Die Thuner Sängerin im Interview Veronica Fusaro: «Ich bin kein Fan von Kriterien»

Es war der bisher grösste Auftritt in ihrer jungen Karriere. Doch sie bestand ihn mit Bravour: Standing Ovations für Veronica Fusaro! Die Sängerin rockte die Baloise Session fast im Alleingang. Highlight: Ihr hitverdächtiger neuer Song «Venom», den sie als Premiere an der Premiere des Basler Musikfestivals vorstellte, wo sie SI online zum Interview traf. 
Veronica Fusaro
© Hervé Le Cunff

Im Schweizer Pop-Olymp angekommen: Veronica Fusaro. 

Zur Premiere der Baloise Session veröffentlichen Sie Ihre neue Single «Venom». Wie fühlen Sie sich bei der Geburt Ihres neuen «Babys»?
Es ist ein spezieller Moment. Ich habe den Song vor eineinhalb Jahren geschrieben. Ich kenne den Song also schon sehr lange, und wir haben alle auf den Tag des Releases hingearbeitet. Dass er jetzt wirklich da ist, ist irgendwie surreal.

Macht es auch ein bisschen «Angst», so ein Kind nun in die Welt hinaus zu lassen?
Ja, schon. Ich erwarte zwar nichts. Aber insgeheim hat man natürlich Hoffnungen. Das Wichtigste ist aber: Ich habe viel Freude am Song – egal, was passiert.

Was war das Schmerzlichste an dieser «Geburt»?
Das Artwork. Es hat lange gedauert, bis wir ein gutes Foto für das Cover der Single gefunden hatten. Am Schluss hat es dann im botanischen Garten von Singapur geklappt.

Wie lange waren Sie schwanger mit dem Baby?
Anderthalb Jahre.

Veronica Fusaro
© Hervé Le Cunff

Vollgas: Auf der Bühne gibt die Thunerin alles.

Wie hat sich der Song in dieser Zeit weiterentwickelt?
Ich glaube, dass sich vor allem mein Gesang und meine Stimme weiterentwickelt hat. Ich habe in dieser Zeit viele Konzerte gespielt und Einiges an Erfahrung dazugelernt. Auch der Song hat sich punkto Arrangement entwickelt.

Können Sie sich vorstellen, einmal auch wirklich schwanger zu werden?
Grundsätzlich ist mir das Thema Familie megawichtig. Aber mit 21 Jahren kann ich noch nicht sagen, wie alles in meinem Leben laufen wird.

Wären Sie eine gute Mutter?
Uh, keine Ahnung. Ich habe aber ein mega gutes Vorbild: meine Mutter! Sie ist wirklich super! Es sind die kleinen Dinge, die ich an ihr liebe: ihre Aufmerksamkeit, und dass sie mir einen Kaffee macht, wenn sie sieht, das ich in Stress bin.

Ich habe ein mega gutes Vorbild: meine Mutter! Sie ist wirklich super

Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern verändert, seit Sie voll in Ihre Musikkarriere gestartet sind?
Ich bin weniger zu Hause, sehe sie daher weniger oft. Andererseits sind sie mega stolz, wenn sie mich auf der Bühne sehen. Und sie sind natürlich immer ein bisschen besorgt, dass alles gut kommt.

Nach welchen Kriterien würden Sie sich den Vater Ihrer Kinder aussuchen?
Keine Ahnung. Das werden wir noch sehen! Ich bin kein Fan von Kriterien...

Gilt das auch für Ihren musikalischen Karriereplan?
Eigentlich schon. Man kann die Dinge nur bis zu einem gewissen Grad beeinflussen. Den Rest muss dann die Musik machen, und da will ich am liebsten die Dinge wirken lassen.

«Venom» heisst Gift. Was sind die Giftmomente in Ihrem Leben?
Jene, wenn man von einem Menschen enttäuscht oder verletzt wird.

Was ist dabei Ihr stärkstes Gegengift?
Musik – und gutes Essen!

Veronica Fusaro
© Hervé Le Cunff

Im Scheinwerferlicht: Veronica Fusaro sorgt für Begeisterung.

Nicht zuletzt auch wegen des Titels Ihres ersten Albums «Ice Cold» werden Sie oft als kühle Frau beschrieben. Stimmt diese Charakteriserung?
Ich glaube nicht. Ich bin zwar nicht die Extrovertierteste, aber ich gehe mit offenen Augen, Ohren und Sinnen durchs Leben.

Zeigen Sie Ihre tiefsten Gefühle gerne vor Publikum auf der Bühne?
Ja. Denn ich empfinde es als eine grosse Bereicherung, wenn ich meine Gefühle und Gedanken mit anderen Menschen teilen kann. Auf der Bühne ist das noch einmal ganz besonders. Jede Performance gibt mir viel Kraft. Sie tut mir mega gut.

Was bedeutet es Ihnen, dieses Jahr an der Baloise Session zu spielen?
Das ist mega cool! Als ich bei den Proben zum ersten Mal auf der Bühne stand, lief es mir schon ein bisschen kalt den Rücken runter, und ich dachte: «Wow! Das ist wirklich gross!» Ich bin noch nie vor so einem grossen Publikum aufgetreten.

Was ist das Schönste, das Ihnen je an einem Konzert passiert ist?
Es gibt so viele schöne Momente. Aber ich vergesse nie, wie ich bei einem meiner Konzerte in eine der vorderen Reihe eine Frau sah, die die ganze Zeit beide Hände aufs Herz legte und sich von meinen Liedern tragen liess. Das hat mich sehr berührt.

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