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  4. Mit Kindern im Restaurant: Dank Tablet und Handy können auch Eltern in Ruhe essen

Mit Nachwuchs im Restaurant

Gebt den Kindern eure Smartphones in die Hand!

Wer hat nicht schon zum Nachbartisch geschaut und über die Trickfilm-schauenden Kinder und deren Eltern den Kopf geschüttelt? Schuldig! Nach zwei Wochen Familienferien samt Restaurantbesuchen nehme ich alles wieder zurück.

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Mit Tablet ins Restaurant: Voll okay oder ein totales No-Go?

Getty Images

Zwei Wochen Meer, Sonne und Familienzeit pur. Das Lachen der Kinder am Strand, Zeit für gute Bücher, romantisches Eltern-Geknutsche und ganz wichtig: richtig viel leckeres Essen. Sommerferien!

Mutter auf allen Vieren

Und hier die Realität: Es ist schon das dritte Mal, dass ich mich während dieser Mahlzeit auf allen Vieren unter dem Tisch des hübschen kleinen Restaurants wiederfinde, um nach Penne-Stückchen zu greifen oder den durch die Rillen in der Tischplatte heruntertropfenden Eistee aufzuwischen. Dieses klebrige Zeug! Wer bitte schön hat den Kindern überhaupt erlaubt, was anderes als Wasser zu bestellen? Mein Sohn erwischt mich mit dem Fuss am Kopf. Es ist erst Mittag. 

«Mit kleinen Kindern geht man halt auch nicht auswärts essen», höre ich es vom Nachbartisch flüstern. Vielleicht stimmt das. Aber hey! Auch ich habe Ferien und will nicht wie daheim täglich zig Mahlzeiten zubereiten und die Küche bis abends um zehn putzen. Wenigstens ein paar Mal in diesem lang ersehnten Urlaub will ich mich bedienen lassen. 

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Ich will mich auch nicht mehr wegwünschen, nach Hause, wo alles weniger kompliziert ist.

Langeweile gilt nicht im Restaurant

Bedienen lassen – okay. Aber von Entspannung kann keine Rede sein. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie Kinder im Restaurant vergessen, dass Besteck bereits erfunden wurde und man die Spaghetti nicht mehr mit zehn kleinen Fingern essen muss. 

Meine scharfsinnige Beobachtung hat ergeben, dass es sich keineswegs nur um meinen Nachwuchs handelt. Egal zu welchem Tisch mit kleinen Menschlein ich schaue, irgendwie drehen sie alle komplett durch. Während Kinder auf dem Spielplatz gerne «Mir ist langweilig!» maulen, sind die Stühle im Restaurant das beste Klettergerüst auf diesem Planeten und die schmalen Gänge zwischen den Tischreihen der ideale Ort für Fangis. Und im Jahr 2020 kommt natürlich auch die verboten gut aussehende Flasche Desinfektionsmittel hinzu, die beim Eingang steht und mit der man genüsslich herumschmieren könnte. Das Ding hat auf meine Tochter eine magische Anziehungskraft. Allerdings nur bis zu dem Moment, wenn die Flüssigkeit statt auf den Händen in den Augen landet. Dann ist nämlich Geschrei, als hätte man sich nackt in einem Kakteen-Feld gerollt.

Zugegeben: Es tut gut zu sehen, dass andere Eltern die gleichen Hürden meistern müssen. Ausser natürlich die Franzosen, deren Kinder immer artig in Gourmet-Tempeln sitzen und Blauschimmelkäse mit Leberpastete essen, ohne zu murren. Ob das am sagenumwobenen und viel zitierten französischen Erziehungsstil liegt oder doch eher mit den regelmässigen Schlägen zu tun hat, wie diese Studie berichtet, lasse ich an dieser Stelle offen.

Stattdessen schwitze ich und kämpfe gegen die drohende Heiserkeit, die sich nach 563 Mal «Psssschhhhht!», «Setzt euch wieder hin!» und «Nein, dein Bruder ist kein Boxsack!»-Krächzen im Hals breitzumachen droht. Aaaaah!

Ich habe keine Lust mehr darauf, mitten im zweiten Biss meiner Hauptspeise aufstehen, zum Auto laufen und den Kinderwagen holen zu müssen, weil die temperamentvolle Dreijährige sonst einfach nicht aufhört mit ihrer Zirkuseinlage. Und ich will mich auch nicht mehr wegwünschen, nach Hause, wo alles weniger kompliziert ist. 

Versteht mich nicht falsch, ich finde es nicht schlimm, wenn Sauce aufs Shirt tropft oder das Kind gar aussieht, als hätte man es der Länge nach durch eine Wanne mit Bolognese gezogen. Darum kümmert sich die Waschmaschine. Alles, was ich will, ist ab und zu in Ruhe essen – wie eine zivilisierte Person.

Ein Hoch auf die Technologie!

Wir haben es mit Büchern versucht, mit mitgebrachten Malsachen, mit Kartenspielen – all das führt nicht zum erhofften Resultat. Jedenfalls nicht so lange, dass wir Eltern es schaffen würden, so oft zu kauen, wie es für eine gesunde Verdauung von Fachpersonen empfohlen wird.

Oh wie wünsche ich mir ein Tablet daher. Zeichentrickfilm an und Ruh' ist! So wie anderen Eltern das machen und ich es eigentlich ganz schlimm finde. Aber leider haben wir so ein Ding nicht. «Werden wir uns auch nicht zulegen», sagt mein Partner bestimmt. Es müsse auch anders gehen. Und das tut es. Mit dem Handy! Genauer gesagt mit zwei – meinem und seinem – wir wollen ja keinen Geschwisterkrieg riskieren. Wir statten die Kinder also mit je einem grossen Kopfhörer aus und lassen sie Hörspiele hören.

Es sieht schon ein bisschen komisch aus, die zwei kleinen Köpfe mit grossen, schwarzen Dingern auf den Ohren. Sie hören uns nicht mehr und wenn sie was sagen wollen, schreien sie. Aber hey, ich kann meine Schnappatmung vorübergehend beenden! Und das tut so gut, dass ich mir sogar überlege, sie beim nächsten Mal auch einen Trickfilm schauen zu lassen. Das nennt sich Vorsätze der Realität anpassen.

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Beim Dessert klappts dann plötzlich wieder mit den Manieren...

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Der Schokoladenkuchen und die Crêpes mit Vanille-Glacé werden serviert. Wie von Zauberhand sitzen meine zwei ganz ruhig da und warten geduldig, bis sie loslegen dürfen. Ja, richtig gelesen. Keine Ahnung, Desserts haben einfach mehr Macht als Eltern. Dass die Kinder-Bäuche statt mit gesundem Gemüse nun vor allem mit Süssem gefüllt werden, wird sich an diesem Tag spätestens beim Schlafengehen rächen. Es soll ja auch nicht langweilig werden.

Von Edita Dizdar am 29.07.2020
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