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  4. Aufnahmeprüfung für Gymnasium: Private Nachhilfekurse sind teuer

Private Vorbereitungskurse

Der Weg ans Gymnasium kann teuer werden

Für viele Eltern und ihre Kinder führt am Gymnasium kein Weg vorbei. Damit es mit der Aufnahmeprüfung auch klappt, zahlen sie oftmals viel Geld für private Nachhilfekurse. Taugt denn die Vorbereitung in den Volksschulen nichts mehr? Wir haben nachgefragt.

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Ziel Gymnasium: Im mehreren Kantonen schreiben aktuell Tausende Kinder und Jugendliche ihre Aufnahmeprüfungen.

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Diese Woche gilt es für Tausende Schülerinnen und Schüler in mehreren Kantonen ernst: Sie schreiben ihre Aufnahmetests fürs Gymnasium. Allein im Kanton Zürich sind es etwa 8000. Erfahrungsgemäss werden zwischen 40 und 50 Prozent den Sprung ins Lang- oder Kurzzeitgymnasium schaffen.

Die meisten von ihnen haben eine intensive Vorbereitungszeit hinter sich. Gebüffelt wurde in der Schule, in der Freizeit und nicht selten auch in privaten Nachhilfekursen. Ein kurzer Blick ins Internet zeigt: Das Angebot an privaten Lernstunden ist riesig.

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«Gute Ergänzung zum öffentlichen Angebot»

Dass es viele Interessierte gibt, fällt auch Sandra Zogg von der Gymivorbereitung Zürich (GVZH) auf. «Da wir limitierte Teilnahmeplätze haben, sind viele Kurse zur Vorbereitung auf Prüfungen schon oft früh ausgebucht», sagt sie. Zu ihrem Angebot zählen mehrmonatige Kurse für Primar- und Oberstufenschüler. Ein kleines Team von spezialisierten Lehrpersonen (und einem «Schulhund» namens Yoshi) arbeitet schulbegleitend mit kleinen Gruppen an der Repetition des Schulstoffs, simuliert Prüfungssituationen und erarbeitet individuelle Lernstrategien. Zudem stehen Übungsmaterial in Onlineplattformen und eine Whatsapp-Gruppe für schnellen Austausch auch ausserhalb der Kurszeiten zur Verfügung.

Dem Team von GVZH ist nicht nur eine optimale Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Prüfungen wichtig. «Es geht auch darum, dass sie zum Beispiel Spass am Schreiben und Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Selbstsicherheit entwickeln, die über die Prüfung hinausgehen», sagt Sandra Zogg. Je nach Häufigkeit und Fach betragen die Kurskosten zwischen 945 und 4795 Franken, wobei ein regulärer schulbegleitender Kurs 2585 Franken kostet.  

Sandra Zogg ist überzeugt, dass private Kursangebote den öffentlichen Unterricht gut ergänzen können. Die Kinder würden extrem vom externen Feedback und dem Austausch mit anderen Kindern profitieren und die Eltern vom Feedback der Kursleiter. Für manche Volksschullehrpersonen sei es zudem schwierig, mit ihren Klassen auf hohem Niveau zu arbeiten, da sie auf viele spezielle Bedürfnisse wie DaZ (Deutsch als Zweitsprache), Logopädie oder Legasthenie eingehen müssten. Aber nicht nur das: «Die Aufnahmeprüfungen sind viel anspruchsvoller geworden. Wir beobachten das in allen Fächern, vor allem auch im Aufsatzschreiben.»

«Unsere Erfahrung zeigt, dass die Volksschulen sehr gut darin sind, herauszufinden, welche Kinder für das Langzeitgymnasium geeignet sind.»

Roland Lüthi, Rektor Kantonsschule Zürcher Unterland

Roland Lüthi, Rektor der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach widerspricht: «Die Zentrale Aufnahmeprüfung gibt es seit gut zehn Jahren. Seither gibt es für jede Prüfung eine Fachkommission aus Volksschul- und Gymnasiallehrpersonen, die die Prüfung herstellen. Diese Volksschullehrpersonen wissen sehr genau, was heute auf ihrer Stufe läuft und was man an der Prüfung verlangen kann.» Dies gewährleiste, dass die Prüfung eben genau nicht immer schwerer werde, sondern von Jahr zu Jahr ähnlich bleibe, beteuert Lüthi, fügt aber an, dass wegen dem Lehrplan 21 natürlich gewisse Anpassungen in den Prüfungsanforderungen gemacht würden.

Der Rektor sieht wenig Sinn in den privaten Kursen. «Viele Gemeinden bieten seit Jahren von der Volksschule aus einen Gymi-Vorbereitungskurs an. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass die Volksschulen sehr gut darin sind, herauszufinden, welche Kinder für das Langzeitgymnasium geeignet sind», sagt er. Es könne natürlich sein, dass ein Kind mit zum Teil grossem zeitlichem und finanziellem Aufwand durch die Aufnahmeprüfung gebracht wird. Wer das Zeug für das Gymi nicht habe, schaffe dann aber die Probezeit nicht oder komme zu einem späteren, noch ungünstigeren, Zeitpunkt ans Ende des gymnasialen Weges, ist er überzeugt.

«Es scheint, dass die Haltung ‹Ich versuche die Gymi-Prüfung mal, und die Welt geht nicht unter, egal was rauskommt› abgenommen hat.»

Franco Faga, Leiter Logos Lehrerteam

Eltern sind nicht gut informiert

Davon, dass eine gute Vorbereitung aufs Gymnasium durch das Kind selbst, die Schule und die Eltern möglich ist, ist auch Franco Faga, Gründer, Geschäftsführer und Inhaber des 1991 gegründeten Logos Lehrerteams, überzeugt. Zu diesem Zweck bietet er auf der Website das gesamte Kursmaterial auch fürs Selbststudium an. Dennoch hat sein Team mit rund 80 Lehrpersonen in den Monaten vor der Aufnahmeprüfung alle Hände voll zu tun. «Oft treffen wir in der Praxis die Situation an, dass die Eltern aus verschiedensten Gründen ihre Kinder nicht genügend unterstützen können und darum externe Hilfe beiziehen wollen», sagt er. Auf wen dies zutrifft, kann bei Faga und seinem Team verschiedene Kurse besuchen. In kleinen Gruppen werden einzelne Fächer oder das volle Programm mit Mathematik und Sprachen durchgearbeitet. Kostenpunkt: zwischen 520 und 3040 Franken. Frühbucherrabatt nicht einberechnet.

Dass es oft die Eltern sind, die ihre Kinder aufs Gymnasium pushen, ist bekannt. Aus Angst, dass ihr Nachwuchs im Berufsleben auf der Strecke bleibt, wird viel unternommen. Besonders für Akademiker scheint eine Lehre für Tochter oder Sohn meist gar nicht in Frage zu kommen. Dies, obwohl in der Schweiz das Gymnasium nicht der einzige Weg für eine ausgezeichnete Schulbildung ist. 

«Subjektiv scheint es uns, dass die Haltung ‹Ich versuche die Gymi-Prüfung mal, und die Welt geht sowieso nicht unter, egal was rauskommt› abgenommen hat», sagt Franco Faga. Um also zu vermeiden, dass überehrgeizige Eltern ihre Kinder zu solchen Kursbesuchen zwingen, findet vorab ein Beratungsgespräch statt. Grösstenteils bringen Schülerinnen und Schüler die nötige Motivation mit, so Faga. «Hin und wieder kommt es aber vor, dass die Eltern sich die Motivation der Kinder eher herbeiwünschen, als dass sie tatsächlich vorhanden ist. Stellen wir das während des Kurses fest, teilen wir es den Betroffenen mit. Überhaupt stehen wir im regen Austausch mit Eltern und Kindern», versichert er. Er erlebe aber immer wieder, dass Kinder sich während des Kurses positiv entwickeln und motivierter werden.

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Viele Eltern können nicht akzeptieren, dass das Gymnasium für ihre Kinder nicht die beste Wahl ist. 

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«Gwunder» als wichtigster Faktor

Auch Roland Lüthi kennt Situationen, in denen Eltern und Schülern von einem Übertritt ans Gymnasium abgeraten wird. Zum Beispiel dann, wenn die Kinder und Jugendlichen sich nicht vorstellen können, noch lange und viel zu lernen und viel zu lesen. «Ans Gymnasium soll kommen, wer dereinst eine Matur machen und dann studieren und anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen will. Für das Gymi zentral ist in meiner Erfahrung aber zuallererst ‹Gwunder› – man muss wissen wollen, auch wissen wollen, wie etwas – auch theoretisch – genau geht.» 

Dass in der schulischen und beruflichen Karriere viele verschiedene Wege möglich sind, zeigt sich auch bei Lüthi. Statt ans Langzeitgymnasium zu gehen, hat er als Jugendlicher erst die Sekundarschule abgeschlossen, bevor er sich fürs Gymi entschied.

 

Von Edita Dizdar am 09.03.2020
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