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Für ein besseres Teamgefühl

Tipps gegen Eifersucht unter Geschwisterkindern

Die einen streiten sich um das süsseste Plüschtier, die anderen um Papas Aufmerksamkeit, und das Kleinste kriegt eins aufs Dach weil es sowieso «immer nervt»: Eifersucht unter Geschwistern kann für die Eltern ganz schön anstrengend sein. Wir haben eine Expertin nach Tipps für ein friedlicheres Miteinander von Schwestern und Brüdern gefragt.

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Junge ist eifersüchtig auf Schwester mit Mama im Garten

Sich vernachlässigt zu fühlen tut ganz schön weh. Solche Momente zu meistern stärkt Kinder aber fürs Leben.

Getty Images/Westend61

Der Klassiker aller Eifersuchts-Situationen unter Geschwisterkindern ist natürlich jene, wenn ein neues Baby zur Familie stösst. In unseren Interviews lest ihr, wie ihr eure älteren Kinder optimal auf das Baby vorbereitet und ihnen nach der Geburt zu einer guten Beziehung zueinander verhelft.

Doch wie die Anfragen vieler Eltern beim Ostschweizer Verein für das Kind OVK zeigen, werden grössere Geschwisterkinder oftmals auch dann so richtig eifersüchtig, wenn das Baby etwa ein Jahr alt ist. «Wenn es aktiver wird, nicht mehr so viel schläft und den grösseren Geschwistern die Spielsachen strittig macht, reagieren manche sogar eifersüchtiger als bei einem noch ‹ungefährlichen› Neugeborenen», sagt Tanja Espinoza Velez, Erziehungscoach beim OVK. «Dann fällt oft auch der sogenannte Babyschutz, und gewisse Geschwisterkinder werden auch körperlich aktiv gegen das kleine Geschwisterte.» Nachfolgend ihre Tipps für solche Situationen.

Fröhliches Mädchen mit Vater in der Natur

Etwas, das eifersüchtige grössere Geschwisterkinder besonders vermissen: Exklusivzeit mit Papa oder Mama.

Getty Images
  • Negative Gefühle ernst nehmen: «Manchmal tendieren Eltern dazu, immer gleich das kleinere Kind zu beschützen, doch dadurch fühlt sich das grössere nicht verstanden und noch mehr zurückgewiesen. Es ist wichtig, dass das grössere Kind weiss, dass es gehört wird, dass die Eltern seine Gefühle verstehen und akzeptieren.»
  • Raum für jedes Kind schaffen, wo es nicht teilen muss. «Das grössere Kind könnte seinen Turm zum Beispiel auf dem Tisch bauen oder im Laufgitter, um ungestört zu sein und doch im Geschehen mit dabei zu sein. Weniger geeignet dafür ist ein separates Zimmer, sonst könnte es sich weggesperrt fühlen.»

  • Umgang thematisieren: «Dafür muss man sich Zeit nehmen, sich mit dem betroffenen Kind hinsetzen und erklären, dass zum Beispiel Schlagen – trotz allen Verständnisses für seine Gefühle – nicht okay ist. Bei älteren Kindern ist das dann ein Gespräch auf Augenhöhe, bei dem man ihm aufzeigt, was sein Verhalten beim Bruder oder bei der Schwester bewirkt, und sich gemeinsam vorstellt, wie man selbst so ein Verhalten empfinden würde.»

    • Nicht zu früh eingreifen: «Tendenziell raten wir Eltern dazu, bei Streitereien unter grösseren Kindern, die plus minus auf Augenhöhe Konflikte austragen können, wenn möglich etwas abzuwarten. Solange sie uns nicht zu Hilfe rufen, können wir uns darauf verlassen, dass sie diese selbst lösen. Eine gute Faustregel dafür: Zuerst noch einmal durchatmen und fertigstellen, was man gerade am machen ist, und sich erst dann den Kindern zuwenden.»

  • Exklusivzeit schaffen: «Ungeteilte Aufmerksamkeit ist das, was die grossen Kinder am meisten vermissen. Es lohnt sich wirklich, sich diese Zeit zu nehmen, besonders wenn man sich gerade in einer Spirale befindet, in der einem alles nur anstrengend erscheint. Das muss nichts Grosses sein, es reicht ein Spaziergang oder gemeinsam einzukaufen, wenn das kleinere Kind betreut ist. Solche Momente zum Geniessen können den Blick auf das grössere Kind wieder verändern.»

  • Teamgefühl vermitteln: «Immer mal wieder etwas mit allen Kindern gemeinsam unternehmen, das muss nicht gleich ein Ausflug sein, man kann auch einfach gemeinsam einen Kuchen backen. Und dann bewusst formulieren: Das haben wir toll miteinander gemacht! Oder wenn die grösseren Kinder aufeinander eifersüchtig sind, mal nur mit ihnen ohne das Baby etwas machen, damit sie zusammen etwas geniessen können.»

  • Kinder backen mit Mutter

    Beim Backen können alle mithelfen – und gemeinsame Aktivitäten fördern ein gutes Teamgefühl.

    Getty Images

    Vieles ist «nur eine Phase»

    Was Eltern mit eifersüchtigen Kindern ebenfalls optimistisch stimmen kann: «Geschwisterbeziehungen verändern sich immer wieder, wie die Expertin erklärt. «Denn Kinder entwickeln sich ja dauernd. Kaum haben sie sich an etwas gewöhnt, müssen sie sich schon wieder neu anpassen», sagt Tanja Espinoza Velez. «Ein kleines Baby etwa ist gerade auch für die älteren unter den Geschwisterkindern attraktiv, sie sind vielleicht stolz mithelfen zu können. Irgendwann verliert das Kleine den Babybonus, und sein Stellenwert im Geschwistergefüge verändert sich.» Zudem seien so manche Eifersüchteleien nur eine Phase, die wieder vergehe.

    Konflikte sind wertvoll

    Was bleibt: Mit Geschwistern können Kinder alles ausprobieren, sie bieten ein anderes Übungsfeld als Freundinnen und Freunde. «Und manchmal machen die Erwachsenen Themen grösser als sie sind, Kinder finden etwas vielleicht gar nicht so schlimm, wie es uns scheint», sagt Tanja Espinoza Velez.

    So haben Konflikte durch Eifersucht eben auch ihr Gutes: Die Kinder lernen dadurch viel fürs Leben.

    Von am 15. November 2022 - 07:00 Uhr