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Kutten, Wallekleider, Minimalismus

Li Edelkoort weiss jetzt schon, was wir nächsten Winter tragen

Trends sind Zufall und schwer vorauszusagen? Quatsch. Es gibt eine Frau, die weiss schon heute, was wir Ende des Jahres liken, wollen und kaufen werden.

Lidewij, genannt Li, Edelkoort ist Trendforscherin. Ihr Job ist es, Monate, ja sogar Jahre im Voraus zu prophezeien, was wir in Zukunft mögen werden. Mit ihren Prognosen ist die Niederländerin so erfolgreich wie kaum jemand sonst. Ihre Seminare, in denen die 68-Jährige Farben, Stoffe, Schnitte, Muster und Silhouetten für die Mode, aber auch den Bereich Lifestyle und Interior voraussagt, sind weltweit ausgebucht.

Li Edelkoort

Li Edelkoort beobachtet, forscht und sieht in die Zukunft: Die Niederländerin ist eine der renommiertesten Trendprognostikerinnen der Welt.

Getty Images

Düstere Aussichten?

Obwohl unsereins noch nicht mal die aktuelle Saison überstanden hat und sich eigentlich nur nach Frühling und Sommer sehnt, weiss Edelkoort längst, worauf wir uns im nächsten Winter stürzen werden. Ihre Prophezeiung mutet ein wenig düster und pessimistisch an. Die Niederländerin behauptet nämlich, die Gesellschaft sei am Boden, fühle sich verlassen und sei wütend. Wütend auf den Verlust der Verbundenheit durch Religion, die Verschmelzung von Arbeit und Freizeit und eine innere Leere, die durch ständigen Konsum gefüllt werden soll. Klingt erstmal so, als würde der kommende Winter ziemlich deprimierend werden. Stimmt aber nicht! Denn laut Li besinnen wir uns wegen eben dieser Lasten aufs Spirituelle. Auf fliessende Schnitte, wallende Kleider und schützende Umhänge. Wir wollen sein, nicht definiert werden.

Der neue, bequeme(!) Minimalismus

Und das, sind wir mal ehrlich, klingt doch eigentlich ganz schön gemütlich. Besonders in einer Jahreszeit, während der man sowieso am liebsten ausschliesslich mit seiner Bettdecke bekleidet wäre. Im Winter 2019/2020 werden wir also Wickelmäntel, weite Kleider und Roben, lange Röcke, grosse Schals und minimalistische Silhouetten lieben. Joa, klingt wie etwas, mit dem wir uns anfreunden könnten. Dass sie diese Trends nicht aus dem Hut zaubert, sie sich stattdessen organisch mit dem Wandel der Gesellschaft ergeben, belegen die aktuellen Herbst/Winter-Schauen. Schon jetzt ist ganz klar eine Tendenz weg von der einengenden Form, hin zur befreienden Formlosigkeit zu erkennen. Das Gleiche gilt übrigens für die Farben. Weiss im Kontrast zu Dunkelblau und Schwarz, tiefes, sattes Rot, Orange und Blau werden uns in Zukunft erhalten bleiben, weiss Li Edelkoort. Ihr habt Karos und Tweed im Schrank? Bloss nicht aussortieren.

Von Laura Scholz am 07.01.2019