Ueli Steck «Ich höre auf, das ist ziemlich klar»

Im April wurde der Extrem-Bergsteiger auf dem Mount Everest von Sherpas angegriffen. Doch erholt hat er sich davon nicht. Im Gegenteil: Ueli Steck sagt, der Vorfall habe ihn kaputtgemacht.
Ueli Steck: Nach Sherpa-Streit Freude am Leben verloren
© Kurt Reichenbach

«Psychisch geht es mir noch schlechter als im Sommer. Ich spüre ein riesiges Loch, eine tiefe Leere in mir», sagt Ueli Steck.

«Das Erlebte verfolgt mich bis heute. Tag und Nacht. Ich schlafe schlecht, habe Albträume», sagt Ueli Steck, 37. Der Grund: der Streit mit den Sherpas während des Aufstiegs auf den Mount Everest im April 2013. Weil seine Truppe die Bergarbeiten der tibetischen Bergführer gestört hat, wurden sie bedroht und mit Steinen beworfen. Der prägendste Moment sei gewesen, als er im Zelt gesessen und nicht gewusst habe, ob er den Tag überleben würde, sagt der Extremalpinist im Interview mit der «Schweizer Illustrierten».

Es falle ihm schwer, die Gewaltbereitschaft zu akzeptieren, die in Nepal herrsche. «Nichts kann ein Grund sein, Leute umzubringen, oder das zu versuchen.» Noch immer habe er den Schock, die Todesangst, nicht verarbeiten können. «Es ist schon vorgekommen, dass ich aufgewacht bin und meinte, dunkle Gestalten stehen in meinem Schlafzimmer.»

Er habe versucht, sein Trauma zu verdrängen. Fokussierte sich kurz nach dem Erlebten voll und ganz auf die Annapurna-Südwand. Trainierte intensiv, den ganzen Sommer, und schafft im Oktober das Unmögliche: Auf einer direkten Route klettert er durch die 2500 Meter hohe Wand. Alleine, in 28 Stunden. «Ich habe mein Ziel erreicht, aber geholfen hat es mir nicht», gesteht der 37-Jährige. «All meine Kraft ist verpufft.»

Jetzt muss er versuchen, sich diesen Gefühlen zu stellen. Denn: «Der Vorfall mit den Sherpas im Frühling hat mich kaputtgemacht.» Er habe die Freude am Leben verloren. Und die Freude am Bergsteigen - an dem, was ihm im Leben immer am meisten Freude gemacht habe. Die Konsequenz: «Ich höre auf, das ist mir ziemlich klar.» Künftig will er nur noch privat Berge besteigen. Nicht mehr als Athlet und auf dem Niveau wie bisher. «Weiter will ich das Risiko nicht mehr herausfordern, sonst kommt der Tag, ab dem ich beim Znacht fehle.»

Lesen Sie das grosse Interview mit Ueli Steck in der aktuellen «Schweizer Illustrierten» Nr. 51 - seit 16. Dezember am Kiosk oder auf Ihrem iPad.

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