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Ronja Furrer an der amFar-Gala

So viel Kleid ist immer noch angezogen

Es gibt Dinge, die muss man können. Wie etwa Haut zu zeigen, ohne billig zu wirken. Und Ronja Furrer beweist an der amfAR-Gala: Sie kann das.

1956 definierte der kanadische Soziologe Erving Goffman die soziale Welt als eine Art Theater. Seine (hier stark vereinfachte, wir gebens zu) Theorie: Jeder Mensch spielt eine Rolle. Und diese Rolle wird vom Kontext beeinflusst. Adaptieren wir nun diese Analogie zwischen Realität und Theater auf den Roten Teppich, zum Beispiel den der amfAR-Gala am Mittwoch in New York. Dort schritt das Schweizer Model Ronja Furrer über den Roten Teppich. Ihre Rolle in diesem Moment? Stil und Eleganz verkörpern und bestenfalls ein bisschen auffallen. Das stärkt das Profil in einer Welt, in der Models neuerdings auch Influencerinnen und Celebrities sein müssen. Hübsch aussehen reicht heutzutage einfach nicht mehr. 

Auffallen ja, aber bitte mit Stil

Ein gutes und auffälliges Kleid hilft dabei, den Fokus der üblicherweise an einer High-Profile-Veranstaltung zahlreich vertrenenen Fotografen auf sich zu lenken. Ein bisschen Haut zu zeigen, hat hier in der Regel auch nie geschadet. Doch die Zeiten, in denen Hollywood-Ikonen wie Jane Mansfield einfach ihren BH daheim lassen konnten und die Welt war aus den Fugen, sind vorbei. Seit Sophia Loren 1957 um das Dekolleté ihrer Schauspielkollegin fürchten musste, sind wir durch die Omnipräsenz an Nacktheit (andere nennen das Enttabuisierung der weiblichen Sexualität) dermassen abgestumpft, dass uns ein weit ausgeschnittenes Kleid nicht mehr aus den Socken Haut. 

Sophia Loren und Jane Mansfield

Sophia Loren und Jane Mansfield (damals noch etwas unbekannter als die Kollegin aus Italien) trafen sich an einer Veranstaltung. Über wen die Presse im Anschluss mehr berichtete, liegt auf der Hand. Dieser BH-freie Look war im alten Hollywood geradezu frivol.

Getty Images

Heute liegt die Herausforderung darin, den schmalen Grat zwischen plumper Busenshow und eleganter Einsicht zu treffen. Und was hat Ronja Furrer nun damit zu tun? Die Kleiderwahl der 27-Jährigen ist wie ein Lehrbuch: Die schwarze High-Slit-Robe enthüllt und verhüllt in totaler Balance (wir hoffen, Ronja hat gegen das Verrutschen gut vorgesorgt. Sonst hätten wir hier ein paar Tipps). Und wirkt dabei gleichzeitig hochelegant und niemals billig. Oder wie Erving Goffman sagen würde: Ronja hat ihre Rolle perfekt inszeniert - und mit Stil das richtige Requisit für ihre Bühne gewählt. Das muss man halt eben einfach können. 

Von Bettina Bendiner am 9. Februar 2019