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Ich darf auch mal «Nein» sagen

Warum eine gesunde Portion Egoismus so wichtig ist

Schon das Wort an sich hat einen faden Beigeschmack. Und als Egoist bezeichnet zu werden gilt für gewöhnlich als Beleidigung. Wieso die richtige Dosis an Selbstachtung aber essentiell ist und weshalb es Frauen oft schwer fällt, für sich einzustehen, erfahrt ihr hier.

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Ego-Trip? Von wegen! Man kann an sich selbst UND an andere denken.

Getty Images/Westend61

Egoismus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt «Ich-Bezogenheit». Wir alle kommen als kleine Egoisten auf die Welt, weil wir als Baby noch gar nicht zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen anderer unterscheiden können. Da zählt in den ersten Jahren bloss «ich, ich, ich». Und bekommt man nicht das, was man will, wird mit ohrenbetäubendem Geschrei protestiert.

Irgendwann beginnen sich die Grenzen aber aufzulösen und wir lernen mit zunehmendem Alter, auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und ihre Bedürfnisse zu respektieren. Vor allem Frauen konzentrieren sich dabei aber so stark auf das Wohlergehen von anderen, dass sie selbst manchmal zu kurz kommen können.  

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Frauen fällt Egoismus oft schwerer

Dr. Eva Wlodarek, Psychologin und Autorin, erklärt, dass Mädchen (von der Gesellschaft) eingetrichtert wird, sie sollten angepasst, hilfsbereit und perfekt sein. Jaja, wir Frauen müssen halt allen gefallen und in ein bestimmtes Schema passen. Wächst man mit diesem Wissen auf, aktivieren soziale Taten bei Frauen dieselben inneren Knöpfe wie ein Stück Schokolade oder Sex. Männer bekommen als Knaben hingegen eher zu hören, dass sie sich nichts wegnehmen lassen sollen und lernen dadurch früher, für sich einzustehen. 

Der richtige Egoismus

Ja, den gibt es. Es ist gesunder Egoismus, der bedeutet, dass man sich gut um sich selbst kümmert und auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse achtet. Das Gegenteil wäre ungesunder Egoismus, bei dem man andere zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt oder versucht, Mitmenschen den eigenen Willen aufzuzwingen. Ein bedeutender Unterschied! 

Fehlt uns ein gewisses Mass an gesundem Egoismus, kommen die eigenen Bedürfnisse viel zu kurz: Wir möchten es ständig allen recht machen und achten immer darauf, dass es unserem Umfeld gut geht. Das kann irgendwann zur Folge haben, dass unser Terminkalender aus allen Nähten platzt und wir gar keine Zeit mehr für uns selbst haben – und uns völlig ausgebrannt fühlen. 

Lernen, egoistischer zu werden

Damit es nicht so weit kommt, müssen wir uns trauen, für unsere Bedürfnisse einzustehen und öfter mal «Nein» zu sagen, wenn andere etwas von uns wollen. Ja, das bedeutet, dass wir hin und wieder jemanden enttäuschen müssen oder ab und zu eine Party verpassen. Im Gegenzug gewinnen wir aber genau diejenige Zeit, die nötig ist, um uns auszuruhen und ausreichend Energie zu tanken. Denn unsere Freunde haben schliesslich auch nur dann am meisten von uns, wenn wir uns gut fühlen und Spass daran haben, etwas zu unternehmen, statt aus dem Gefühl heraus zu handeln, es allen recht machen zu müssen.

Wie so oft geht es also auch beim Egoismus darum, die goldene Mitte zu finden. Denn so ist am Ende für alle gesorgt. 

 

 

am 09.12.2019
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