 1» – Kaffee und Bier –, Schnitzelbrote, Suppen und Schnäpse bestellt. Trotzdem nehmen sich Elias und Sarah Zeit, mit jedem Gast kurz zu plaudern. «Es ist schön, so der Region etwas zurückzugeben. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an», sind sich beide einig.

Es ist schön, so der Region etwas zurückzugeben. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an

Hilfe bekommt das Paar von Elias’ bestem Freund Stefan Keller, den es in Vollzeit als Barchef angestellt hat. Je nach Bedarf, abhängig vom Wetter, wird zusätzliches Personal aufgeboten. Auch die Familien der beiden ziehen mit. Die Mütter backen Kuchen, und es kann auch vorkommen, dass Eltern, Schwestern und Brüder mal die Thekenseite wechseln.

Die Chancen stehen gut, dass das Aushilfspersonal im Februar wieder zum Zug kommt. Dann, wenn Elias Ambühl an Olympia in Pyeongchang um die Medaillen springen und Sarah ihn vor Ort unterstützen sollte. Ganz weg von der Bildfläche wären die beiden aber nicht. Bis dann sollte der TV auf der Terrasse der Sunna Bar eingerichtet sein.

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© Remo Nägeli
Eingeschneit Schwerarbeiter Elias: Gäste werden nur draussen bewirtet – bei jedem Wetter. 
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