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Wie bitte?!

Diese Dinge machen unsere Wohnung (angeblich) zum Männer-Schreck

Bücher, Bilder von Frauen, Kakteen, … Sollen sich Männer in einer Wohnung wohlfühlen, sind diese Gegenstände offensichtlich verboten. Sagt eine Interiorterapeutin. Und ich kann nur erwidern: entschuldigung?!?

Wohnzimmer mit Büchern
Getty Images

«Es ist die Einrichtung einer starken Singlefrau. Aber sie vermittelt Besuchern ‚Ich komme gut alleine klar. Ich brauche niemanden‘», lese ich in einem Artikel der DailyMail. Und es steigt – ein ganz klein bisschen – Wut in mir auf. Es geht, wer hätte es nach diesem Zitat gedacht, um die Wohnung einer Singlefrau. Die offensichtlich selbst daran schuld ist, dass in ihrem Leben kein Platz für einen Mann ist. Sie hat zu viele Bilder von anderen starken Frauen in ihrer Wohnung hängen, zum Beispiel Frida Kahlo und Marlene Dietrich, zu stachlige Kakteen auf dem Sideboard und, Achtung, zu viele Bücher im Regal. Das erklärt ihr eine Interiorterapeutin und verspricht: «Wenn ich mit dem Finetuning fertig bin, wird hier Raum für einen Mann an deiner Seite sein.» Aha.

Home Sweet Männer-Home?

Ausmisten ist momentan angesagt, ich weiss. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass nicht auch ich schon eine Folge der Marie-Kondo-Serie auf Netflix geschaut und danach ein, zwei Sachen ins Besitz-Jenseits befördert habe. Aber, soweit ich informiert war, ging es dabei um so etwas wie den eigenen Seelenfrieden, das Freischaufeln von zu viel unnötigem Krempel. «Does it spark Joy» war doch der geflügelte Leitspruch hinter all dem Aufgeräume. Allerdings nicht bei mir, sondern bei ihm? Oder viel mehr dem potenziellen Future-Ihm?! Muss Frau heute schon ihre Wohnung auf Mann ausrichten, damit der sich morgen beim «Kaffee» nach dem Date nicht eingeschüchtert oder, Gott bewahre, überflüssig fühlt? Entschuldigung, liebe Interiorterapeutin, aber da muss ich mich jetzt mit dem Gewicht jedes einzelnen Buches aus meinem Regal dagegenstemmen. Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein.

Mal die Haare schneiden, wenn man sich von etwas (oder jemand) Altem trennen möchte, oder die Überbleibsel der letzten Beziehung aus der Wohnung verbannen, um nicht unterbewusst daran festzuhalten, Neustart und so – das kann ich alles nachvollziehen. Aber ich werde wohl noch so viele Kakteen und Bilder in meinem Zuhause dekorieren dürfen, wie es mir gefällt? Hat nicht irgendein weiser Mensch mal gesagt «My Home is my Castle»? Eben. Und wenn der Future-Typ sich von meiner Castle eingeschüchtert fühlt, dann darf er sich gerne eine Lektüre für den Weg aussuchen und von dannen ziehen.

Von Laura Scholz am 17. Februar 2019