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  4. Billigwein = mehr Kopfschmerzen?

Qualität ist (k)eine Preisfrage

Macht billiger Wein wirklich mehr Kopfweh?

Na, gestern ein Gläschen Wein zu viel getrunken? Dann hämmert euch womöglich heute der Kopf. Das liegt nämlich oft an der Menge des Alkohols und nicht am Preis der Flasche. Doch es gibt auch andere Gründe.

Eine Frau mit einer Weinflasche hält sich den Kopf

Leider keine Seltenheit: Kopfschmerzen nach dem Wein. Aber woher kommen sie?

Getty Images

Ein gemütliches Essen mit Freunden, dazu das eine oder andere Glas Wein. Klingt doch nach einem tollen Abend. Doch nicht selten bereuen wir vor allem letzteres am nächsten Morgen: Denn jetzt brummt uns der Schädel. Wir spulen zurück und überlegen uns, wie viel wir denn tatsächlich getrunken haben. Das Fazit: So viel war es doch gar nicht. Dann muss es bestimmt am billigen Wein liegen, der verursacht ja häufig Kopfschmerzen. Oder etwa doch nicht?

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Darum brummt der Kopf

Um herauszufinden, ob der günstige Wein Schuld am Brummschädel ist, müssen wir verstehen, woher die Kopfschmerzen überhaupt kommen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie der Wein selbst. In den meisten Fällen liegt es aber tatsächlich am Alkohol: Er entzieht dem Körper Wasser. Trinken wir zu viel, so dehydrieren wir, was – wie wir wissen – Kopfweh macht. 

Doch nicht immer liegt's am bösen Alkohol. So können auch die im Rotwein enthaltenen Histamine die Übertäter sein. Im Normalfall werden sie vom Körper abgebaut, aber nicht wenige Menschen leiden an einer Intoleranz. Das heisst, sie können Histamine nur sehr schlecht oder gar nicht abbauen. Und jetzt ratet, was die Folge davon ist? Richtig, Kopfschmerzen! In den tiefen des Weinglas gibt es aber noch mehr Gründe für ein böses Erwachen: So reagieren manche allergisch auf die Sulfite (Schwefel) und andere vertragen die Tannine nicht.

Also doch keine Preisfrage?

Alkohol, Histamine, Schwefel und Tannine sind also die häufigsten Ursachen für unser Leiden am nächsten Tag. Sie alle kommen aber sowohl in billigen, als auch teuren Tropfen vor. Stimmt der Mythos vom Billigwein also doch nicht?

Nicht so schnell. Ein Kriterium haben wir nämlich vergessen – und zwar die Qualität. Bei Wein gilt wie bei anderen Lebensmitteln auch: Je hochwertiger die Verarbeitung, desto besser in der Regel das Produkt. Qualität selbst ist aber nicht immer eine Preisfrage. So haben Test nämlich mehrfach gezeigt: Auch günstige Weine können qualitativ sehr hochwertig sein. 

Es gibt auch Ausnahmen

Selten können sehr billig produzierte Weine aber tatsächlich aus minderwertigen Trauben bestehen. In der Folge braucht es mehr Zusätze, um den Wein geniessbar zu machen. Diese Zusätze, die übrigens meist künstlich hergestellt werden, können je nach Art und Verträglichkeit ebenfalls für Kopfschmerzen oder andere unangenehme Nebenwirkungen sorgen.

Auch ein Grund für die Kopfschmerzen kann sein, dass preiswerter Wein teilweise einen höheren Alkoholgehalt hat. Das führt dann einfach schneller zum Kater. Ist der Wein auch noch sehr süss, so wird die Dehydrierung – und somit das Kopfweh – noch beschleunigt, weil auch Zucker den Körper austrocknet.

Zu viel des Guten

Und trotzdem: In der Regel liegt es selten an der Qualität, sondern eher an der Menge. Aber auch da hat preiswerter Wein einen Nachteil: Er fliesst meist schneller als ein teurer, wo jeder Schluck bewusst genossen wird. 

 

Von Deborah Bischof am 01.09.2021
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