Zwei Verkäufer aus Leidenschaft Nati-Coach Vladimir Petkovic und seine Ljiljana ganz privat

Sie verkauft Möbel, er Zuversicht: Fussball-Nationalcoach Vladimir Petkovic und seine Frau Ljiljana sind seit 34 Jahren ein starkes Team. Und bringen die Schweiz an der WM in die Achtelfinals. Wir werfen einen Blick hinter die Kulisse.

Seit 2014 trainiert der gebürtige Bosnier Vladimir Petkovic, 54, die Schweizer Nationalelf. Jetzt steckt er mitten im «WM-Tunnel». In Russland gilt sein Fokus einzig dem Sport. Doch auch sonst gewährt er höchst selten private Einblicke. Beim exklusiven Fotoshooting mit der «Schweizer Illustrierten» vor der EM im Juni 2016 sagt seine Frau, Ljiljana Petkovic, 54, über ihren Mann: «Vlado ist von Natur aus cool. Das ist nicht gespielt. Er schläft auch immer gut. Beneidenswert, nicht? Er hat wirklich einen starken Charakter.» 

Petkovic und seine Ljiljana

Er ist im Sternzeichen Löwe, sie Widder. Zwei Persönlichkeiten, zwei Alphatiere - passt! «Ljiljana ist eine ideale Partnerin», schwärmt Petkovic von seiner Frau. «Sie hat sich noch nie beklagt, obwohl sie sicher manchmal gerne etwas unabhängiger wäre.»

Und das seit 34 Jahren. Seit jenem Abend im Sommer 1984, als sich der Fussball spielende Jus-Student und die attraktive Englisch-Studentin in einer Disco in Sarajevo näherkamen. Liebe auf den ersten Blick sei es nicht gewesen, erinnert sich Ljiljana. «Wir kannten uns schon vorher durch gemeinsame Freunde.» Aber an jenem Abend funkte es.

Als Vlado kurz darauf die Chance erhält, in der Schweiz seine Karriere anzukurbeln, folgt ihm seine Verlobte schon nach einem Monat. Zusammen ziehen sie nach Chur. Am 21. November 1987 wird geheiratet. Eine Tour de Suisse beginnt. Chur - Sion - Martigny - Chur - Bellinzona - Locarno - Buochs NW. Tochter Ines kommt 1988 in Martigny VS zur Welt, Lea wird 1993 in Bellinzona geboren. Vladimir wird Amateur-Trainer im Tessin, verdient Geld als Sozialarbeiter der Caritas und als Erwachsenenbildner.

Euro 2016 EM Schweiz Vladimir Petkovic Frau Ljljana
© Geri Born

Sind seit 34 Jahren ein Paar: Vladimir Petkovic und seine Ljiljana.

«Unsere Familie liebt das Reisen»

Auch als er 2008 seinen ersten Profi-Trainerjob bei YB in Bern antritt und eine seiner Tächter in Zürich studiert, hält Ljiljana die Familie zusammen. «Das Leben an drei Orten funktionierte gut. Ich fahre sehr gern Auto, auch mal problemlos zwölf Stunden am Stück.» 2011 wird Vladimir Trainer von Samsunspor - Ljiljana fliegt in einem Jahr 30 Mal in die Türkei. Auch in Rom, wo er mit Lazio 2013 den Cup holt, ist sie regelmässig zu Gast. «Unsere ganze Familie liebt das Reisen, wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen», sagt Ljiljana.

Seit 2016 wohnt das Ehepaar in Minusio TI. Zum Meer ist es nicht weit. «Wir fahren gern mal nach Genua. Morgens um sechs Uhr gehts los, um halb neun trinken wir schon Kaffee am Strand. Am Abend sind wir zurück», erzählt Vladimir. Das Tessin ist längst Heimat geworden.«Hier kann ich gut abschalten, wie in den Ferien. Wenn ich nach einem Arbeitstag am See spazieren gehe, bin ich sofort erholt.»

Ein prestigeträchtiges Amt

Aber auch Spass muss sein: «Wir gehen gerne in den Ausgang, und Lea kommt oft mit.» In die Disco treibt es sie nun zwar nicht mehr, «aber nach einem guten Essen gehen wir sehr gerne in eine Lounge oder eine Bar, wo man bei guter Musik sitzen und diskutieren kann». Um Fussball gehts dabei selten, sagt der Nati-Coach.

Euro 2016 EM Schweiz Vladimir Petkovic Frau Ljljana
© Geri Born

Tochter Lea ist oft an Fussballspielen anzutreffen. Sie studiert BWL in Lugano.

In der Öffentlichkeit kann sich das Ehepaar Petkovic ungestört bewegen, auch nach der Anfrage des Fussballverbands 2014. Ljiljana erinnert sich: «Ich war froh, dass Vlado annahm. Das ist ein prestigeträchtiges Amt, man repräsentiert eine ganze Nation - und nach so vielen Jahren fühlen wir uns ja auch als Schweizer.» Den Pass haben alle vier. 

Claudio Sulser, Verbandsdelegierter des Nationalteams, sagt über Petkovic: «Wenn ich einen Schweizer beschreiben müsste – er wäre wie Vlado»: ordentlich, zuverlässig, pünktlich.» 

Zwei Verkäufer aus Leidenschaft

Sich als «First Lady» des Fussballs daheim ein schönes Leben zu machen, kam für Ljiljana Petkovic jedoch nie infrage. «Ich arbeite nicht wegen des Geldes, sondern weil es mir Spass macht. Die Kinder sind flügge, was soll ich den ganzen Tag zu Hause – putzen? No, grazie!» Über zehn Jahre führte Ljiljana bis 2013 ihr eigenes Geschäft, in dem sie Tinte und Toner für Drucker verkaufte. Daneben gab das Sprachtalent Stellvertretungen als Englisch-Lehrerin.

«Sie ist eine lebensfrohe, aber bodenständige Frau. Unser Leben gehört zusammen, wir verbringen viel und gerne Zeit miteinander.» Vladimir Petkovic schätzt es, dass seine Frau auf eigenen Beinen steht. Vor drei Jahren wurde ihr doch alles zu viel, sie verkaufte ihr Geschäft und trat eine 40-Prozent-Stelle bei Möbel Pfister an. «Wir haben ein tolles Team, jeder macht alles. Mein Job ist abwechslungsreich», schwärmt die Trainergattin.  

Euro 2016 EM Schweiz Vladimir Petkovic Frau Ljljana
© Geri Born

Zwei Verkäufer aus Leidenschaft: Petkovic und seine Frau sind ein eingespieltes Team.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die das Ehepaar Petkovic verbindet: Sie sind beide Verkäufer aus Leidenschaft. Gegenüber der «NZZ» sagte Petkovic vor der WM in Russland: «Ich will etwas bewegen, als Trainer bin ich auch ein bisschen ein Verkäufer. Wenn wir positiv sind, verkaufen wir unsere Mannschaft besser.» Und weiter: «Glück ist auch: Akzeptanz von dem, was ich verkaufe. Ich muss den Spielern etwas verkaufen, den Medien, der Öffentlichkeit. Und ich war ein ziemlich guter Verkäufer.»

 
Auch interessant