Ruth Mottershead, was hat Ihre Leidenschaft für Design am meisten beeinflusst?
Kreativität war für mich immer selbstverständlich. Besonders prägend waren die Momente, in denen wir als Kinder gemeinsam mit meinen Eltern am Küchentisch die ersten Farbkarten bemalt haben. Das Familienunternehmen war allgegenwärtig. Trotzdem bin ich zunächst meinen eigenen Weg gegangen. Ich studierte Landschaftsarchitektur, hatte Jobs in London und sogar in Japan, bis mein Vater mich überraschend fragte, ob ich einsteigen wolle. Das war der Wendepunkt.
Wie hat sich die Arbeit im Familienunternehmen entwickelt?
Als ich einstieg, war Little Greene winzig: eine Designerin, ein Grafiker – das wars. Ich baute das Marketing auf, kümmerte mich um Social Media, Fotoshootings, alles. Mein Bruder Ben kam zeitgleich dazu. Heute sind wir ein KMU mit rund 200 Leuten. Unser Vater hat sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, bleibt aber als Gründer, Chemiker und kreativer Kopf ein wichtiger Anker. Wir führen weiter, was er aufgebaut hat, und entwickeln die Marke gleichzeitig weiter.

Tapeten des 18. Jahrhunderts verleihen spannende Akzente.
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Welche Farbtrends inspirieren Sie im Moment persönlich?
Bei den neutralen dominieren warme Steintöne, sie haben die graue Phase abgelöst. Bei kräftigen Farben sehe ich viel Bewegung in Richtung Burgunder, purpurne Rotnuancen und bronzige Rottöne.
Gibt es etwas, von dem Sie dringend abraten würden?
Ja, verschiedene Weisstöne wild zu kombinieren. Wenn sie unterschiedliche Unterpigmente haben, beisst es sich sofort. Auch strahlendes Reinweiss an der Decke würde ich vermeiden – es wirkt kalt und lenkt den Blick ungewollt nach oben.

Ob einzelne Wände, oder ganze Räume, Tapeten können in andere Welten entführen.
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Welche Wirkung sollen Ihre Farben auf die Menschen haben?
Räume tragen Emotionen. Eine Küche darf lebendig und energiegeladen sein, ein Wohnzimmer eher ruhig und erdend. Kühle Töne fördern die Konzentration – ideal fürs Arbeitszimmer. Mir ist wichtig, dass Menschen spüren: Farbe kann Atmosphäre formen.

Ruth Mottershead ist Gründertochter und Creative Director bei Little Greene.
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Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit?
Eine zentrale. Unser Unternehmen wurde mit diesem Anspruch gegründet. Unsere Produkte sind wasserbasiert, die Verpackungen recycelt. Besonders stolz bin ich auf «Remix» – ein Projekt – aktuell nur in Grossbritannien, mit dem wir jährlich rund 60 000 Liter Farbe vor der Entsorgung retten, indem wir Rückläufer und Ausschuss recyceln.
