Der erstaunliche Weg des Goalies Yanick Brecher freut sich mit dem FCZ über den Cupsieg

Von der Ersatzbank ins Scheinwerferlicht. Vom Talent zum Cupsieger. Goalie Yanick Brecher schreibt mit dem FCZ eine erstaunliche Geschichte.
Yanick Brecher FCZ Goalie SI Shooting für Ausgabe 22/2018
© Hervé Le Cunff

Stolz: «Den Pokal in die Höhe zu stemmen, ist ein unglaubliches Gefühl.»

Das Panorama besitzt Postkartenqualität: das Blau des Zürichsees, das Grün der Insel Ufenau und die majestätischen Konturen von Schloss Rapperswil im Hintergrund. Was für Yanick Brecher aber weit mehr zählt, ist der Silberkübel auf dem Tisch – die Sandoz-Trophäe, die er nach dem Cup-Final im Stade de Suisse in seine Hände kriegte. «Die Emotionen bei der Pokalübergabe lassen sich nicht beschreiben.»

Bis vor Kurzem hatte Brecher noch mit einer Verletzung zu kämpfen

Der FCZ-Goalie, der zwei Tage vor seinem bisher grössten Karriereerfolg den 25. Geburtstag feierte, strahlt übers ganze Gesicht. Seine Herzlichkeit ist ansteckend, seine Offenheit entwaffnend. Dabei stand er noch vor Kurzem auf der Schattenseite des Fussballerlebens. Im Mai 2016 erlitt er einen Kreuzbandriss, wenige Tage später musste er mitansehen, wie seine Teamkollegen in die Challenge League abstürzten: «Es kam alles zusammen», sagt er rückblickend, «aber vielleicht war das gut. So konnte ich alles gleichzeitig verarbeiten.»

Kraft in der Krise gab ihm sein Umfeld. Brecher ist mit Corinne, 28, verheiratet – und er kommt aus einer Familie, in der sich das Zusammengehörigkeitsgefühl auch über den Sport definiert. Vater Philippe war ein ambitionierter Handballer, Mutter Jolanda spielte Softball. Schwester Nina, 26, hat sich dem Unihockey verschrieben, Bruder Dennis, 22, ist ebenfalls Fussball-Torhüter (beim FC Stäfa), und die Jüngste, die 19-jährige Julie, verteidigt bei den Fussballerinnen von Zürichsee United. «Wir sind eine extrem sportliche Familie.»

Yanick Brecher FCZ Goalie SI Shooting für Ausgabe 22/2018
© Hervé Le Cunff

Yanick im Glück: Hoch über seinem Wohnort Pfäffikon bringt Brecher die Sandoz-Trophäe zum Fliegen.

«Ich hatte meist ein paar Guetsli in der Schublade»

Obwohl Yanicks Talent beim FC Männedorf früh erkannt wurde und er bereits auf U14-Stufe in die Nachwuchsabteilung des FC Zürich wechselte, setzte er nicht von Anfang an ganz auf die Karte Fussball: «Das hätten meine Eltern kaum akzeptiert.» Stattdessen absolvierte er eine vierjährige Berufslehre als Polymechaniker bei Midor in Meilen, der Migros-Produktion für Gebäck, Eiscreme und andere Süssigkeiten. «Ich hatte meist ein paar Guetsli in der Schublade.»

Doch Zeit zum Essen blieb ihm kaum. Denn als er 2011 beim FCZ den ersten Profivertrag unterschreibt, sieht er sich plötzlich einer intensiven Doppelbelastung ausgesetzt: «Ich stand um fünf Uhr auf, arbeitete zwischen sechs und acht in Meilen, nahm dann die Fähre nach Horgen, um von dort zum FCZ-Training auf die Allmend Brunau zu fahren. Nach dem Mittagessen ging ich wieder arbeiten.» Dabei ist dem jungen Goalie vom FCZ eine Ausbildung im KV-Bereich angeboten worden. Brecher winkt ab: «Ich kann nicht den ganzen Tag im Büro sitzen. Bei mir muss etwas laufen. Ich bin ein Handwerker.»

Der Lehrling macht keine halben Sachen – und bringt starke Noten nach Hause: «Im Zeugnis hatte ich einen Fünfer-Schnitt, und die LAP bestand ich mit einem Durchschnitt von 4,8 – ohne gross zu lernen.»

Er kommt an Yann Sommer und Roman Bürki ran

Beim FCZ ist man von Brechers Fähigkeiten stets überzeugt. Präsident Ancillo Canepa sagte mit der ihm eigenen Euphorie: «Nach Yann Sommer und Roman Bürki ist Yanick der talentierteste Schweizer Goalie.» Für den Durchbruch auf höchstem Niveau braucht es aber eine Rochade an der Seitenlinie. Erst mit der Beförderung von Ludovic Magnin zum Cheftrainer kehrt Brecher ins Tor zurück. Seither heisst der FCZ-Torhüter Yanick Brecher.

FCZ Goalie Yanick Brecher beim Cup-Finalspiel YB gegen FCZ Stade de Suisse  27.05.2018
© Keystone

Die FCZ-Wand: Mit seiner Körpergrösse (196 cm) ist Brecher für jeden Stürmer eine hohe Hürde.

Brecher gibt sich bescheiden

Und zwei Jahre nach dem Kreuzbandriss ist der passionierte Golfspieler (Handicap 22) besser denn je. Abheben tut er deswegen nicht. Ohnehin scheint sein ruhiges und bescheidenes Wesen dem oft lauten und überhitzten Fussballgeschäft schlecht zu entsprechen. Doch Yanick Brecher hat gelernt, die Ellbogen auszufahren. Aus dem Männedörfler Talent ist ein Schweizer Cupsieger geworden.

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