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Mit 40 in Rente, bitte

Mit Frugalismus kauft man sich sein Leben frei

Es ist Mitte des Monats und das Geld wird knapp! Darauf erst mal ein Bier in der Lieblingsbar mit Freunden! Für Frugalisten ist dieses Lebensmodell nicht nachvollziehbar. Sie sparen auf finanzielle Unabhängigkeit – und verzichten dabei auf vieles, was für uns unvorstellbar ist.

MIt Frugalismus kauft man sich sein Leben frei

Statt sich auf den Staat zu verlassen, finanzieren sich Frugalisten ihre komplette Rente lieber selbst. Damit das klappt, ist Verzicht angesagt.

Getty Images

Zugegeben, Frugalismus klingt erst mal wie die nächste fancy Ernährungsform. Mit Paleo, Veganismus, Low Carb oder Keto hat der Lebensstil allerdings herzlich wenig zu tun. Wobei … um Verzicht geht es irgendwie auch. Statt Kohlenhydrate, Fleisch oder Milchprodukte lassen die Frugalisten allerdings lieber unnötige Ausgaben weg. Denn sie würden gern in Rente gehen (willkommen im Club). Und das so bald wie möglich (noch mal, willkommen im Club). Finanzielle Unabhängigkeit ist das oberste Ziel. Sparen der Weg dahin. Und das in seiner extremsten Form (uuund wir sind wieder raus).

Wozu das Ganze?

Aber von vorn: «Frugal» bedeutet übersetzt «genügsam» oder «sparsam». Der Trend zum Leben auf die reduzierte Art kommt ursprünglich aus den USA und ist damals, 2008, während der Finanzkrise entstanden, als vielen schlicht nichts anderes übrig blieb, als sich auf das Nötigste zu beschränken. Sich auf einen Kaffee oder ein Bier mit Freunden in einer Bar treffen? Liegt nicht drin. Auswärts essen? Unvorstellbar. Geld fürs Fitnessstudio, Shopping, den Coiffeur oder Kino – für viele von uns ganz normal – sind von der Liste gestrichen. Einige verzichten sogar auf einen Wasserhahn in der Küche (schliesslich gibts ja einen im Bad) oder eine Waschmaschine (besagter Hahn über dem Becken im Bad tut es auch). Nicht, weil sie nicht anders können. Sie entscheiden sich aktiv dagegen. Anders als Minimalisten wollen sie so Vermögen aufbauen, statt sich nur aus der konsumorientierten Gesellschaft zurückzuziehen. Denn eben, die Rente ruft. Im besten Fall schon mit 40. 

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3-Tage-Regel

Ganz ohne Konsum kommen aber natürlich auch Frugalisten nicht aus. Miete, Versicherungen, Kleidung oder Lebensmittel lassen sich nunmal nicht einfach aus dem Leben streichen. Der Unterschied zu uns: Sie haben ihre Kosten genau im Blick, wissen auf den Rappen, wie viel sie monatlich wofür ausgeben können, um ihre Sparrate trotzdem zu erreichen. Wenn mal etwas Ausserplanmässiges her muss, denken sie über die Anschaffung nach. Viele drei Tage lang, andere sogar 30. Sind sie danach immer noch der Meinung, dass der Gegenstand ihr Leben bereichert, wird er gekauft. Impulskäufe werden dadurch gestrichen und nur gekauft, was wirklich Sinn macht. Die finanzielle Freiheit rückt näher. Der überwältigend schöne Erdbeer-Bucket-Hat, den wir vermutlich genau eine Saison tragen würden, dafür in weite Ferne.

Sparen mit System

Letzter Punkt: Sparen allein reicht Frugalisten nicht. Die wachsenden Summen landen nicht auf der hohen Kante, sondern in Aktien, Immobilien oder Anleihen. Spekuliert wird aber nicht. Es wird auf geringe Erträge mit geringem Risiko gesetzt. Ziel ist es, passives Einkommen zu generieren. Und zwar soviel, dass monatlich genug Rendite abgeworfen wird, um nur davon wie bisher (oder besser) leben zu können. Der Betrag auf dem Konto bleibt dann gleich, die lebenslange Rente ist gesichert. Dazu braucht es natürlich Wissen über Aktien und Anlagen. Vielleicht einer der Gründe, warum viele Frugalisten mittlerweile Finanzblogs betreiben. Doch stimmt der Betrag, kann man sich aus der kapitalistischen Gesellschaft «freikaufen»: Gearbeitet wird nur noch, wenn man Lust hat, es bleibt mehr Zeit für Familie, Freizeit oder Hobbies. Und in den meisten Fällen genug Budget, um jetzt auch mal die Artischocke mit Fries im Restaurant zu bestellen, wenn man nich daheim kochen will. Wie lange man selbst als Frugalist durchhalten müsste, um in Rente zu kommen, lässt sich übrigens im Internet berechnen.

Dass das Konzept funktionieren kann, beweisen jede Menge Dokus und Erfolgsgeschichten. Ob man dafür bereit ist, jahrelang auf die kleinen Freuden im Alltag zu verzichten, ist natürlich jedem selbst überlassen. Ein Überblick über Einnahmen, Ausgaben und das monatliche Sparpotenzial würde aber sicher niemandem von uns schaden. 

Von Malin Mueller am 31.07.2020
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