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Mit Grösse 38 schon zu dick?

Die grosse Plus-Size-Lüge

Body Positivity wird immer grösser geschrieben. Die Grössen dagegen? Werden immer kleiner. Wer 40 trägt, gilt als Plus Size. Achso.

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Die wunderschöne Charli Howard trägt Grösse 38/40. Und ist als Model erst erfolgreich, seit sie sich «Plus Size» nennt.

Getty Images

Das Cover der britischen Cosmopolitan zierte im Oktober 2018 Tess Holliday. Die 33-Jährige ist erfolgreiches Plus-Size-Model, trägt Grösse 52. Nach Sophie Dahls Durchbruch 1999 schaffte es Candice Huffine 2015 als zweites Plus-Size-Model der Geschichte in den weltweit begehrten Pirelli-Kalender. Die 34-Jährige trägt eine 44. Das britische Dessous-Label Agent Provocateur wirbt für den anstehenden Valentinstag mit einer Body-Positivity-Kollektion. Model Charli Howard, 27, schrieb hierfür einen Brief an ihren Körper, erklärte ihm und all seinen Kurven darin ihre uneingeschränkte Liebe. Charlis Kleidergrösse? 38/40.

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Ab wann ist meine Size eigentlich Plus?

Man merkt es schon. Der Begriff Plus Size ist offensichtlich … frei interpretierbar. Dass Diversität auf allen Ebenen wichtig und richtig ist, wissen wir nicht erst seit Begriffen wie «White Washing» und «Body Positivity». Jeder Umfang, jede Grösse, jede Farbe hat ihre Daseinsberechtigung und ist schön und einzigartig wie sie ist. Nicht umsonst ging der Cosmopolitan-Titel von Tess Holliday um die Welt. Die Kurven-Ikone selbst weiss, wie wichtig dieses Cover ist. Auf ihrem Insta-Account schreibt sie:

Hätte ich einen Körper wie meinen als junges Mädchen auf einem Magazin gesehen, hätte das mein Leben verändert. Ich hoffe, dass es einigen von euch nun so geht.

Ganz sicher! Und genau diesen Mädchen (und Frauen) sollte vielleicht auch mal jemand erklären, warum sie mit einer Grösse 38 oder 40 schon als Plus Size gelten sollen. Sucht man im Internet nach einer Definition des Begriffs, kann man lesen, dass es sich um Übergrössen handelt, die nicht im Laden von der Stange erhältlich sind … 

Es herrscht Verwirrung

Charli Howard, die die Vorzüge ihres «Übergrössen»-Körpers aktuell in der Agent-Provocateur-Kampagne präsentiert, kennt das Problem. Jahrelang wurde das Nachwuchsmodel von ihrer Agentur und den Kunden als zu fett bezeichnet. Grosse Jobs? Fehlanzeige. Der damals Grösse-32/34-Trägerin ging das zu weit. Sie schmiss alles hin, hörte auf zu hungern und schrieb mit «Misfit - One Size Does Not Fit All» ein Buch für junge Erwachsene, die mit ihrem Gewicht und den strengen Erwartungen der heutigen Gesellschaft zu kämpfen haben. Seither ist die inzwischen 27-Jährige Body-Positivity-Aktivistin – und erfolgreiches Model. Hut ab für so viel Einsatz. Trotzdem, oder gerade deswegen, macht es aber doch stutzig, dass eine, die weiss wie schwierig das Verhältnis zum eigenen Körper sein kann, für eine Dessous-Firma wirbt, deren Cups gerademal bis Grösse 80 reichen.

Body Positivity? Ja, bitte mehr davon! Den Begriff Plus Size wahllos über alle Frauen stülpen, die mit ihrer Kleidergrösse mitten im gesunden – aber komischerweise kaum thematisierten – Durchschnitt liegen? Hört doch bitte auf damit.

Von Laura Scholz am 28.01.2019
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