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Der ganz normale Wahnsinn

Wie bringt Sandra C. Kids und Job unter einen Hut? Easy! Oder doch nicht?

«Ich bin hässlich»

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heisst es. Und vermutlich gibt es kein Kind und keinen Teenager auf dieser Welt, der sich selbst richtig hübsch findet. Und wohl auch kaum eine Mutter, die ihr Kind nicht schön findet. Aber wie geht man mit Kindern um, die sich hässlich finden? Die Kids von Familienbloggerin Sandra C. haben ihre ganz eigene Methode. 

«Ich bin hässlich», sagt mein Sohn. Er sitzt auf der Rückbank des Autos, ich am Steuer. Fast baue ich einen Unfall. «Häää?», entfährt es mir, während ich wieder versuche, mich halbwegs auf die Strasse zu konzentrieren.

Ich meine, ganz objektiv gesehen. Oder fast: Mein Sohn ist das schönste Kind der Welt. Er war ein wunderschönes Baby mit rundem Kopf, blondem Haarflaum und grossen Kulleraugen. Dann war er ein unglaublich süsses Kleinkind mit rotem Lockenkopf und Grübchen in den Wangen.

Ich fand sie auch als Pumuckl schön

Die roten Haare und die Grübchen hat er immer noch. Dazu ein Gesicht voller Sommersprossen. Klar, er ist lang und schlaksig und seine Arme und Beine sind im Verhältnis zu lang und die Füsse zu gross. Das ist halt so in seinem Alter. Aber wenn er lacht, ist er das herzigste Kind der Welt – das sagt sogar seine Schwester, und das will etwas heissen! Und so ein bisschen objektiv bin ich schon auch, im Fall.

Als meine Tochter zur Welt kam, hatte sie knallrote, fingerlange Haare, die ihr vom Kopf abstanden. Dazu abstehende Ohren und so helle Haut, dass sie fast bläulich schien. Weit weg von den rotbackigen Wonneproppen-Babys, die gemeinhin als schön gelten. Dazu kam, dass sie wegen eines Refluxes als Baby dünn wie ein Stecken war, was ihre Augen in ihrem eingefallenen Gesichtchen riesig aussehen liess.

Sie sah aus wie Pumuckl, der Kobold. Und ich war mir dessen durchaus bewusst. Und fand sie trotzdem wunderschön. Weil sie eben anders war als andere Babys. Als Kleinkind war sie dann ein süsser, blonder, sommersprossiger Wirbelwind, bei dem nichts mehr an das Pumuckl-Baby erinnerte, das sie mal war.

«Wer sagt, du bist hässlich?»

«Hä?», sagt nun auch meine Tochter, die neben ihrem Bruder auf der Rückbank sitzt. «DU bist hässlich? Du bist doof, aber herzig! ICH bin hässlich!» – «Und doof!», ergänzt ihr Bruder. Na toll! Soll ich meinen Kindern jetzt sagen, dass sie beide weder hässlich noch doof sind, oder dass ich es echt hässlich und doof finde, wenn sie verbal aufeinander losgehen? «Wer sagt, du bist hässlich?», frage ich mit einem Blick in den Rückspiegel. «Alle», sagt mein Sohn. «Wer ist alle?» – «Weissnich.»

Boah, super. Und was sag ich jetzt? «Ey, du bist nicht hässlich», sagt meine Tochter. «Du hast diese Grübchen, wenn du lachst, die finden alle voll herzig. Und es gibt echt voll viele, die sind hässlicher als du.» Ich werfe ihr im Rückspiegel einen dankbaren Blick zu. «Jaschoguet», murmelt sie. «Du schuldest mir was! Cola. Und Chips. Imfall.» – «Hey, weisst du eigentlich, wie hübsch du bist? Und klug?» – «Chips und Cola!» – «Und gnadenlos?» – «Ich weiss!»