Ljiljana und Vladimir Petkovic zeigen sich privat wie noch nie «Wir gehen gerne in den Ausgang»

Er ist im Sternzeichen Löwe, sie Widder: Fussball-Nationalcoach Vladimir Petkovic und seine Frau Ljiljana sind seit 32 Jahren ein starkes Team. Vor der EM geben sie private Einblicke in ihr Leben und ihren Alltag.

Die «First Lady» des Schweizer Fussballs hätte weiss Gott genug zu tun. Ljiljana Petkovic, 52, hat gerade den Umzug des Familienhaushalts von Locarno nach Minusio TI hinter sich gebracht. Zu Hause stapeln sich unausgepackte Kisten. Sie arbeitet halbtags bei Pfister in Contone bei Locarno - «ein Job, der sehr viel Spass macht».

Trotzdem sitzt die studierte Englisch-Lehrerin nun ganz entspannt mit ihrem Mann und der «Schweizer Illustrierten» in der Dach-Suite des Hotels Villa Sassa in Lugano, wo sich die Fussball-Nationalmannschaft auf die EM vorbereitet. «Warum nicht?», sagt Ljiljana. «Ich mache bei allem mit, wo er dabei ist. Er unterstützt mich ja auch in dem, was ich tue.»

Keine Liebe auf den ersten Blick

Während der Fussball-EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) wird Ljiljana ihren Vlado aus der Ferne unterstützen und nur an die Spiele reisen. Es ist seine erste EM als Chefcoach. Seine Entscheidungen werden landesweit diskutiert, hinterfragt, kritisiert. «Ich kann es nie allen recht machen», stellt der Coach pragmatisch fest. Doch Ljiljana vertraut ihrem Mann: «Vlado ist von Natur aus cool. Das ist nicht gespielt. Er schläft auch immer gut. Beneidenswert, nicht? Er hat wirklich einen starken Charakter.» Er ist Löwe, sie Widder. Zwei Persönlichkeiten, zwei Alphatiere - passt! «Ljiljana ist eine ideale Partnerin», schwärmt er. «Sie hat sich noch nie beklagt, obwohl sie sicher manchmal gerne etwas unabhängiger wäre.»

Und das seit 32 Jahren. Seit jenem Abend im Sommer 1984, als sich der Fussball spielende Jus-Student und die attraktive Englisch-Studentin in einer Disco in Sarajevo (heutiges Bosnien-Herzegowina) näherkamen. Liebe auf den ersten Blick sei es nicht gewesen, erinnert sich Ljiljana. «Wir kannten uns schon vorher durch gemeinsame Freunde.» Aber an jenem Abend funkte es.
Als Vlado kurz darauf die Chance erhält, in der Schweiz seine Karriere anzukurbeln, folgt ihm seine Verlobte schon nach einem Monat. Zusammen ziehen sie nach Chur. Am 21. November 1987 wird geheiratet. Eine Tour de Suisse beginnt. Chur - Sion - Martigny - Chur - Bellinzona - Locarno - Buochs NW. Tochter Ines kommt 1988 in Martigny VS zur Welt, Lea wird 1993 in Bellinzona geboren. Vladimir wird Amateur-Trainer im Tessin, verdient Geld als Sozialarbeiter der Caritas und als Erwachsenenbildner.

«Unsere ganze Familie liebt das Reisen»

Auch als er 2008 seinen ersten Profi-Trainerjob bei YB in Bern antritt und eine Tochter in Zürich studiert, hält Ljiljana die Familie zusammen. «Das Leben an drei Orten funktionierte gut. Ich fahre sehr gern Auto, auch mal problemlos zwölf Stunden am Stück.» 2011 wird Vladimir Trainer von Samsunspor - Ljiljana fliegt in einem Jahr 30 Mal in die Türkei. Auch in Rom, wo er mit Lazio 2013 den Cup holt, ist sie regelmässig zu Gast. «Unsere ganze Familie liebt das Reisen, wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen», sagt Ljiljana.

Die Schweiz kennen die Petkovics wohl besser als manche Schweizer Familie. Und natürlich Italien, wie Vladimir erzählt: «Wir fahren gern mal nach Genua. Morgens um sechs Uhr gehts los, um halb neun trinken wir schon Kaffee am Strand. Am Abend sind wir zurück.» Das Tessin ist längst Heimat geworden. «Hier kann ich gut abschalten, wie in den Ferien. Wenn ich nach einem Arbeitstag am See spazieren gehe, bin ich sofort erholt», so Vladimir.

Ein prestigeträchtiges Amt

Aber auch Spass muss sein: «Wir gehen gerne in den Ausgang, und Lea kommt oft mit.» In die Disco treibt es sie nun zwar nicht mehr, «aber nach einem guten Essen gehen wir sehr gerne in eine Lounge oder eine Bar, wo man bei guter Musik sitzen und diskutieren kann». Um Fussball gehts dabei selten, sagt der Nati-Coach.

In der Öffentlichkeit kann sich das Ehepaar Petkovic ungestört bewegen, auch nach der Anfrage des Fussballverbands 2014. Ljiljana erinnert sich: «Ich war froh, dass Vlado annahm. Das ist ein prestigeträchtiges Amt, man repräsentiert eine ganze Nation - und nach so vielen Jahren fühlen wir uns ja auch als Schweizer.» Den Pass haben alle vier.

«Sie ist eine lebensfrohe, aber bodenständige Frau»

Sich als «First Lady» daheim ein schönes Leben zu machen, kam für Ljiljana Petkovic jedoch nie infrage. «Ich arbeite nicht wegen des Geldes, sondern weil es mir Spass macht. Die Kinder sind flügge, was soll ich den ganzen Tag zu Hause – putzen? No, grazie!» Über zehn Jahre führte Ljiljana bis 2013 ihr eigenes Geschäft, in dem sie Tinte und Toner für Drucker verkaufte. Daneben gab das Sprachtalent Stellvertretungen als Englisch-Lehrerin.

Vor drei Jahren wurde ihr doch alles zu viel, sie verkaufte ihr Geschäft und trat die Stelle bei Pfister an. «Wir haben ein tolles Team, jeder macht alles. Mein Job ist abwechslungsreich», schwärmt die Trainergattin. Vladimir Petkovic schätzt es, dass seine Frau auf eigenen Beinen steht. «Sie ist eine lebensfrohe, aber bodenständige Frau. Unser Leben gehört zusammen, wir verbringen viel und gerne Zeit miteinander.» Auch räumliche Trennungen meistert das Paar spielend. Wie jetzt, wenn Vlado viele Wochen auf EM-Mission ist. «Ich traue dem Team in Frankreich viel zu», sagt Ljiljana Petkovic. Und das meint sie ernst!

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