Unterwegs mit Kevin und Wendy Holdener Spielerisches Duell mit Herz

Die Geschwister Wendy und Kevin Holdener pflegen ein enges Verhältnis: Die gemeinsame Leidenschaft fürs Skifahren, durchgestandene schwere Zeiten und die Liebe zur Action machen sie zum starken Team.
Wendy Holdener (Ski) mit Bruder Kevin und Familie
© Geri Born

Verbunden: Kevin und Wendy versuchen trotz vollem Kalender, regelmässig Zeit miteinander zu verbringen.

Ein Gutsch Wasser landet in Wendy Holdeners Gesicht. Sie prustet los und revanchiert sich. Die 23-Jährige und Kevin, 26, stehen auf Stand-up-Paddle-Brettern, gleiten über den Sihlsee und spielen mit Inbrunst das ewige Duell: kleine Schwester gegen grosser Bruder. Wendy hat es immer genossen, zwei ältere Brüder zu haben, wollte überall dabei sein «und beweisen, dass sie es gleich gut kann», wie Kevin liebevoll sagt. Köpfler vom Fünf-Meter-Springturm? Na klar. Im Skigebiet Hoch-Ybrig über die neue grosse Schanze? Unbedingt. Die Mutprobe hat für Klein Wendy allerdings mit einem Fersenriss geendet. «Das war schmerzhaft», erinnert sie sich, doch der Gesichtsausdruck sagt: Ich würde es sofort wieder tun.

Es ist Hochsommer, das Geschwisterpaar verbringt ein paar Stunden auf dem Sihlsee in der Nähe seines Elternhauses in Unteriberg SZ. Wie es die Wasserratten immer tun, wenn es die Zeit zulässt. Mit zwei Weltcup-Siegen und weiteren drei Podestplätzen hat Wendy im vergangenen Winter endgültig den Durchbruch im Skizirkus geschafft. Sechs Jahre nach ihrem Debüt im Weltcup mit zarten 17 Jahren kann sie sich zur absoluten Spitze zählen, war im vergangenen Winter die beste Kombiniererin der Welt und die Nummer 3 im Slalom. «Ich kann schon stolz sein auf mich, das ist ein cooles Gefühl.» Aus dem Mund von Wendy, die erst lernen musste, auch mal zufrieden mit sich zu sein, sind das ungewohnte Worte.

Mit den Resultaten ist sie auch als Persönlichkeit gewachsen. «Nach meiner ersten guten Saison verspürte ich im Sommer danach grossen Druck», erinnert sie sich. «Nun nicht mehr, ich bin einfach nur motiviert.»

Dass der Erfolg auch gebührend gefeiert wird, dafür sorgte der älteste Bruder Steve, der als Investmentbanker in Hongkong lebt. «Als ich im Frühling zu ihm flog, suchte er mir ein besseres Hotel aus als jenes, das ich selbst gebucht hatte», sagt Wendy schmunzelnd. Nach dem Sightseeing entspannte sie mit ihrem Freund auf den Philippinen. Süsses Nichtstun? «Ja, das ging erstaunlich gut.» Nach viel Konditionstraining gehts nun bereits wieder weiter mit Skifahren im Wallis und in Argentinien. Falls es klappt, trifft sie danach Kevin in den USA. Er befindet sich auf einer zweimonatigen Reise zwischen Kuba und Hawaii. Denn wie Wendy ihren KV-Abschluss hat auch er zu feiern: den Bachelor in Betriebsökonomie.

Wie in einem kleinen Familienunternehmen organisiert und koordiniert Kevin die Medien- und Sponsorensachen der Schwester. «So bin ich immer noch im Skisport dabei und geniesse heute einfach die schönen Seiten», sagt er, der die eigene Skikarriere 2011 bekanntlich wegen seiner Krebserkrankung aufgeben musste. Es war die Zeit, in der Wendy gerade im Weltcup Fuss zu fassen versuchte, eine schwere Zeit. Doch der gemeinsame Kampf hat die beiden noch enger zusammengeschweisst.

Wehmut kommt keine auf, wenn Kevin Wendy an die Rennen begleitet. «Für mich passt es so. Ich hätte es auch nie bis ganz vorn geschafft. Ich bewundere, wie ehrgeizig Wendy ist und wie professionell im Training.»

Allerdings ist hier das letzte Duell noch nicht gefochten. Im Riesenslalom schlägt er Wendy ab und zu. Er schaue immer, dass sie im Hoch-Ybrig trainieren könne, und fahre dann mit. «Sie ist die bessere Rennfahrerin, aber zum Beispiel im Freeriden bin ich einen Schritt voraus.» Da flackert es wieder auf, das ewige kleine Schwester-Bruder-Duell.

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