Rund eineinhalb Stunden dauert die Fahrt von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh bis zum Tor des Campus von Smiling Gecko. Die Fahrt führt auf einer Schotterstrasse durch Ödland, Abfallberge, Unterstände, die als Wohnhäuser dienen. Armut und Verelendung sind schwer zu ertragen. Zwar befindet sich Kambodscha laut Weltbank auf einem Pfad, der ökonomisch in eine bessere Zukunft führt. Immer mehr Menschen wird ermöglicht, ein Auskommen zu erarbeiten, dass grösser ist, als damit nur mit knapper Not genügend Essen zu besorgen.
Wie lässt sich also rechtfertigen, dieses Tor in der Provinz Kompong Chhnang zu durchfahren und in einem Luxushotel mit Zimmerpreisen zwischen 250 und 380 Franken pro Nacht Ferien zu machen? Gerade deswegen! Den Campus von Smiling Gecko gibt es nur aus dem einen Grund: die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Möglichst viele sollen eine Ausbildung erhalten, ein Haus bewohnen, das diesen Namen verdient, einen Lohn verdienen, der ein Leben in Sicherheit ermöglicht.
Hannes Schmid, weltbekannter Fotograf, bekannt geworden mit dem Marlboro-Mann, ist der Gründer von Smiling Gecko. Ein Fotoprojekt auf einer Abfallhalde in Kambodscha führte zur Idee, ein «Dorf» zu schaffen, das ein anständiges Leben ermöglicht. Beim Fotografieren der Ärmsten der Armen, die im Müll leben, war Schmid derart schockiert und betroffen, dass er sein Hotelzimmer verliess und mit den Menschen in Dreck und Gestank lebte. Danach kaufte er 150 Hektaren Land und baut seit 2014 an seiner Vision.
«Gäste knüpfen Kontakt, sehen, wohin das Feriengeld fliesst.»
Im Smiling-Gecko-Campus wird Landwirtschaft betrieben, es gibt eine Fischzucht, Hühner und Rinder, eine Metzgerei, Schreinerei, Bäckerei und bald auch eine Schlosserei. In der Schule werden 480 Kinder unterrichtet, rund 380 Menschen leben und arbeiten hier, 30 000 Menschen aus dem weiteren Umfeld profitiert als Lieferanten oder Angestellte vom Projekt.
Wichtiger Teil des Campus ist das Hotel Farmhouse. Übernachtet wird in zwölf auf Stelzen stehenden Bungalows im Khmer-Stil oder in zehn rollstuhlgängigen Suiten. In zwei Salzwasserpools lässt man sich herrlich treiben, im Hauptrestaurant des Campus gibts den ganzen Tag kambodschanische Spezialitäten. Juwel des Hotels ist das Sanctuary Spa mit acht Behandlungshäusern, angelegt in tropischem Ambiente, mit eigenem Pool. Eine Khmer-Massage (ohne Öl), eine Behandlung zur Tiefenentspannung, sich besprudeln lassen im Jacuzzi – alles ist möglich.
Im neu eröffneten Zweitrestaurant, dem «Un», kocht Spitzenköchin Mariya Un Noun. Sie verarbeitet hauptsächlich die auf dem Campus angebauten Produkte in Qualität eines Topchefs – kaum eröffnet, wurde das «Un» bereits als eines der besten Restaurants des Landes gewählt. Mariyas Geschichte ist bezeichnend für die Arbeit der NGO: Die alleinerziehende Mutter wuchs in einem Slum auf, kam in den Campus, zeichnete sich durch grosses Kochtalent aus und erhielt beim Schweizer Spitzenkoch Andreas Caminada den letzten Schliff.
90 Frauen und Männer arbeiten im Hotel, sind entweder in Ausbildung oder bereits so weit, dass sie andere das Handwerk lehren können. Manche Berufsleute ziehen weiter und knüpfen das Netz von Bildung und Entwicklung übers ganze Land. Begegnungen mit den äusserst freundlichen Bewohnerinnen und Bewohnern des Campus sind bei einem Aufenthalt das, was den Besuch im Farmhouse Resort so wertvoll macht: Die Gäste können Kontakte knüpfen, Beziehungen aufbauen, verfolgen, wohin ihr Feriengeld fliesst. Das Tor zum Campus wird so zum Tor zu Land und Leuten. Und zur Sinnhaftigkeit.