Talkshow Sexistisch: Moderator führt nackte Frauen vor

In Dänemark sorgt eine Talksendung für Empörung: Zwei Männer sitzen in einem Studio und vor ihnen steht eine Frau. Splitterfasernackt und stumm, denn sagen darf sie nichts.

Während man hierzulande erst kürzlich darüber diskutiert hat, ob es noch im Rahmen liege, dass ein älterer Parteipolitiker einer Journalistin aufs Dekolleté linst und anzügliche Bemerkungen macht, schiesst Dänemark nun den Vogel ab. Mit einer TV-Talkshow der ganz bizarren Art, in der zwei (natürlich bekleidete) Männer auf einem kleinen Sofa über die nackt vor ihnen stehende Frau diskutieren. Es geht um die weibliche Schönheit, Männlichkeit und sonstige verwandte Themen. Die begaffte Frau steht da, schweigt und ist den Kameraschwenks - und zooms ausgeliefert. So lange, bis sie von einer anderen abgelöst wird. Schön und jung muss sie immerhin nicht sein, nur nackt.

Es ist das Konzept von Moderator Thomas Blachman, 50, einem erfolgreichen Jazzschlagzeuger und Musikproduzent, der als Jurymitglied in der dänischen Variante der Casting-Show «X Factor» durch seine gnadenlose Urteile bekannt wurde. In seiner Sendung «Blachman» gibt er nun - mit offenen Hemd und Glatze - den Macho-Proll par excellence. Jedoch mit dem Anspruch, künstlerisch sensibel zu sein und etwas zur kulturellen Diskussion in seinem Land beizutragen, wie die «Süddeutsche» schreibt. Denn «den Frauenkörper dürstet es nach den Worten des Mannes», lautet seine Meinung. Die Männer liefen heute ja nur noch als «Schattenfiguren» herum, es drohe gar «die schwanzlose Gesellschaft». Diesem Elend soll nun das spezielle Format abhelfen. Ausserdem komme es «dem Blick der Frau auf den Blick des Mannes auf die Frau» zugute. Mit dem dänischen Schriftsteller Jan Sonnergaard sucht Blachman beispielsweise nach dem richtigen Begriff für das weibliche Geschlechtsorgan, und Modeschöpfer Erik Brandt bekennt sich dazu, nichts mit grossen Brüsten anfangen zu können. In einer anderen Sendung animiert ein Rücken zum Vergleich mit einem Cello, und eine Kaiserschnittnarbe erinnert an «das Wunder des Lebens». 

Die halbstündige Sendung auf DR 2 schafft es, Schriftsteller und Künstler zur besten Sendezeit ins Fernsehen zu bringen. Und das Konzept soll eines: Das Volk dazu bewegen, um 22 Uhr einzuschalten. Dass hierfür nackte Frauen herhalten müssen, ist ein alter Trick. 

Drei von sechs Folgen sind bereits hier ausgestrahlt worden.

Auch interessant