Der Pelz fällt. Ab September 2026 werden im offiziellen Kalender der New York Fashion Week (NYFW) keine Kollektionen mehr gezeigt, die
Tierpelz verwenden. Ausgeschlossen ist Pelz von Tieren, die ausschliesslich wegen ihres Fells gezüchtet oder gejagt werden; eine Ausnahme gilt lediglich für Pelz aus traditioneller Jagd indigener Gemeinschaften zur Selbstversorgung. Durchgesetzt wird diese Regel vom Council of Fashion Designers of America (CFDA), dem Berufsverband US-amerikanischer Modedesignerinnen und -designer, der nur noch jene Aussteller in seinen Veranstaltungskalender aufnimmt, die sich an die Vorgabe halten. Dass das Verbot erst ab September 2026 greift, obwohl es bereits Ende 2025 beschlossen wurde, zeigt, wie viel Vorlauf selbst ethisch kaum umstrittene Reformen in der Modebranche benötigen.

Viele Modemarken haben Pelz aus ihren Kollektionen gestrichen.
Getty ImagesCFDA-Chef Steven Kolb erklärt dazu: «Da an der NYFW bereits jetzt kaum noch Pelz gezeigt wird, hoffen wir, amerikanische Designer dazu zu inspirieren, sich intensiver mit der Wirkung der Modeindustrie auf Tiere auseinanderzusetzen.» Gleichzeitig betont er, dass die amerikanische Mode dadurch auch bei Materialinnovationen voranschreiten könne. Der Entscheid fällt in eine Phase, in der die globale Pelzindustrie ohnehin auf dem niedrigsten Stand seit Jahren produziert. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Humane World for Animals ist der weltweite Handel mit Echtpelz innerhalb eines Jahrzehnts um rund 80 bis 85 Prozent zurückgegangen. Viele Modemarken haben Pelz aus ihren Kollektionen gestrichen, klassische Pelzfarmen verlieren zunehmend an Bedeutung. Parallel dazu hat sich in den vergangenen Jahren jedoch auch eine Bewegung für recycelten Pelz etabliert. Statt neue Tiere zu töten, setzen Designerinnen, Vintage-Häuser und Ateliers darauf, bestehende Pelzbekleidung umzunähen, neu zu interpretieren oder in zeitgemässe Silhouetten zu überführen. Dieser Ansatz versteht sich weniger als Rückkehr zum Pelz, sondern als Versuch, vorhandene Materialien weiterzuverwenden und deren Lebenszyklus zu verlängern – ein Spannungsfeld, das die Nachhaltigkeitsdebatte in der Mode zusätzlich differenziert. Entsprechend gross ist die Resonanz aus der Zivilgesellschaft. Emma Håkansson, Gründerin von Collective FashionJustice, sagt:
«Der CFDA hat seine Position als führender, innovativer Modeverband auf der globalen Bühne gefestigt, indem er sich offiziell von unethischem und nicht nachhaltigem Tierpelz verabschiedet hat.»

Pelz gehört dem Tier und sonst niemandem.
Getty Images/RooM RFAuch PJ Smith, bei Humane World for Animals für das Thema Mode verantwortlich, ist zufrieden: «Solche Richtlinien ebnen den Weg für Materialinnovationen, die eine sauberere, menschlichere Modeindustrie schaffen, ohne Kreativität und Schönheit zu opfern.» Von Aktivistenseite fällt die Reaktion noch deutlicher aus. Laut einer Stellungnahme von Peta ist «Pelz offiziell tot», da kein grosser Designer ihn künftig noch zeige und keine führende Modemarke ihn mehr auf Laufstegen oder in Magazinen präsentieren wolle. Aus dem konservativeren Teil der Branche gibt es derzeit kein öffentlich belegtes Zitat, in dem etwa Anna Wintour ihre persönliche Haltung zum aktuellen Verbot kommentiert. Häufig wird jedoch eine frühere Aussage von ihr zitiert, in der sie in einem Interview mit Christiane Amanpour auf CNN zur Debatte um Pelz und Nachhaltigkeit anmerkt, dass «Kunstpelz offensichtlich mehr verschmutzend sei als echter Pelz», zugleich aber betont, dass Modehäuser verantwortlich seien, ethisch und nach besten Praktiken zu handeln. Zwar existieren Fotografien, die sie noch 2020 in einem pelzartigen Mantel zeigen, doch ob es sich dabei nachweislich um Echtpelz handelte, ist nicht belegt. Unabhängig von den NYFW-Regeln haben sich viele Designerinnen und Designer längst klar positioniert.

Shrimps Designer Hannah Weiland ist bekannt für ihre Kunstpelz Kreationen. (Photo by Stephane Cardinale - Corbis/Corbis via Getty Images)
Corbis via Getty ImagesBritin Hannah Weiland sagt über Kunstpelz:
«Ich arbeite gern damit, weil er nicht haart und sich genauso weich wie echter Pelz anfühlt.»
Der institutionelle Schritt bietet zwar keine vollständige ökologische Garantie, trägt aber dazu bei, dass Echtpelz auf den Laufstegen internationaler Modezentren zunehmend verschwindet. Die Nachhaltigkeitsdebatte bleibt dabei komplex: Der Ersatz durch synthetische Alternativen hat ebenfalls negative Auswirkungen auf die Umwelt, da viele dieser Materialien auf fossilen Rohstoffen basieren. Recycelter Pelz wiederum wirft die Frage auf, ob ethische Verantwortung allein an Neuproduktion festzumachen ist oder auch an der Weiterverwendung bestehender Ressourcen. Auch global ist der Einfluss vielschichtig. Ein Verbot bei der New York Fashion Week stoppt die Produktion in grossen Erzeugerländern wie China nicht unmittelbar, entzieht dem Material jedoch seine kulturelle Funktion als Prestigeobjekt. Pelz lebt von Begehren, Status und öffentlicher Sichtbarkeit. Wird ihm diese Bühne genommen, verliert er langfristig nicht nur an Präsenz, sondern auch an wirtschaftlicher Relevanz. Der Abschied vom Pelz ist damit weniger eine Frage des Geschmacks als eine der Glaubwürdigkeit. New York positioniert sich klar. Für Paris, Mailand und andere Metropolen bleibt die unbequeme Frage, wie lange sich ethisches Zögern noch als kulturelle Offenheit verkaufen lässt.
